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Glossar · Aus dem Nachschlagewerk

Re-Viktimisierung

III.20 · Kapitel III · Akteure und Strukturen

Von , Blockchain-Analyst und Fachautor · Eintrag III.20 aus dem Nachschlagewerk, Fassung 2.1 · Redaktionsstand 05.09.2026

Begriff und Synonyme

Re-Viktimisierung, Mehrfachviktimisierung, Repeat Victimisation, Zweitschädigung.

Definition

Erneute Schädigung einer Person, die bereits Opfer eines Betrugs war, durch denselben oder einen anderen Täter. Die erste Schädigung erhöht die Wahrscheinlichkeit der zweiten, weil das Opfer als lohnend bekannt ist, weil seine Daten gehandelt werden und weil Scham und Rückholwunsch es angreifbar machen.

Erscheinungsform in der Praxis

Die Kette ist dokumentiert: Cybertrading-Verlust, dann Recovery-Scam-Verlust, dann Kontakt durch angebliche Behörde mit Sicherheitsleistung, dann erneuter Anlagebetrug mit dem Versprechen, den Verlust durch Gewinne auszugleichen. Jede Stufe nutzt das Ergebnis der vorherigen. Geschädigte berichten häufig von mehreren weiteren Betrugskontakten nach dem Erstverlust.

Die psychologische Grundlage: Nach einem Verlust entsteht der Wunsch, ihn rückgängig zu machen. Das Opfer ist bereit, für die Rückholung Risiken einzugehen, die es vor dem Erstverlust nicht eingegangen wäre. Zugleich verhindert Scham, dass es Angehörige oder Behörden einbezieht, die warnen könnten. Der Täter kennt beides.

Für die Statistik bedeutet Re-Viktimisierung, dass Fallzahlen und Opferzahlen auseinanderfallen (siehe V.10) und dass ein erheblicher Teil des Schadens auf Personen entfällt, die mehrfach getroffen wurden.

Erkennungsmerkmale

Abgrenzung

Zur Sucker List (III.19): Ursache und Wirkung. Zur Opfer-Typologie (III.21): Re-Viktimisierung ist ein Merkmal der Opferkarriere, nicht der Person.

Quelle

  1. INTERPOL, Global Financial Fraud Threat Assessment, Second Edition (März 2026), Abschnitt Investment Fraud (Re-Viktimisierung)
  2. UNODC, Handbook: Effective Communication Strategies for the Prevention of Organized Fraud (Wien 2026), Kap. II, S. 19 f.
  3. FTC, Refund and Recovery Scams
→ Vertiefung: Recovery Scam. Der zweite Betrug an denselben Opfern, erklärt
Diesen Eintrag zitieren

Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag III.20. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/re-viktimisierung

Fragen zu diesem Begriff

Was ist Re-Viktimisierung?

Erneute Schädigung einer Person, die bereits Opfer eines Betrugs war, durch denselben oder einen anderen Täter. Die erste Schädigung erhöht die Wahrscheinlichkeit der zweiten, weil das Opfer als lohnend bekannt ist, weil seine Daten gehandelt werden und weil Scham und Rückholwunsch es angreifbar machen.

Woran erkennt man Re-Viktimisierung?

Für Banken: Kunde mit Betrugsverlust in der Historie tätigt erneut ungewöhnliche Zahlungen; Für Beratungsstellen: Klient berichtet von neuen Kontakten nach dem Erstbetrug; Zahlungen an Empfänger mit Bezug zu Rückholung, Behörden, Anwälten; Zeitliche Nähe zum Erstverlust.

Wovon ist Re-Viktimisierung abzugrenzen?

Zur Sucker List (III.19): Ursache und Wirkung. Zur Opfer-Typologie (III.21): Re-Viktimisierung ist ein Merkmal der Opferkarriere und sagt über die Person nichts aus.

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Redaktionsstand 05.09.2026 · Fassung 2.1 · Änderungen und Ergänzungen führt der Änderungsnachweis.
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