Glossar der digitalen Finanzkriminalität.
Zentrale Begriffe aus Ermittlung, Compliance und Regulierung. Definiert, belegt, ohne Umwege. Jeder Begriff hat eine eigene, zitierfähige Seite. 23 Einträge stammen im vollständigen Wortlaut aus dem Nachschlagewerk, jeweils mit Erscheinungsform, Erkennungsmerkmalen, Abgrenzung und Quellen.
AMLA (Anti-Money Laundering Authority)
Neue EU-Behörde für die Geldwäscheaufsicht mit Sitz in Frankfurt am Main. Ab 2028 beaufsichtigt sie ausgewählte Finanzunternehmen mit hohem Risiko direkt und koordiniert die nationalen Aufsichtsbehörden. Für Krypto-Dienstleister entsteht damit erstmals eine zentrale europäische Aufsichtsebene.
Anzeigeverhalten
Der Anteil der Geschädigten, die eine erlittene Straftat bei der Polizei anzeigen. Die Anzeigequote ist die zentrale Stellgröße zwischen Dunkel- und Hellfeld. Steigt sie, wächst die PKS-Zahl, ohne dass mehr Taten geschehen.
→ Vollständiger Eintrag V.12 aus dem NachschlagewerkAPP-Fraud (Authorised Push Payment)
Betrugsform, bei der das Opfer eine Zahlung selbst autorisiert und ausführt. Die Täter erschleichen die Freigabe durch Täuschung über Identität oder Verwendungszweck. Für Banken entsteht eine Grauzone der Haftung, weil die Transaktion formal legitim aussieht.
Approval Phishing (Ice Phishing)
Angriff, bei dem das Opfer dazu gebracht wird, einem Smart Contract die Berechtigung zu erteilen, über Token in seiner Wallet zu verfügen. Das Opfer signiert eine Freigabe, keine Überweisung. Der Angreifer nutzt die Freigabe später, um die Token zu transferieren.
→ Vollständiger Eintrag I.17 aus dem NachschlagewerkAsset Freeze
Einfrieren von Vermögenswerten durch Emittenten zentralisierter Token oder durch Handelsplattformen, in der Regel auf Ersuchen von Strafverfolgungsbehörden. Ein Freeze sichert Werte und stoppt deren Abfluss. Die Rückführung an Geschädigte bleibt ein eigenes, oft langwieriges Rechtsverfahren mit offenem Ausgang.
Aufklärungsquote
Der Anteil der aufgeklärten Fälle an allen erfassten Fällen eines Schlüssels im Berichtsjahr, ausgedrückt in Prozent. Ein Fall gilt als aufgeklärt, wenn nach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis mindestens ein Tatverdächtiger mit bekannten Personalien die Tat begangen hat. Strafunmündige Kinder zählen dabei als Tatverdächtige mit.
→ Vollständiger Eintrag V.8 aus dem NachschlagewerkAuslandstaten
Fälle mit Schadenseintritt in Deutschland, bei denen die tatverdächtige Person aus dem Ausland oder von einem nicht ermittelbaren Ort handelte. Diese Taten stehen in einem separaten Tabellenwerk der Polizeilichen Kriminalstatistik, der PKS-Ausland, und fließen in die Kerntabelle nicht ein. Valide Daten existieren erst seit dem Berichtsjahr 2024. Beim Anlagebetrug nach § 263 StGB lagen 2025 rund 87,7 Prozent aller registrierten Fälle in diesem Auslandswerk.
→ Vertiefung: Wenn die Täter im Ausland sitzenBehördliche und kommerzielle Statistik
Amtliche Statistiken (PKS, FIU-Jahresbericht, Bundeslagebilder, Berichte von Europol, INTERPOL, UNODC) beruhen auf Fällen, Meldungen oder Ermittlungserkenntnissen mit definierten Erfassungsregeln. Kommerzielle Statistiken beruhen auf der Analyse von Blockchain-Transaktionen, die der Anbieter mit eigenen Methoden als betrugsbezogen klassifiziert hat. Beide messen etwas anderes.
→ Vollständiger Eintrag V.17 aus dem NachschlagewerkBeschlagnahme und Sicherstellung von Kryptowerten
Vorläufige Sicherung von Kryptowerten während des Ermittlungsverfahrens, um ihre spätere Einziehung zu ermöglichen. Die Sicherung setzt voraus, dass der Staat die tatsächliche Verfügungsgewalt erlangt: durch Übertragung auf eine staatlich kontrollierte Adresse, durch Beschlagnahme der Schlüssel oder Geräte oder durch Anordnung an einen Verwahrer, die Werte zu sperren und zu übertragen.
→ Vollständiger Eintrag IV.29 aus dem NachschlagewerkBridge (Cross-Chain-Bridge)
Technische Verbindung zwischen zwei Blockchains, über die Vermögenswerte von einer Kette auf eine andere wechseln. In der Geldwäsche dienen Bridges als Werkzeug des Chain Hopping: Jeder Systemwechsel kostet Analysewerkzeuge Sicht und Rechtshilfe Zeit.
CASP (Crypto-Asset Service Provider)
Krypto-Dienstleister im Sinne der europäischen MiCA-Verordnung. Wer in der EU Verwahrung, Tausch oder Handel von Krypto-Werten anbietet, benötigt eine CASP-Zulassung der nationalen Aufsicht. Eine Zulassung in einem Mitgliedstaat gilt über das Passporting im gesamten EWR.
→ Vertiefung: MiCA: Der 1. Juli zieht eine LinieChain Hopping
Verschleierungstechnik, bei der Vermögenswerte in schneller Folge zwischen verschiedenen Blockchains gewechselt werden. Jeder Kettenwechsel erschwert die Nachverfolgung, weil Analysewerkzeuge und Rechtshilfe an Systemgrenzen Zeit verlieren.
Chain of Custody bei digitalen Beweisen
Die lückenlose Dokumentation, wer wann welche Daten wie erhoben, gespeichert, übertragen und ausgewertet hat, sodass ein Gericht die Verlässlichkeit der Beweise beurteilen kann. Bei Blockchain-Daten ist die Herkunft in einer Hinsicht einfach: Die Kette selbst ist öffentlich und unveränderlich. Die Chain of Custody betrifft die Auswertung: Welches Werkzeug, welche Version, welche Heuristik, welche Konfiguration.
→ Vollständiger Eintrag IV.30 aus dem NachschlagewerkChinese Money Laundering Networks (CMLN)
Professionelle Geldwäsche-Dienstleister mit Wurzeln im chinesischen Untergrund-Banking. Sie waschen Erlöse aus Betrug, Drogenhandel und weiteren Deliktsfeldern gegen Provision und verbinden Bargeld-, Banken- und Krypto-Kreisläufe über Landesgrenzen hinweg.
Cluster-Analyse
Verfahren der Blockchain-Forensik. Einzelne Adressen werden anhand von Transaktionsmustern und technischen Merkmalen einem gemeinsamen Inhaber zugeordnet. Aus Millionen Einzeladressen entstehen so handhabbare Einheiten wie Börsen, Dienste oder Täter-Wallets.
Cybertrading Fraud
Anlagebetrug über gefälschte Online-Handelsplattformen. Die Opfer sehen manipulierte Kurse und Gewinne, während ihre Einzahlungen direkt in Täterstrukturen abfließen. Auszahlungen werden verweigert oder an immer neue Gebühren geknüpft.
Deepfake
KI-generierte Audio-, Bild- oder Videoinhalte, die reale Personen täuschend echt imitieren. Im Finanzbetrug ersetzen Deepfakes zunehmend den menschlichen Kontakt, vom gefälschten Prominenten-Interview in Werbeanzeigen bis zur simulierten Videokonferenz mit angeblichen Vorgesetzten.
→ Vertiefung: Wenn der CFO im Videocall nie real warDeFi (Decentralized Finance)
Finanzanwendungen auf Basis von Smart Contracts, die ohne zentralen Betreiber funktionieren. Für die Geldwäsche relevant, weil viele Protokolle keine Identitätsprüfung kennen und Transaktionen automatisiert ablaufen.
DEX (Decentralized Exchange)
Handelsplatz für Krypto-Werte ohne zentralen Betreiber und ohne klassisches Kundenkonto. Der Tausch läuft direkt über Smart Contracts. Damit fehlt die Stelle, an der eine Aufsicht ansetzen oder ein Ermittler Auskunft verlangen könnte.
Fallzahl, Tatverdächtige, Opfer: drei Zähleinheiten der PKS
Ein Fall ist eine rechtswidrige Tat mit Straftatbestand, unabhängig von der Zahl der Beteiligten. Ein Tatverdächtiger ist eine Person, die nach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis verdächtig ist, eine Tat begangen zu haben. Tatverdächtige werden pro Berichtsjahr je Straftatenschlüssel und in der Gesamtzahl nur einmal gezählt, auch bei mehreren Taten (echte Tatverdächtigenzählung).
→ Vollständiger Eintrag V.10 aus dem NachschlagewerkFATF (Financial Action Task Force)
Zwischenstaatliches Gremium mit Sitz in Paris, das die globalen Standards gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung setzt. Die 40 Empfehlungen der FATF bilden die Grundlage nationaler Gesetzgebung. Über Länderprüfungen und Listenverfahren erzeugt das Gremium erheblichen Anpassungsdruck auf einzelne Jurisdiktionen.
Finanzagent
Deutsche Bezeichnung für Personen, die ihr Konto gegen Provision oder unter einem Vorwand für die Weiterleitung inkriminierter Gelder zur Verfügung stellen. Die Anwerbung läuft über Jobinserate, Beziehungsvorwände oder Nebenverdienst-Angebote. Wer mitmacht, macht sich regelmäßig wegen leichtfertiger Geldwäsche strafbar. International ist der Begriff Money Mule gebräuchlich.
Geldwäsche (Drei-Phasen-Modell)
Klassisches Beschreibungsmodell in drei Phasen: Einschleusen inkriminierter Gelder in den Finanzkreislauf (Placement), Verschleiern der Herkunft über Transaktionsketten (Layering), Rückführung in den legalen Wirtschaftskreislauf (Integration). Beim industrialisierten Anlagebetrug steht die Wäsche-Infrastruktur häufig bereits vor der ersten Tat bereit.
→ Vertiefung: Ein Geschäftsmodell, eine Infrastruktur, drei EtikettenGuarantee-Marktplatz
Online-Marktplatz, der illegale Dienstleistungen über ein Treuhandsystem vermittelt: Mule-Konten, gestohlene Identitätsdaten, Betrugs-Kits, Wäsche-Dienste. Der Betreiber garantiert die Abwicklung zwischen anonymen Parteien und verdient an Provisionen. Bekanntestes Beispiel ist der 2026 beschlagnahmte Marktplatz des Huione-Komplexes.
→ Vertiefung: Der Schlag gegen den Huione-KomplexKYC (Know Your Customer)
Pflicht zur Identifizierung von Kunden bei Finanzdienstleistern und das Fundament jeder Geldwäscheprävention. KI-generierte Ausweisdokumente und Deepfake-Videoident setzen visuelle Prüfverfahren zunehmend außer Gefecht.
→ Vertiefung: Visuelles KYC ist totLaundering-as-a-Service
Geschäftsmodell, bei dem Geldwäscheleistungen als standardisiertes, buchbares Produkt angeboten werden, mit Preisliste, Bestellweg und Abwicklung, in der Regel über Messenger-Kanäle oder Marktplätze. Der Kunde muss den Anbieter nicht kennen. Er wählt eine Leistung, hinterlegt den Betrag, erhält das Ergebnis.
→ Vollständiger Eintrag III.14 aus dem NachschlagewerkLiveness-Erkennung
Prüfverfahren in der Video-Identifizierung, das feststellen soll, ob vor der Kamera ein lebender Mensch agiert und keine Aufzeichnung, Maske oder KI-Simulation. KI-generierte Ausweisdokumente und Deepfakes setzen diese Verfahren zunehmend unter Druck.
→ Vertiefung: Visuelles KYC ist totMiCA (Markets in Crypto-Assets)
EU-Verordnung für Krypto-Werte und Krypto-Dienstleister. Sie regelt Zulassung, Aufsicht, Verwahrung und Stablecoin-Emission einheitlich im gesamten EWR. Seit dem 1. Juli 2026 ist die Übergangsfrist beendet; ohne Zulassung ist kein legales Angebot mehr möglich.
→ Vertiefung: MiCA: Der 1. Juli zieht eine LinieMixer
Dienst, der Krypto-Werte vieler Nutzer zusammenführt und wieder auszahlt, um die Verbindung zwischen Einzahlung und Auszahlung zu kappen. Zentraler Baustein der Verschleierung; mehrere große Anbieter stehen unter internationalen Sanktionen.
Money Mule (Finanzagent)
Person, die ihr Konto oder ihre Identität für die Weiterleitung inkriminierter Gelder zur Verfügung stellt, oft angeworben über Jobangebote oder Beziehungsbetrug. Finanzagenten machen sich strafbar, auch wenn sie die Herkunft der Gelder nicht kennen wollten.
Nested Exchange (Nested Service)
Ein Dienstleister ohne eigene Verwahr- und Handelsinfrastruktur, der Konten bei einer regulierten Börse nutzt und darüber die Aufträge seiner eigenen Kunden abwickelt. Die regulierte Börse sieht nur den Nested Service als Kunden. Die dahinterstehenden Endkunden bleiben ihr verborgen.
→ Vollständiger Eintrag II.9 aus dem NachschlagewerkOff-Ramp / On-Ramp
Übergänge zwischen Fiat-Geld und Krypto-Werten. On-Ramps führen Geld in die Chain, Off-Ramps wieder heraus. An diesen Schnittstellen greifen Regulierung und Ermittlung am wirksamsten, weil hier Identitäten und Bankkonten ins Spiel kommen.
Opfer-Typologie
Beschreibung der Merkmale, die Betrugsopfer teilen, soweit sie aus amtlichen Daten und Studien belegbar sind. Die Typologie dient der Prävention und der Erkennung, nicht der Erklärung von Schuld.
→ Vollständiger Eintrag III.21 aus dem NachschlagewerkOSINT (Open Source Intelligence)
Gewinnung von Erkenntnissen aus offen zugänglichen Quellen. In der Krypto-Forensik verbindet OSINT On-Chain-Daten mit Spuren aus Foren, sozialen Netzwerken, Registern und Leaks zu einem belastbaren Gesamtbild.
OTC-Desk (Over the Counter)
Handelsschalter für große Krypto-Volumina außerhalb der öffentlichen Orderbücher. Seriöse Desks bedienen institutionelle Kunden. Unregulierte Desks gehören zu den wichtigsten Kanälen der professionellen Geldwäsche.
Peel Chain
Verschleierungsmuster, bei dem von einer Wallet in vielen kleinen Schritten jeweils ein Teilbetrag abgespalten und weitergeleitet wird, während der Rest weiterwandert. Jede Abspaltung landet auf einer neuen Adresse, oft über Hunderte Stationen. Für die Forensik entsteht so eine lange Kette, die den Ursprung eines Betrags zunehmend verwässert und den Nachweis eines durchgehenden Geldflusses erschwert.
Pig Butchering (Sha Zhu Pan)
Langzeitbetrug, bei dem Täter über Wochen eine persönliche Beziehung zum Opfer aufbauen und es anschließend auf gefälschte Anlageplattformen führen. Der Begriff stammt aus dem Chinesischen: Das Schwein wird gemästet, bevor es geschlachtet wird. Ausgeführt wird die Masche arbeitsteilig aus Scam Compounds in Südostasien.
→ Vertiefung: Die Industrialisierung des BetrugsPKS-Ausland
Separates Tabellenwerk der Polizeilichen Kriminalstatistik für Auslandstaten, also Taten mit Schadenseintritt in Deutschland ohne nachweisbaren inländischen Handlungsort. Die PKS-Ausland wird neben der Kerntabelle geführt und in den öffentlichen Lageberichten kaum rezipiert. 2025 verzeichnete sie 661.238 Fälle, davon 83,1 Prozent Betrugsdelikte; der registrierte Schaden allein beim Anlagebetrug betrug 1,28 Milliarden Euro.
→ Vertiefung: Wenn die Täter im Ausland sitzenProfessional Money Launderer (PML)
Person oder Organisation, die Geldwäsche als Dienstleistung für Dritte gegen Entgelt anbietet, ohne an der Vortat beteiligt zu sein. Der PML ist auf Geldwäsche spezialisiert und arbeitet für verschiedene Auftraggeber: Drogenhandel, Betrug, Korruption, Steuerhinterziehung.
→ Vollständiger Eintrag III.13 aus dem NachschlagewerkRe-Viktimisierung
Erneute Schädigung einer Person, die bereits Opfer eines Betrugs war, durch denselben oder einen anderen Täter. Die erste Schädigung erhöht die Wahrscheinlichkeit der zweiten, weil das Opfer als lohnend bekannt ist, weil seine Daten gehandelt werden und weil Scham und Rückholwunsch es angreifbar machen.
→ Vollständiger Eintrag III.20 aus dem NachschlagewerkRechtshilfe (Mutual Legal Assistance)
Das Verfahren, mit dem eine Strafverfolgungsbehörde eine ausländische Behörde um Ermittlungsmaßnahmen ersucht: Auskunft, Durchsuchung, Beschlagnahme, Vernehmung. Die Rechtshilfe beruht auf bilateralen und multilateralen Abkommen und auf Gegenseitigkeit. Sie ist der Weg, auf dem ein deutscher Ermittler an Daten eines Dienstleisters im Ausland kommt.
→ Vollständiger Eintrag IV.31 aus dem NachschlagewerkRecovery Scam
Folgebetrug an bereits Geschädigten. Täter treten als Anwälte, Ermittler oder Rückholdienste auf und versprechen die Wiederbeschaffung verlorener Gelder gegen Vorkasse. Die Kontaktdaten der Opfer stammen häufig aus dem Erstbetrug.
Romance Scam
Betrugsform über vorgetäuschte Liebesbeziehungen, angebahnt über Dating-Portale und soziale Netzwerke. Nach Wochen des Vertrauensaufbaus folgen Geldforderungen für erfundene Notlagen. Pig Butchering kombiniert dieses Beziehungsmuster mit gefälschten Anlageplattformen.
Scam Compound
Abgeriegelte Anlage in Südostasien, in der Betrug industriell betrieben wird. Ein erheblicher Teil der Arbeiter wird mit falschen Jobversprechen angeworben und unter Zwang festgehalten. Compounds vereinen Täterorganisation, Menschenhandel und Geldwäsche an einem Ort.
→ Vertiefung: Cybercrime-Bekämpfung in SüdostasienSchadenssumme in der PKS
Der Schaden im Sinne der PKS ist der Geldwert des rechtswidrig erlangten Gutes. Bei Betrug ist das der eingetretene Vermögensschaden. Erfasst wird der Schaden nur bei vollendeten Delikten und nur bei Schlüsseln, für die eine Schadenserfassung vorgesehen ist.
→ Vollständiger Eintrag V.9 aus dem NachschlagewerkSection 311 (USA PATRIOT Act)
US-Rechtsinstrument, mit dem das Finanzministerium ausländische Institute oder Jurisdiktionen zum primären Geldwäscherisiko erklären kann. Die schärfste Sondermaßnahme kappt den Zugang zum US-Bankensystem vollständig. Gegen den Huione-Komplex wurde das Instrument angewendet und 2026 auf Nachfolgestrukturen ausgeweitet.
→ Vertiefung: Section 311 gegen den Huione-KomplexSha Zhu Pan
Chinesischer Ursprungsbegriff des Pig Butchering, sinngemäß das Schlachten des gemästeten Schweins. Der Ausdruck stammt aus den Täterstrukturen selbst und beschreibt das Prinzip: Opfer werden über Wochen mit Vertrauen gemästet und anschließend finanziell ausgenommen.
→ Vertiefung: In Asien sagt man Sha Zhu Pan (RedFlag AML)Smurfing (Structuring)
Aufteilung großer Summen in viele kleine Transaktionen unterhalb von Melde- und Aufmerksamkeitsschwellen. Im Krypto-Kontext verteilen Täter Beträge auf hunderte Wallets und Einzahlungen, bevor die Werte an Börsen wieder zusammengeführt werden.
Spiegeltransaktion (Mirror Transaction)
Zwei Transaktionen, die einander wirtschaftlich entsprechen, aber in verschiedenen Ländern, Währungen oder Systemen stattfinden und nicht miteinander verbunden erscheinen. Der Wert wechselt den Eigentümer, ohne dass eine Verbindung zwischen den beiden Vorgängen dokumentiert ist.
→ Vollständiger Eintrag II.17 aus dem NachschlagewerkStablecoin
Krypto-Token, dessen Wert an eine Referenzwährung wie den US-Dollar gekoppelt ist. Stablecoins sind das bevorzugte Settlement-Medium der industriellen Geldwäsche: schnell, global, wertstabil. Zentralisierte Emittenten können einzelne Adressen einfrieren.
Sucker List (Opferliste)
Zusammenstellung von Kontaktdaten und Profilinformationen von Personen, die bereits Opfer eines Betrugs wurden, mit Angaben zu Art des Betrugs, verlorenem Betrag, Reaktion und Vermögensverhältnissen. Die Liste wird verkauft und ist Grundlage für Zweitbetrug, insbesondere Recovery Scams .
→ Vollständiger Eintrag III.19 aus dem NachschlagewerkSynthetische Identität
Vollständig oder teilweise erfundene Identität, häufig KI-generiert, inklusive Ausweisdokument, Gesicht und Lebenslauf. Grundbaustein für Kontoeröffnungen, Firmengründungen und KYC-Umgehung im industriellen Maßstab.
→ Vertiefung: Wenn der CFO im Videocall nie real warTask Scam (Job Scam)
Betrug, bei dem das Opfer für einfache Online-Aufgaben eine Vergütung erhält, dann zu Einzahlungen aufgefordert wird, um höhere Aufgabenstufen freizuschalten, und die Einzahlungen verliert. Die Aufgaben sind Kulisse, die Einzahlungen der Betrug.
→ Vollständiger Eintrag I.24 aus dem NachschlagewerkTravel Rule
Pflicht für Krypto-Dienstleister, bei Transfers Angaben zu Auftraggeber und Begünstigtem mitzusenden, das Gegenstück zum Überweisungsdatensatz im Bankwesen. Die Regel endet dort, wo Transfers in Self-Custody oder zu unregulierten Anbietern abfließen.
Underground Banking und Hawala (Krypto-Variante)
Übertragung von Wert zwischen Orten, ohne dass Geld die Grenze überquert. Ein Kunde zahlt bei einem Vermittler in Land A ein, ein Partner des Vermittlers in Land B zahlt an den Empfänger aus. Die Vermittler verrechnen untereinander, per Gegengeschäft, Warenlieferung oder, in der Kryptovariante, per Stablecoin-Transfer.
→ Vollständiger Eintrag II.16 aus dem NachschlagewerkVelocity Gap
Geschwindigkeitslücke zwischen Tätern und Strafverfolgung. Inkriminierte Werte bewegen sich in Minuten über Ketten und Grenzen, während Rechtshilfe in Wochen und Monaten arbeitet. Die Schließung dieser Lücke ist erklärtes Ziel der aktuellen EU-Reformen.
→ Vertiefung: Digitale Schlagkraft für EuropaVerdachtsmeldung nach § 43 GwG
Verpflichtete müssen der FIU unverzüglich melden, wenn Tatsachen darauf hindeuten, dass ein Vermögensgegenstand aus einer strafbaren Handlung stammt, die eine Vortat der Geldwäsche darstellen könnte, oder mit Terrorismusfinanzierung zusammenhängt. Die Schwelle ist niedrig: Es reicht, dass Tatsachen darauf hindeuten. Ein Verdacht im strafprozessualen Sinn ist nicht erforderlich.
→ Vollständiger Eintrag IV.13 aus dem NachschlagewerkVermögensabschöpfung und Einziehung (§§ 73 ff. StGB)
Der Staat entzieht dem Täter oder Dritten das, was durch oder für die Tat erlangt wurde. Einziehung des Erlangten (§73), des Wertes des Erlangten, wenn der Gegenstand nicht mehr vorhanden ist (§73c), erweiterte Einziehung bei Vermögen unklarer Herkunft (§73a) und selbständige Einziehung ohne Verurteilung (§76a). Die Reform 2017 hat das Instrument erheblich gestärkt und die Rückgewinnung für Geschädigte in die Einziehung integriert.
→ Vollständiger Eintrag IV.28 aus dem NachschlagewerkWallet (Custodial / Self-Custody)
Zugriffspunkt auf Krypto-Werte. Bei Custodial Wallets verwahrt ein Dienstleister die Schlüssel und kann auf behördliche Anordnung reagieren. Bei Self-Custody hält der Nutzer die Schlüssel selbst; ein Zugriff Dritter ist technisch ausgeschlossen.
Wallet Drainer
Schadsoftware in Form von Website-Skripten, die eine verbundene Wallet automatisiert leeren, indem sie den Nutzer zur Signatur von Freigaben oder Transfers bewegen und die enthaltenen Werte in Sekunden an Täteradressen verschieben. Drainer werden als fertige Kits vermietet, die Betreiber teilen den Erlös mit den Entwicklern.
→ Vollständiger Eintrag I.19 aus dem NachschlagewerkWrench Attack
Gewalt oder Gewaltandrohung gegen eine Person mit dem Ziel, sie zur Übertragung von Kryptowerten zu zwingen: durch Herausgabe von Seed-Phrasen, Entsperren von Geräten, Ausführen von Transaktionen unter Zwang oder Freilassung gegen Lösegeld in Kryptowerten.
→ Vollständiger Eintrag I.32 aus dem NachschlagewerkZwangsarbeit in Scam Compounds (Trafficked Worker)
Person, die durch Täuschung, Zwang oder Verkauf in einen Scam Compound gebracht wurde und dort unter Androhung von Gewalt Betrug ausführen muss. Sie ist Opfer von Menschenhandel und zugleich Tatbeteiligte am Betrug, den sie ausführt. Beides gleichzeitig.
→ Vollständiger Eintrag III.3 aus dem Nachschlagewerk