APP-Fraud (Authorised Push Payment)
→ Vertiefung: Der Schulterschluss gegen FinanzbetrugAPP Fraud, Authorised Push Payment Fraud. Deutsch: Betrug mit autorisierter Zahlung, autorisierter Überweisungsbetrug. Der Begriff stammt aus der britischen Aufsichtspraxis.
Definition
Oberbegriff für alle Betrugsformen, bei denen das Opfer die Zahlung selbst autorisiert und ausführt, weil es über den Zweck oder den Empfänger getäuscht wurde. Abzugrenzen von Betrug mit nicht autorisierten Zahlungen, bei dem der Täter ohne Wissen des Opfers auf dessen Konto zugreift.
Erscheinungsform in der Praxis
Fast alle in diesem Kapitel beschriebenen Typologien sind APP Fraud: Das Opfer eines Pig Butchering, eines Cybertrading Fraud, eines Recovery Scam, eines CEO Fraud überweist oder transferiert selbst. Der Begriff ist damit weniger eine Typologie als eine Kategorie, die in der Haftungsfrage entscheidend wird. Bei nicht autorisierten Zahlungen haftet nach europäischem Zahlungsdiensterecht grundsätzlich der Zahlungsdienstleister. Bei autorisierten Zahlungen haftet grundsätzlich der Zahler, auch wenn er getäuscht wurde.
Das Vereinigte Königreich hat diese Verteilung 2024 verändert: Seit Oktober 2024 sind Zahlungsdienstleister dort für Faster Payments und CHAPS verpflichtet, Opfer von APP Fraud bis zu einer Obergrenze zu entschädigen, wobei sich sendende und empfangende Bank die Kosten teilen. In der EU haben sich Parlament und Rat im November 2025 vorläufig auf eine Überarbeitung des Zahlungsdiensterechts (PSD3, PSR) mit Regeln zur Haftung bei autorisierten Zahlungen geeinigt; die förmliche Annahme stand zum Redaktionsschluss aus. Für Kryptotransfers, die außerhalb des Zahlungsdiensterechts stehen, gilt keine dieser Regelungen.
Erkennungsmerkmale
Keine eigenen. Der Begriff klassifiziert die Zahlung, nicht die Täuschung.
Deutscher Bezug
Das deutsche Recht kennt keine allgemeine Erstattungspflicht für autorisierte Zahlungen; seit Oktober 2025 haftet die Bank des Zahlers aber, wenn sie die vorgeschriebene Empfängerüberprüfung unterlässt. §675u BGB verpflichtet den Zahlungsdienstleister zur Erstattung nur bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen. Wer nach einer Täuschung selbst überweist, hat autorisiert. Das Vereinigte Königreich hat diese Lücke 2024 für Faster Payments und CHAPS mit der Erstattungsregel geschlossen. Ob und in welchem Umfang das überarbeitete EU-Zahlungsdiensterecht sie schließt, entscheidet sich mit dem endgültigen Text.
Abgrenzung
Zur Kontoübernahme (Account Takeover): Dort autorisiert der Täter, hier das Opfer. Zum Computerbetrug §263a StGB: Computerbetrug liegt vor, wenn ein Datenverarbeitungsvorgang manipuliert wird, etwa durch Verwendung fremder Zugangsdaten. APP Fraud ist Betrug nach §263, weil ein Mensch getäuscht wird. Die Unterscheidung wirkt bis in die PKS-Erfassung (siehe V.15).
Quelle
- Verordnung (EU) 2024/886 (Echtzeitüberweisungen), Art. 5c Empfängerüberprüfung, anwendbar seit 09.10.2025
- UK Payment Systems Regulator, Policy Statement PS24/7, Faster Payments APP scams reimbursement (Oktober 2024): Erstattungspflicht seit 07.10.2024, Obergrenze 85.000 Pfund
- § 675u BGB (Haftung des Zahlungsdienstleisters für nicht autorisierte Zahlungsvorgänge)
- Richtlinie (EU) 2015/2366 (PSD2)
- Europäisches Parlament, Legislative Train Schedule: Revision of EU rules on payment services (PSD3/PSR), Stand Mai 2026
- UNODC, Handbook: Effective Communication Strategies for the Prevention of Organized Fraud (Wien 2026), Kap. II, S. 18 f..
Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag I.34. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/app-fraud
Für Angehörige
Ein Ratgeber in großer Schrift erklärt, wie diese Betrugsform Menschen ab 60 erreicht, mit einem Satz zum Merken und den ersten Schritten.
→ Ratgeber: Darf meine Bank mich anrufen?Fragen zu diesem Begriff
Was bedeutet APP-Fraud?
Oberbegriff für alle Betrugsformen, bei denen das Opfer die Zahlung selbst autorisiert und ausführt, weil es über den Zweck oder den Empfänger getäuscht wurde. Abzugrenzen von Betrug mit nicht autorisierten Zahlungen, bei dem der Täter ohne Wissen des Opfers auf dessen Konto zugreift.
Wovon ist APP-Fraud abzugrenzen?
Zur Kontoübernahme (Account Takeover): Dort autorisiert der Täter, hier das Opfer. Zum Computerbetrug §263a StGB: Computerbetrug liegt vor, wenn ein Datenverarbeitungsvorgang manipuliert wird, etwa durch Verwendung fremder Zugangsdaten. APP Fraud ist Betrug nach §263, weil ein Mensch getäuscht wird. Die Unterscheidung wirkt bis in die PKS-Erfassung (siehe V.15).
- HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €
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