Recovery Scam
Recovery Scam, Rückholbetrug, Wiederbeschaffungsbetrug. Auch: Refund Scam, Asset Recovery Fraud.
Definition
Betrug an Personen, die bereits Opfer eines Betrugs wurden, durch das Versprechen, das verlorene Geld gegen Vorkasse zurückzuholen. Der Täter gibt sich als Anwaltskanzlei, Ermittlungsfirma, Behörde, Blockchain-Analysedienst oder Sammelklagevertreter aus. Die versprochene Rückholung findet nicht statt.
Erscheinungsform in der Praxis
Der Kontakt erfolgt gezielt. Die Täter kaufen Opferlisten aus dem Erstbetrug (siehe III.19, Sucker List) oder werben in Foren, Kommentarspalten und über Suchmaschinenanzeigen unter Begriffen wie "Krypto zurückholen" oder "Betrugsopfer Hilfe". Der Täter kennt Details des Erstbetrugs, was Glaubwürdigkeit erzeugt. Er behauptet, das Geld sei lokalisiert, eingefroren oder gerichtlich gesichert und könne gegen eine Bearbeitungsgebühr, eine Steuer oder eine Kaution freigegeben werden. Die Gebühr ist der Betrug.
Eine zweite Variante nutzt gefälschte Blockchain-Nachweise: Der Täter zeigt eine manipulierte Transaktionsansicht, auf der das Geld angeblich sichtbar ist. Eine dritte Variante gibt sich als Behörde aus und verlangt eine Sicherheitsleistung zur Freigabe beschlagnahmter Werte.
Recovery Scams werden häufig von denselben Strukturen betrieben wie der Erstbetrug. Die Rückholabteilung ist Teil des Callcenters.
Erkennungsmerkmale
- Kontaktaufnahme durch den Anbieter, nicht durch das Opfer
- Kenntnis von Details des Erstbetrugs
- Behauptung, das Geld sei bereits lokalisiert oder gesichert
- Vorkasse für Gebühr, Steuer oder Kaution
- Zahlung wiederum in Kryptowerten oder an Privatkonten
Deutscher Bezug
Ein eigener PKS-Schlüssel existiert nicht; der Zweitbetrug wird als weiterer Fall des Betrugs erfasst. Die deutsche Aufsicht warnt auf ihrer Verbraucherseite vor Rückholangeboten im Namen der BaFin. Für die Erwartungssteuerung gegenüber Geschädigten ist der Satz aus IV.27 maßgeblich: Eingefroren heißt nicht zurückgeführt.
Abgrenzung
Zum Vorschussbetrug (I.8): Recovery Scam ist eine Sonderform des Vorschussbetrugs mit einem Vorbetrug als Voraussetzung. Zur legitimen Rückholung: Seriöse Kanzleien und Ermittlungsdienstleister kontaktieren keine Geschädigten unaufgefordert, versprechen keine Rückholung und lassen sich nicht in Kryptowerten bezahlen. Zur Freeze-Thematik: Ein Einfrieren von Kryptowerten durch einen Emittenten oder eine Börse bedeutet keine Rückführung an Geschädigte (IV.27). Recovery Scams nutzen genau diese Verwechslung.
Quelle
- FTC, Refund and Recovery Scams (Verbraucherinformation)
- BaFin, Betrug mit dem Namen der BaFin (Verbraucherinformation)
- Europol, Internet Organised Crime Threat Assessment (IOCTA) 2026, doi 10.2813/5737847
- INTERPOL, Global Financial Fraud Threat Assessment, Second Edition (März 2026), Abschnitt Investment Fraud (Re-Viktimisierung)
Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag I.7. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/recovery-scam
Für Angehörige
Ein Ratgeber in großer Schrift erklärt diese Betrugsform für Menschen ab 60 und ihre Familien, mit einem Satz zum Merken und den ersten Schritten.
→ Ratgeber: Fake-Werbung mit Prominenten, Abschnitt Wenn schon etwas passiert istFragen zu diesem Begriff
Was bedeutet Recovery Scam?
Betrug an Personen, die bereits Opfer eines Betrugs wurden, durch das Versprechen, das verlorene Geld gegen Vorkasse zurückzuholen. Der Täter gibt sich als Anwaltskanzlei, Ermittlungsfirma, Behörde, Blockchain-Analysedienst oder Sammelklagevertreter aus. Die versprochene Rückholung findet nicht statt.
Wovon ist Recovery Scam abzugrenzen?
Zum Vorschussbetrug (I.8): Recovery Scam ist eine Sonderform des Vorschussbetrugs mit einem Vorbetrug als Voraussetzung. Zur legitimen Rückholung: Seriöse Kanzleien und Ermittlungsdienstleister kontaktieren keine Geschädigten unaufgefordert, versprechen keine Rückholung und lassen sich nicht in Kryptowerten bezahlen. Zur Freeze-Thematik: Ein Einfrieren von Kryptowerten durch einen Emittenten oder eine Börse bedeutet keine Rückführung an Geschädigte (IV.27). Recovery Scams nutzen genau diese Verwechslung.
Wie kommen Geschädigte tatsächlich an ihr Geld?
Der Weg führt über ein Strafverfahren oder eine zivilrechtliche Klage. Werte, die Strafverfolgungsbehörden sichern und einziehen, können nach § 459h StPO an Verletzte zurückübertragen werden. Kein privater Anbieter kann diese Rückführung gegen eine Gebühr auslösen. Mehr zu Vermögensabschöpfung und Einziehung.
Was tun, wenn sich ein angeblicher Rückholdienst meldet?
Nichts zahlen, keine Fernwartungssoftware installieren, keine Ausweiskopien senden. Absender, Telefonnummer und Website dokumentieren und der Polizei melden, am besten mit Bezug auf die bestehende Anzeige. Wer sich auf die BaFin oder eine andere Behörde beruft, lässt sich über die offiziell veröffentlichte Rufnummer dieser Behörde prüfen. Hinweise für Betroffene und Angehörige: Umgang mit Geschädigten.
Wie verbreitet ist der Recovery Scam?
Das FBI zählte 2025 laut Internet Crime Report 2025 10.516 Beschwerden mit 1,4 Milliarden US-Dollar gemeldetem Verlust; die Summe enthält teils den Schaden aus dem Erstbetrug. In Großbritannien erwähnten 2025 17 Prozent der bei der FCA gemeldeten Betrugsfälle eine Form des Recovery Scams, so eine Auskunftsanfrage von TransUnion. Für Deutschland gibt es keine Zahl, weil die PKS kein eigenes Merkmal führt.
Woran erkenne ich eine falsche Anwaltskanzlei?
Am unaufgeforderten Kontakt, an der Vorkasse und am Abgleich mit dem Verzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer. Die Stiftung Warentest berichtete 2025 über Fake-Kanzleien, deren angebliche Anwälte dort fehlten. Das FBI dokumentierte zudem Täter, die Namen und Briefköpfe echter Anwaltsbüros missbrauchen. Wer prüft, ruft über die Nummer aus dem offiziellen Verzeichnis zurück.
Ergänzende Fragen online, Stand Oktober 2026.
- HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €
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