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Anhang B · Aus dem Nachschlagewerk

Sprache gegenüber Geschädigten: was schadet und was trägt

B.4 · Anhang B: Kommunikation mit Geschädigten und Gefährdeten

Das Handbuch widmet der Wortwahl einen eigenen Abschnitt und begründet ihn damit, dass die Sprache der Prävention beeinflusst, wie Menschen Risiko, Verantwortung und Scham wahrnehmen. Botschaften sollen die Erfahrung normalisieren und die Taktiken der Täter benennen. Die Vorstellung, nur unvorsichtige oder wenig kluge Menschen würden geschädigt, gehört nicht hinein.

Die folgenden Punkte fassen die Empfehlungen des Handbuchs in eigenen Worten zusammen.

Aufforderungen im Sinne von "Fallen Sie nicht darauf herein" unterstellen persönliches Versagen und erzeugen Scham. Wirksamer ist die Aussage, dass Täter mit ausgefeilten Methoden arbeiten, um Menschen zu manipulieren.

Umgangssprachliche Bezeichnungen für die Tat verharmlosen sie und senken die Anzeigebereitschaft, wo die Tat als Betrug strafbar ist. Für den deutschen Sprachgebrauch folgt daraus: Gegenüber Betroffenen heißt es Betrug; Wörter wie Abzocke oder Masche spielen das Geschehen herunter.

Aufforderungen zur Klugheit rahmen Betrug als Intelligenztest. Besser ist der Hinweis, worauf konkret zu achten ist.

Formeln im Sinne von "zu schön, um wahr zu sein" legen nahe, Betrug beruhe auf Gier und sei leicht zu erkennen. Das Handbuch nennt als Alternative die Aussage, dass Täter Situationen und Zusammenhänge so herstellen, dass eine Zahlung als richtige Entscheidung erscheint.

Die Formulierung, jemand habe Geld verloren, verlagert die Verantwortung auf die geschädigte Person. Sachlich richtig ist, dass Geld gestohlen oder entzogen wurde. Der Unterschied wirkt bis in Aktenvermerke, Pressemitteilungen und Statistiken hinein: Die PKS verwendet folgerichtig den Begriff Schaden.

Die Ankündigung, das Geld komme zurück, ist in den meisten Fällen falsch. Das Handbuch hält fest, dass gestohlenes Geld vielfach nicht zurückkehrt und allenfalls eine Entschädigung erfolgt, dass der Täter seinen Vorteil behält und dass die emotionale und psychische Wirkung bleibt.

Dieser letzte Punkt trifft den Kern einer Position dieses Werks. Eingefroren heißt nicht zurückgeführt (IV.27). Wer einer geschädigten Person Rückholung in Aussicht stellt, die er nicht einlösen kann, bereitet den Recovery Scam vor: Der Täter, der als Nächstes anruft, verspricht dasselbe und wirkt dadurch glaubwürdig.

Quelle: UNODC, Handbook on Effective Communication Strategies for the Prevention of Organized Fraud (16.03.2026), Kapitel IV, Tabellen 13 und 14, S. 48 f.

Hinweis. Dieser Text ist eine Fachdarstellung auf Grundlage des UNODC-Handbuchs 2026 und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Wer von einem Betrug betroffen ist, wendet sich an die Polizei und an anerkannte Opferhilfeeinrichtungen wie den WEISSEN RING.
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Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag B.4. Online: https://digitale-enteignung.de/geschaedigte/sprache

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Aus dem Nachschlagewerk
Dieser Abschnitt stammt aus Anhang B.
Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fünf Kapitel mit 131 Einträgen, 220 amtliche Fundstellen und die Anhänge. Alle Einträge stehen frei im Glossar; aus Anhang B sind drei Abschnitte im Bereich für Geschädigte offen.
  • HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €

Preis inkl. MwSt.

Redaktionsstand 05.09.2026 · Fassung 2.1
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