Betrugstypologien.
Betrugstypologien. Kapitel I des Nachschlagewerks „Typologien digitaler Finanzkriminalität“, hier vollständig und frei zugänglich. Von Tobias Kremp, Blockchain-Analyst und Fachautor. Stand 15. Oktober 2026.
In Klammern die Einträge des Nachschlagewerks, blau die Online-Ergänzungen. Sie stehen nicht in der Ersten Ausgabe 2026 und sind für die nächste Ausgabe vorgesehen. → Änderungen und Ergänzungen zur Ersten Ausgabe
Betrug im Kryptoumfeld tritt in Dutzenden Erscheinungsformen auf. Die Namen wechseln, die Mechanik bleibt. Fast jede Masche besteht aus denselben vier Bausteinen: Kontaktaufnahme, Vertrauensaufbau, Einzahlung, Verlust. Dieses Kapitel ordnet die Erscheinungsformen so, dass Ermittler, Compliance-Teams und Geschädigte einen Fall schnell einem Muster zuordnen können.
Die Einträge folgen der Nummerierung des Nachschlagewerks (I.1 bis I.34). Acht weitere Begriffe stehen nur online, weil sie nach Redaktionsschluss der Fassung 2.1 an Bedeutung gewonnen haben: Stimmklon, Digital Arrest, Virtual Kidnapping, KI-Agent und CFD-Betrug. Dazu kommen die klassischen Telefonmaschen Enkeltrick und Schockanruf, die inzwischen mit synthetischen Stimmen arbeiten. Sha Zhu Pan steht als Herkunftsbegriff des Pig Butchering ebenfalls online.
Jeder Eintrag enthält Definition, Erscheinungsform in der Praxis, Erkennungsmerkmale, Abgrenzung zu verwandten Begriffen und Primärquellen. Wer das Vokabular braucht, um eine Strafanzeige, eine Verdachtsmeldung oder einen Compliance-Bericht präzise zu formulieren, findet es hier.
Ausführlich erklärt: Pig Butchering · Cybertrading Fraud · Recovery Scam
Lesepfad: sechs Einträge für den Einstieg
- Pig Butchering (Sha Zhu Pan)Der Ausgangspunkt. Die industrialisierte Form des Anlagebetrugs mit Beziehungsaufbau, aus der die meisten anderen Begriffe dieses Kapitels abgeleitet sind.
- Cybertrading FraudDie deutsche Erfassungsperspektive: gefälschte Handelsplattformen als Oberbegriff, unter den PKS und Bundeslagebild die Fälle sortieren.
- Anlagebetrug §263 StGBDer strafrechtliche Anker. §263 StGB und die Frage, warum fast alle Kryptobetrugsfälle hier landen und kaum einer bei §264a.
- Fake Trading Platform / Fake BrokerDie Infrastruktur: wie eine Plattform aussieht, die ausschließlich für den Betrug gebaut wurde, und woran man sie erkennt.
- Recovery ScamDie zweite Welle. Wer schon einmal verloren hat, steht auf einer Liste. Der Rückholbetrug setzt genau dort an.
- DeepfakeDie technische Eskalation. Synthetische Gesichter und Stimmen verschieben die Grenze dessen, was ein Opfer prüfen kann.
Alle 34 Einträge des Kapitels
Pig Butchering (Sha Zhu Pan)
Langzeitbetrug, bei dem Täter über Wochen eine persönliche Beziehung zum Opfer aufbauen und es anschließend auf gefälschte Anlageplattformen führen. Der Begriff stammt aus dem Chinesischen: Das Schwein wird gemästet, bevor es geschlachtet wird. Ausgeführt wird die Masche arbeitsteilig aus Scam Compounds in Südostasien.
→ Eintrag I.1 aus dem NachschlagewerkRomance Baiting
Bezeichnung für dasselbe Betrugsmuster wie Pig Butchering, gewählt mit dem Ziel, die Opfer nicht als Schlachtvieh zu bezeichnen. INTERPOL begründete den Wechsel mit der stigmatisierenden Wirkung des Täterjargons auf Geschädigte, die dadurch von Anzeigen abgehalten würden; die Mitteilung datiert vom 17. Dezember 2024.
→ Eintrag I.2 aus dem NachschlagewerkRomance Scam
Betrugsform über vorgetäuschte Liebesbeziehungen, angebahnt über Dating-Portale und soziale Netzwerke. Nach Wochen des Vertrauensaufbaus folgen Geldforderungen für erfundene Notlagen. Pig Butchering kombiniert dieses Beziehungsmuster mit gefälschten Anlageplattformen.
→ Eintrag I.3 aus dem NachschlagewerkCybertrading Fraud
Anlagebetrug über gefälschte Online-Handelsplattformen. Die Opfer sehen manipulierte Kurse und Gewinne, während ihre Einzahlungen direkt in Täterstrukturen abfließen. Auszahlungen werden verweigert oder an immer neue Gebühren geknüpft.
→ Eintrag I.4 aus dem NachschlagewerkAnlagebetrug §263 StGB
Betrug, bei dem der Täter das Opfer über eine angebliche Kapitalanlage täuscht und dadurch zu einer Vermögensverfügung veranlasst. Es gibt keinen eigenen Straftatbestand.
→ Eintrag I.5 aus dem NachschlagewerkKapitalanlagebetrug §264a StGB
Wer im Zusammenhang mit dem Vertrieb von Wertpapieren, Bezugsrechten oder Anteilen in Prospekten, Darstellungen oder Übersichten über den Vermögensstand gegenüber einem größeren Kreis von Personen unrichtige vorteilhafte Angaben macht oder nachteilige Tatsachen verschweigt, wird nach §264a bestraft. Ein Schaden muss nicht eingetreten sein.
→ Eintrag I.6 aus dem NachschlagewerkRecovery Scam
Folgebetrug an bereits Geschädigten. Täter treten als Anwälte, Ermittler oder Rückholdienste auf und versprechen die Wiederbeschaffung verlorener Gelder gegen Vorkasse. Die Kontaktdaten der Opfer stammen häufig aus dem Erstbetrug.
→ Eintrag I.7 aus dem NachschlagewerkVorschussbetrug / Advance Fee Fraud
Oberbegriff für alle Betrugsformen, bei denen das Opfer eine Vorauszahlung leistet, um eine versprochene größere Leistung zu erhalten: Erbschaft, Lottogewinn, Kredit, Auszahlung, Rückholung. Die Leistung existiert nicht.
→ Eintrag I.8 aus dem NachschlagewerkFake Trading Platform / Fake Broker
Eine Website oder App, die den Handel mit Finanzinstrumenten oder Kryptowerten vortäuscht, ohne Handelsgeschäfte auszuführen. Kurse, Positionen, Gewinne und Kontostände sind simuliert. Einzahlungen des Nutzers fließen an die Betreiber.
→ Eintrag I.9 aus dem NachschlagewerkFake Investment App
Mobile Anwendung, die eine Handels- oder Wallet-Funktion vortäuscht und Einzahlungen an Betrüger leitet. Die App ist die mobile Erscheinungsform der gefälschten Handelsplattform.
→ Eintrag I.10 aus dem NachschlagewerkInvestment Group Scam
Betrug über Messenger-Gruppen, in denen ein angeblicher Anlageexperte Handelsempfehlungen gibt und die Mehrzahl der Gruppenmitglieder aus Komplizen oder Fake-Accounts besteht, die Gewinne bestätigen. Ziel ist, die wenigen echten Mitglieder zur Einzahlung auf eine kontrollierte Plattform zu bewegen.
→ Eintrag I.11 aus dem NachschlagewerkRug Pull
Betrug im Bereich dezentraler Token-Projekte, bei dem die Initiatoren nach dem Einwerben von Kapital die Liquidität entziehen oder den Token wertlos machen. Der Begriff stammt aus dem DeFi-Umfeld und bezeichnet den Moment, in dem Anleger den Boden unter den Füßen verlieren.
→ Eintrag I.12 aus dem NachschlagewerkExit Scam
Ein Anbieter, der Kundengelder oder Kundenvermögen verwahrt, stellt den Betrieb ein und verschwindet mit den Einlagen. Der Betrieb kann von Beginn an auf diesen Ausstieg angelegt gewesen sein oder erst nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten dazu übergehen.
→ Eintrag I.13 aus dem NachschlagewerkPump and Dump (Krypto)
Koordinierte Marktmanipulation, bei der eine Gruppe einen gering gehandelten Wert kauft, den Kurs durch abgestimmte Käufe und Werbung hochtreibt und ihre Bestände an nachfolgende Käufer verkauft, bevor der Kurs zusammenbricht. Bei Kryptowerten mit geringer Marktkapitalisierung lässt sich der Kurs mit kleinen Beträgen bewegen.
→ Eintrag I.14 aus dem NachschlagewerkHoneypot Token
Ein Token, dessen Smart Contract so programmiert ist, dass Käufe möglich sind, Verkäufe aber technisch verhindert werden oder nur den Entwicklern erlaubt sind. Der Käufer sieht steigende Kurse und einen wachsenden Kontostand, kann aber nie verkaufen. Die Entwickler ziehen die eingezahlte Liquidität ab.
→ Eintrag I.15 aus dem NachschlagewerkAirdrop Scam
Betrug, bei dem ein angeblicher Airdrop als Köder dient, um das Opfer zu einer schädlichen Handlung zu bewegen: Freigabe des Wallet-Zugriffs, Zahlung einer Gebühr zum Erhalt des Airdrops, Eingabe der Seed-Phrase auf einer gefälschten Seite.
→ Eintrag I.16 aus dem NachschlagewerkApproval Phishing (Ice Phishing)
Angriff, bei dem das Opfer dazu gebracht wird, einem Smart Contract die Berechtigung zu erteilen, über Token in seiner Wallet zu verfügen. Das Opfer signiert eine Freigabe, keine Überweisung. Der Angreifer nutzt die Freigabe später, um die Token zu transferieren.
→ Eintrag I.17 aus dem NachschlagewerkAddress Poisoning
Angriff, bei dem der Täter Transaktionen mit einer Adresse erzeugt, die einer Adresse ähnelt, mit der das Opfer regelmäßig verkehrt. Ziel ist, dass das Opfer beim nächsten Transfer die falsche Adresse aus der Transaktionshistorie kopiert.
→ Eintrag I.18 aus dem NachschlagewerkWallet Drainer
Schadsoftware in Form von Website-Skripten, die eine verbundene Wallet automatisiert leeren, indem sie den Nutzer zur Signatur von Freigaben oder Transfers bewegen und die enthaltenen Werte in Sekunden an Täteradressen verschieben. Drainer werden als fertige Kits vermietet, die Betreiber teilen den Erlös mit den Entwicklern.
→ Eintrag I.19 aus dem NachschlagewerkSeed-Phrase-Phishing
Abgreifen der Seed-Phrase durch Täuschung. Wer die Phrase besitzt, kontrolliert die Wallet vollständig, unabhängig vom Gerät. Der Angriff zielt auf das höchstwertige Geheimnis im Kryptobereich.
→ Eintrag I.20 aus dem NachschlagewerkFake Wallet App
Mobile oder Desktop-Anwendung, die eine bekannte Wallet nachahmt oder eine eigene Wallet vortäuscht, mit dem Zweck, eingegebene Seed-Phrasen, private Schlüssel oder eingezahlte Werte an den Täter zu übermitteln.
→ Eintrag I.21 aus dem NachschlagewerkImpersonation Scam / Behördenbetrug
Betrug, bei dem sich der Täter als Angehöriger einer Behörde, einer Aufsicht, einer Bank oder eines Unternehmens ausgibt, um das Opfer unter Berufung auf diese Rolle zu Zahlungen oder zur Herausgabe von Zugangsdaten zu bewegen.
→ Eintrag I.22 aus dem NachschlagewerkFake Support Scam
Betrug, bei dem sich der Täter als Kundendienst eines Wallet-Anbieters, einer Börse oder eines Softwareherstellers ausgibt und das Opfer im Rahmen einer angeblichen Hilfeleistung zur Herausgabe von Zugangsdaten, zur Installation von Fernzugriffssoftware oder zu Zahlungen bewegt.
→ Eintrag I.23 aus dem NachschlagewerkTask Scam (Job Scam)
Betrug, bei dem das Opfer für einfache Online-Aufgaben eine Vergütung erhält, dann zu Einzahlungen aufgefordert wird, um höhere Aufgabenstufen freizuschalten, und die Einzahlungen verliert. Die Aufgaben dienen als Kulisse für die Einzahlungen, um die es den Tätern geht.
→ Eintrag I.24 aus dem NachschlagewerkSextortion mit Kryptozahlung
Erpressung mit der Drohung, intime Aufnahmen des Opfers zu veröffentlichen, sofern keine Zahlung erfolgt. Die Aufnahmen können real sein (nach Täuschung zur Selbstaufnahme entstanden), gestohlen oder frei erfunden. Die Zahlung wird in Kryptowerten verlangt.
→ Eintrag I.25 aus dem NachschlagewerkDeepfake
KI-generierte Audio-, Bild- oder Videoinhalte, die reale Personen täuschend echt imitieren. Im Finanzbetrug ersetzen Deepfakes zunehmend den menschlichen Kontakt, vom gefälschten Prominenten-Interview in Werbeanzeigen bis zur simulierten Videokonferenz mit angeblichen Vorgesetzten.
→ Eintrag I.26 aus dem NachschlagewerkSynthetische Identität
Vollständig oder teilweise erfundene Identität, häufig KI-generiert, inklusive Ausweisdokument, Gesicht und Lebenslauf. Grundbaustein für Kontoeröffnungen, Firmengründungen und KYC-Umgehung im industriellen Maßstab.
→ Eintrag I.27 aus dem NachschlagewerkGiveaway Scam
Betrug, bei dem ein angeblicher Prominenter, ein Unternehmen oder ein Projekt verspricht, eingesandte Kryptowerte verdoppelt oder vervielfacht zurückzusenden. Wer sendet, erhält nichts zurück.
→ Eintrag I.28 aus dem NachschlagewerkPonzi-Schema (Krypto-Variante)
Anlagemodell, bei dem versprochene Renditen aus den Einzahlungen neuer Anleger bezahlt werden. Erträge gibt es keine. Das System funktioniert, solange mehr Geld hereinkommt als ausgezahlt wird, und bricht zusammen, sobald der Zufluss stockt. Im Kryptobereich wird es durch Token, Staking-Versprechen und Handelsroboter verkleidet.
→ Eintrag I.29 aus dem NachschlagewerkCloud Mining Scam / Liquidity Mining Scam
Cloud Mining Scam: Verkauf von Anteilen an angeblicher Mining-Infrastruktur, die nicht existiert oder nicht die versprochene Leistung erbringt. Liquidity Mining Scam: Versprechen von Erträgen aus der Bereitstellung von Liquidität in DeFi-Protokollen, wobei die Bereitstellung in Wahrheit eine Freigabe an den Täter ist.
→ Eintrag I.30 aus dem NachschlagewerkSIM Swapping
Übernahme der Mobilfunknummer des Opfers durch Täuschung des Mobilfunkanbieters oder Bestechung eines Mitarbeiters, sodass der Täter SMS-Codes und Anrufe empfängt, die zur Kontoabsicherung dienen.
→ Eintrag I.31 aus dem NachschlagewerkWrench Attack
Gewalt oder Gewaltandrohung gegen eine Person mit dem Ziel, sie zur Übertragung von Kryptowerten zu zwingen: durch Herausgabe von Seed-Phrasen, Entsperren von Geräten, Ausführen von Transaktionen unter Zwang oder Freilassung gegen Lösegeld in Kryptowerten.
→ Eintrag I.32 aus dem NachschlagewerkCEO Fraud / Business Email Compromise
Betrug, bei dem sich der Täter gegenüber einem Mitarbeiter als Geschäftsführer, Vorstand oder Vorgesetzter ausgibt und ihn zu einer dringenden, vertraulichen Zahlung veranlasst. BEC bezeichnet die Kompromittierung oder Nachahmung geschäftlicher E-Mail-Kommunikation zu diesem Zweck.
→ Eintrag I.33 aus dem NachschlagewerkAPP-Fraud (Authorised Push Payment)
Betrugsform, bei der das Opfer eine Zahlung selbst autorisiert und ausführt. Die Täter erschleichen die Freigabe durch Täuschung über Identität oder Verwendungszweck. Für Banken entsteht eine Grauzone der Haftung, weil die Transaktion formal legitim aussieht.
→ Eintrag I.34 aus dem NachschlagewerkOnline-Ergänzungen zum Thema: 8 Begriffe
Diese Begriffe stehen nicht in der Ersten Ausgabe 2026 des Nachschlagewerks und sind für die nächste Ausgabe vorgesehen. → Änderungen und Ergänzungen zur Ersten Ausgabe
CFD-Betrug
Anlagebetrug, bei dem Täter den Handel mit Differenzkontrakten (CFD) oder Devisen nur vortäuschen. Ein CFD ist eine Wette auf die Kursdifferenz eines Basiswerts, gehebelt und ohne Besitz des Basiswerts; zugelassene Anbieter dürfen ihn Kleinanlegern nur unter Auflagen der BaFin anbieten. Die Betrugsplattform zeigt Positionen, die nie an einem Markt eröffnet wurden. Gewinne und Verluste setzt der Betreiber. Der Hebel liefert die Erklärung: für schnelle Scheingewinne beim Einstieg und für den angeblichen Totalverlust, sobald das Opfer auszahlen will.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026Digital Arrest
Betrugsmasche, bei der sich Täter als Polizei, Zoll, Staatsanwaltschaft oder Zentralbank ausgeben und das Opfer per Videoanruf stundenlang festhalten. Sie werfen ihm eine Straftat vor, etwa Drogen in einem Paket oder Geldwäsche, inszenieren eine Dienststelle als Kulisse und erklären das Opfer für „digital festgenommen“. Freikommen soll es durch Überweisungen auf ein angebliches Prüfkonto. Die indische Cybercrime-Koordinierungsstelle I4C hat die Masche im März 2025 in einem eigenen Hinweis beschrieben; in Indien ist sie ein Massenphänomen.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026Enkeltrick
Telefonbetrug, bei dem sich Täter als Enkel, Kind oder gute Bekannte ausgeben und eine finanzielle Notlage vortäuschen, etwa einen Unfall oder einen dringenden Kauf. Typisch ist der Einstieg mit der Aufforderung zu raten, wer anruft. Das Geld holt anschließend ein angeblicher Bote ab. Betroffen sind überwiegend ältere, allein lebende Menschen.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026KI-Agent
KI-System, das eine Aufgabe über mehrere Schritte selbstständig plant und ausführt. INTERPOL beschreibt kriminell eingesetzte KI-Agenten, die Betrugs- und Erpressungsabläufe von der Auskundschaftung der Opfer über das Abgreifen von Zugangsdaten bis zur Forderung abwickeln. Das senkt die Kosten und erlaubt Angriffe in großer Zahl.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026Schockanruf
Telefonbetrug, bei dem der Anrufer eine akute Notlage eines Angehörigen schildert, etwa einen Verkehrsunfall mit anschließender Operation oder eine drohende Haft. Die Täter geben sich als Verwandte oder als Polizeibeamte und Rechtsanwälte aus. Bewusst erzeugter Zeitdruck soll verhindern, dass das Opfer nachfragt. Gefordert werden Bargeld, Schmuck oder andere Wertsachen.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026Sha Zhu Pan
Chinesischer Ursprungsbegriff des Pig Butchering, sinngemäß das Schlachten des gemästeten Schweins. Der Ausdruck stammt aus den Täterstrukturen selbst und beschreibt das Prinzip: Opfer werden über Wochen mit Vertrauen gemästet und anschließend finanziell ausgenommen.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026Stimmklon
Mit künstlicher Intelligenz erzeugte Nachbildung einer menschlichen Stimme. Nach einer von INTERPOL zitierten Auswertung von Group-IB reichen für überzeugende Klone zehn Sekunden Tonaufnahme aus öffentlichen Quellen wie Videos in sozialen Netzwerken. Täter nutzen die Technik beim Enkeltrick und beim Schockanruf, um wie ein Angehöriger zu klingen, und im Unternehmensumfeld, um Führungskräfte am Telefon nachzuahmen.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026Virtual Kidnapping
Erpressungsmasche, bei der Täter eine Entführung nur behaupten. Sie rufen Angehörige an, spielen Schreie oder eine mit künstlicher Intelligenz nachgemachte Stimme ein und verlangen sofort Lösegeld, meist per Überweisung oder Bargeldübergabe. Niemand ist entführt. Die Täter halten das Opfer in der Leitung, damit es die angeblich entführte Person nicht erreicht. Das FBI beschrieb die Masche 2017 ausführlich und warnt seit Dezember 2025 vor manipulierten Lebenszeichen: Fotos und Videos, die den Angehörigen in Gefahr zeigen sollen.
→ Online-Ergänzung · nicht in der Ersten Ausgabe 2026Fragen zu diesem Kapitel
Was ist der Unterschied zwischen Pig Butchering und Cybertrading Fraud?
Pig Butchering beschreibt die Methode: langer Vertrauensaufbau über Chat, dann die Einladung zu einer Investition. Cybertrading Fraud beschreibt das Werkzeug: eine gefälschte Handelsplattform, auf der das Guthaben nur simuliert wird. In der Praxis überlappen beide Begriffe stark. Das BKA fasst die Fälle unter Cybertrading Fraud, internationale Quellen sprechen von Pig Butchering oder Sha Zhu Pan.
Welche Betrugsform verursacht in Deutschland den höchsten Schaden?
Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik liegt der Anlagebetrug nach §263 StGB mit Tatmittel Internet seit Jahren an der Spitze der Schadenssummen im Bereich Betrug. Das Bundeslagebild Cybercrime nennt Cybertrading Fraud als eine der schadensträchtigsten Erscheinungsformen. Beide Statistiken erfassen nur angezeigte Fälle; die Einträge im Kapitel Statistik und Erfassung erklären, warum das Dunkelfeld deutlich größer ist.
Warum stehen Enkeltrick und Schockanruf in einem Glossar zur Kryptokriminalität?
Weil die Täter dieselbe Infrastruktur nutzen. Call-Center, Finanzagenten, Stimmklone und Zahlungswege über Kryptowerte verbinden die klassischen Telefonmaschen mit dem Anlagebetrug. Die Einträge zeigen, wo die Maschen sich treffen und wo die Erkennungsmerkmale sich unterscheiden.
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