Start / Glossar / Wrench Attack
Glossar · Aus dem Nachschlagewerk

Wrench Attack

I.32 · Kapitel I · Betrugstypologien

Von , Blockchain-Analyst und Fachautor · Eintrag I.32 aus dem Nachschlagewerk, Fassung 2.1 · Redaktionsstand 05.09.2026

Begriff und Synonyme

Wrench Attack, "5-Dollar-Wrench-Attack". Der Begriff stammt aus einem Webcomic von 2009, der darauf hinwies, dass ein Angreifer keine Verschlüsselung brechen muss, wenn er das Opfer mit einem Schraubenschlüssel zur Herausgabe des Passworts zwingen kann. Deutsch: physischer Krypto-Raub, Krypto-Entführung.

Definition

Gewalt oder Gewaltandrohung gegen eine Person mit dem Ziel, sie zur Übertragung von Kryptowerten zu zwingen: durch Herausgabe von Seed-Phrasen, Entsperren von Geräten, Ausführen von Transaktionen unter Zwang oder Freilassung gegen Lösegeld in Kryptowerten.

Erscheinungsform in der Praxis

Die Fälle reichen vom Wohnungseinbruch mit Bedrohung über Entführungen mit Lösegeldforderung bis zu Folter zur Erzwingung von Zugangsdaten. Auffällig ist eine Häufung in Frankreich seit 2024: Die Pariser Staatsanwaltschaft hat nach Presseberichten mehrere Entführungen von Personen aus dem Umfeld von Kryptounternehmen und deren Angehörigen verfolgt, teils mit schweren Verletzungen. Die Täter wählen ihre Opfer anhand öffentlicher Sichtbarkeit: Konferenzauftritte, Social-Media-Aktivität, Medienberichte über Vermögen, Datenlecks mit Kundenadressen von Hardware-Wallet-Herstellern.

Die Tat ist im Kern ein Raub- oder Erpressungsdelikt. Die Besonderheit gegenüber klassischem Raub liegt in der Unumkehrbarkeit der Beute (eine Krypto-Transaktion lässt sich nicht stornieren), in der Ortsunabhängigkeit des Vermögens (das Opfer trägt sein gesamtes Vermögen potenziell im Kopf) und in der Schwierigkeit, den Vermögenswert nachträglich zu sichern.

In Deutschland kommen §249 StGB (Raub), §255 StGB (räuberische Erpressung) und §239a StGB (erpresserischer Menschenraub) in Betracht. Die PKS erfasst diese Delikte unter den jeweiligen Raub- und Erpressungsschlüsseln. Ein Merkmal, das den Kryptobezug kennzeichnet, existiert nicht. Wrench Attacks sind in der deutschen Statistik unsichtbar.

Erkennungsmerkmale

Abgrenzung

Wrench Attack ist kein Betrug. Der Eintrag steht in diesem Kapitel, weil er das Gegenstück zu allen anderen Einträgen bildet: Wo Täuschung versagt, tritt Gewalt. Zur Sextortion (I.25): Beide erzwingen Zahlung, Sextortion droht mit Veröffentlichung, Wrench Attack mit körperlicher Gewalt. Zur Statistik: V.3 und V.4 zur Erfassungslücke.

Quelle

  1. §§ 239a, 249, 255 StGB
  2. Kremp, Tobias: MANIPULIERT. Newsletter, Ausgabe zu Wrench Attacks (2026), digitale-enteignung.de
  3. Presseberichte unter Berufung auf die Pariser Staatsanwaltschaft (2025), Fußnotenquelle

Fragen zu diesem Begriff

Was ist eine Wrench Attack?

Gewalt oder Gewaltandrohung gegen eine Person mit dem Ziel, sie zur Übertragung von Kryptowerten zu zwingen: durch Herausgabe von Seed-Phrasen, Entsperren von Geräten, Ausführen von Transaktionen unter Zwang oder Freilassung gegen Lösegeld in Kryptowerten.

Woran erkennt man eine Wrench Attack?

Opfer mit öffentlich bekanntem oder vermutetem Kryptovermögen; Tat zielt auf Geräte, Seed-Phrasen, Hardware-Wallets; Transaktionen während oder unmittelbar nach der Tat; Täter mit technischem Verständnis für Wallets und Transfers; Bei Entführung: Lösegeldforderung in Kryptowerten.

Wovon ist eine Wrench Attack abzugrenzen?

Wrench Attack ist kein Betrug. Der Eintrag steht in diesem Kapitel, weil er das Gegenstück zu allen anderen Einträgen bildet: Wo Täuschung versagt, tritt Gewalt. Zur Sextortion (I.25): Beide erzwingen Zahlung, Sextortion droht mit Veröffentlichung, Wrench Attack mit körperlicher Gewalt. Zur Statistik: V.3 und V.4 zur Erfassungslücke.

Verwandte Begriffe
Diesen Eintrag zitieren

Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag I.32. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/wrench-attack

Umschlag des Nachschlagewerks
Aus dem Nachschlagewerk
Dieser Eintrag ist einer von 131.
Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fünf Kapitel, 220 amtliche Quellen, jeder Begriff mit Definition, Erscheinungsform, Erkennungsmerkmalen, Abgrenzung und Quelle. Als durchsuchbare digitale Ausgabe und als PDF.
Redaktionsstand 05.09.2026 · Fassung 2.1 · Änderungen werden im Änderungsnachweis des Werks geführt.
← Zurück zur Glossar-Übersicht