Hey Omi, ich bin’s! · Ratgeber
Die neuen Werkzeuge der Betrüger
Betrug mit künstlicher Intelligenz
Ein Computer spricht mit der Stimme Ihrer Tochter, ein bekanntes Gesicht empfiehlt im Video eine Geldanlage, und der Brief der Bank hat keinen einzigen Fehler. Die Tricks dahinter sind alt. Neu sind die Werkzeuge. Diese Seite zeigt, was sie können, was sie nicht können und was Sie dagegen tun.
Auch bekannt als: KI-Betrug, AI Scam, Deepfake-Betrug, Voice-Cloning-Betrug, KI-Enkeltrick.
Stand: 11. Oktober 2026. Diese Seite wird regelmäßig geprüft.
Drei Werkzeuge, ein altes Drehbuch
Betrüger arbeiten seit Jahrzehnten mit denselben vier Hebeln: Angst, Zeitdruck, Autorität und Hoffnung. Geändert hat sich das Werkzeug. Drei davon sollten Sie kennen, und für jedes gibt es ein Bild, das hängen bleibt.
Der Papagei
Ein Programm hört ein paar Sekunden echter Stimme und spricht danach jeden Satz damit, den jemand eintippt. Es kann weinen, zittern und stottern. Laut INTERPOL reichen zehn Sekunden Ton, etwa aus einem Video oder einer Sprachnachricht.
Die Maske
Aus Fernsehaufnahmen lernt ein Programm, wie ein Mensch spricht, blinzelt und den Kopf bewegt. Dann legt es ihm neue Worte in den Mund. Betrüger nutzen dafür Moderatoren, Politiker und Fernsehärzte. Auch ein Videoanruf lässt sich so fälschen, noch holprig, aber jedes Jahr besser.
Der Sekretär
Ein Schreibprogramm verfasst Briefe im Stil jeder Bank und jeder Behörde, fehlerfrei und in jeder Sprache. Es schreibt tausend Briefe auf einmal, und wer antwortet, bekommt oft vom Programm selbst eine Antwort.
Was der Computer kann und was er nicht kann
Das kann er
- Eine Stimme aus wenigen Sekunden Aufnahme nachbilden, mit Weinen und Zittern.
- Ein bekanntes Gesicht im Video etwas sagen lassen, das es nie gesagt hat.
- Briefe, SMS und E-Mails ohne Fehler schreiben, mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse aus alten Datenlecks.
- Hundert Gespräche gleichzeitig führen, geduldig, Tag und Nacht.
- Ihren Wohnort und die Namen Ihrer Kinder aus dem Internet zusammensuchen.
Das kann er nicht
- Abnehmen, wenn Sie Ihre Tochter unter der Nummer anrufen, die Sie kennen.
- Das Codewort nennen, das Ihre Familie am Küchentisch vereinbart hat.
- Die Polizei dazu bringen, am Telefon eine Kaution zu verlangen. Das tut sie nie.
- Ihre Bank dazu bringen, Sie nach PIN oder einer Freigabe zu fragen.
- Sie zwingen, den Hörer in der Hand zu behalten.
Aus der zweiten Liste folgt der ganze Schutz. Jede Prüfung, die Sie selbst auslösen, bleibt echt: der eigene Rückruf, die Frage nach dem Wort, der Blick in die Banking-App, die Sie selbst geöffnet haben.
Wo die Werkzeuge im Einsatz sind
Dieselben drei Werkzeuge tauchen in fast jeder Masche auf. Die Übersicht führt zu den Ratgebern, die jede Masche im Einzelnen erklären.
- SchockanrufDie weinende Stimme stammt vom Papagei, der Rest vom alten Drehbuch.
- Enkeltrick„Rate mal, wer dran ist“ fällt weg. Der Anrufer kennt Namen und Stimme.
- „Hallo Mama, neue Nummer“Die Antworten schreibt ein Programm, die Sprachnachricht kommt vom Papagei.
- Fake-Werbung mit ProminentenDie Maske lässt ein bekanntes Gesicht eine Geldanlage empfehlen.
- Gefälschte BriefeDer Sekretär schreibt fehlerfrei im Namen von Bank und Amt, mit QR-Code.
- LiebesbetrugErfundene Fotos, ein Programm, das sich alles merkt, ein kurzer gefälschter Videoanruf.
- Falsche BankmitarbeiterDer Anrufer kennt Ihre Bank und Ihre App, aus gestohlenen Daten und tausend Gesprächen.
- Falscher Computer-SupportDas Warnfenster sieht aus wie von Windows, der Techniker spricht besser Deutsch als früher.
Wie häufig ist das wirklich?
Genau weiß es niemand. Das Bundeskriminalamt schreibt im Bundeslagebild Cybercrime 2025, dass bislang keine polizeilichen Kennzahlen zum Einsatz künstlicher Intelligenz vorliegen. Es beobachtet aber, dass Phishing-Nachrichten durch KI fehlerfrei werden und glaubhafter wirken.
International ist die Richtung klar. INTERPOL beschreibt Marktplätze, auf denen Programme zum Klonen von Stimmen und Gesichtern angeboten werden, und schätzt Betrugsmaschen mit KI als deutlich einträglicher ein als herkömmliche. Europol berichtet, dass Sprachroboter inzwischen Anrufe in großer Zahl vorsortieren und erst danach ein Mensch übernimmt. Das FBI weist Anzeigen mit KI-Bezug seit 2025 gesondert aus: Menschen ab 60 meldeten mehr als 3.100 Fälle mit über 352 Millionen US-Dollar Schaden.
Für Ihren Alltag heißt das: Ob am anderen Ende ein Mensch oder ein Programm spricht, spielt keine Rolle. Die Regeln bleiben dieselben.
Hören, sehen, lesen: drei Beispiele
Wie echt das wirkt, zeigt die Buchseite mit drei Beispielen, die ein Programm erzeugt hat: ein Gespräch über das Buch mit zwei Stimmen, die es nicht gibt, ein Videoanruf einer Enkelin, die nie existiert hat, und ein Brief eines Amts, das es nicht gibt. Alles ist dauerhaft als KI-erzeugt gekennzeichnet.
Die eine Regel
Was Sie hören und sehen, kann erfunden sein. Was Sie daraufhin tun, entscheiden Sie: auflegen, selbst zurückrufen, nach dem Codewort fragen.
Vier Absprachen für die Familie
- Das Codewort. Ein Wort, das nur die Familie kennt und nirgends im Internet steht. Wer in Not anruft, sagt es zuerst. So richten Sie es ein.
- Der Satz. „Wenn ich dich um Geld bitte, ohne das Wort zu sagen, bin ich es nicht.“ Jedes Familienmitglied spricht ihn einmal laut aus.
- Der Rückruf. Wer Geld will, wird zurückgerufen, unter der gespeicherten Nummer, selbst eingetippt. Auch bei der richtigen Stimme, auch bei einem Video.
- Der Link. Ein Link in einer Nachricht ist nur Text. Bank, Paketdienst und Behörde erreichen Sie über die App oder die Seite, die Sie selbst öffnen.
Zum Üben: echt oder Betrug?
Fall 1Ihr Enkel ruft per Video an. Sie sehen sein Gesicht und hören seine Stimme. Das Bild ruckelt, „das Netz hier ist schlecht“. Er braucht bis heute Abend 3.000 Euro.
Betrug, bis das Gegenteil feststeht. Ein Gesicht ist kein Beweis mehr, auch in Bewegung. Legen Sie auf und rufen Sie Ihren Enkel unter der Nummer an, die Sie gespeichert haben. Der echte lacht und sagt das Codewort.
Fall 2Ein Brief Ihrer Bank, fehlerfrei, mit Ihrem Namen und einem Aktenzeichen. Sie sollen einen QR-Code scannen, sonst wird der Zugang in sieben Tagen gesperrt.
Betrug. Frist, Drohung und QR-Code sind die drei Zeichen. Dass der Brief perfekt aussieht, beweist heute nichts mehr. Rufen Sie Ihre Bank unter der Nummer auf Ihrer Karte an und fragen Sie: „Haben Sie mir das geschickt?“
Fall 3Ihr Sohn ruft an, nennt seinen Namen, fragt, ob er am Wochenende mit den Kindern vorbeikommen darf, und sagt von sich aus das Codewort.
Echt. Er nennt das Wort, ohne dass Sie es ihm vorsagen, und will nichts von Ihnen. Genau so ist es vereinbart.
Im Buch warten 42 solcher Fälle, jeder mit Auflösung im Anhang.
Aus dem Buch
Hey Omi, ich bin’s!
Der erste Teil des Buchs erklärt in drei Kapiteln, was die Computer der Betrüger heute können: Stimmen nachmachen, Gesichter fälschen, perfekte Briefe schreiben. Jedes weitere Kapitel zeigt, was die Technik an der jeweiligen Masche verändert.
268 Seiten · 24,90 € · erschienen am 23. Oktober 2026 bei BoD · ISBN 978-3-6963-6145-7
Fragen und Antworten
Was ist KI-Betrug?
Betrug, bei dem Täter Programme mit künstlicher Intelligenz einsetzen: für nachgemachte Stimmen, gefälschte Videos, fehlerfreie Briefe oder Gespräche, die ein Programm führt. Die Maschen dahinter, Enkeltrick, Schockanruf, Phishing oder Liebesbetrug, sind alt.
Kann ich eine KI-Stimme oder ein Deepfake sicher erkennen?
Nein. Das BSI nennt Hinweise wie einen metallischen Klang, seltsame Pausen oder Lippen, die nicht zum Ton passen. Gute Fälschungen zeigen davon nichts. Verlassen Sie sich auf das, was Sie selbst prüfen: Rückruf und Codewort.
Wie viele Sekunden Stimme brauchen Betrüger?
Laut INTERPOL genügen rund zehn Sekunden, etwa aus einem Video in sozialen Netzwerken oder einer Sprachnachricht in einer Gruppe.
Hilft es, keine Videos mehr zu veröffentlichen?
Es macht es schwerer, schützt aber kaum, weil schon ein kurzes Telefonat zur Aufnahme reichen kann. Der verlässliche Schutz ist das Codewort, das nirgends im Internet steht.
Trifft KI-Betrug nur ältere Menschen?
Nein. Gefälschte Nachrichten, Promi-Videos und Liebesbetrug treffen jedes Alter. Ältere Menschen stehen am Telefon besonders im Visier, weil die Täter dort mit der Angst um Kinder und Enkel arbeiten.
Wo melde ich einen Betrugsversuch mit KI?
Bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Gefälschte Rufnummern melden Sie der Bundesnetzagentur, verdächtige E-Mails an phishing@verbraucherzentrale.nrw.
Weiterlesen
- KI-Stimme am Telefon erkennenWoran Sie einen Stimmklon erkennen können und was stattdessen trägt.
- Gefälschte Briefe von Bank und BehördeFehlerfrei, mit Wappen und QR-Code. Woran Sie sie trotzdem erkennen.
- Fake-Werbung mit ProminentenGeldanlage aus dem gefälschten Interview.
- Eine Enkelin, die es nicht gibtEin Video aus dem Computer, mit Auflösung.
Quellen
Alle 8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Bundeskriminalamt, Bundeslagebild Cybercrime 2025, 12.05.2026, Abschnitt 3.3 Künstliche Intelligenz, bka.de.
- INTERPOL, Global Financial Fraud Threat Assessment 2026, März 2026, interpol.int.
- Europol, Internet Organised Crime Threat Assessment (IOCTA) 2026, europol.europa.eu.
- FBI, Internet Crime Complaint Center, 2025 IC3 Annual Report, Abschnitt Elder Fraud, ic3.gov.
- FBI, Internet Crime Complaint Center, Public Service Announcement „Criminals Use Generative Artificial Intelligence to Facilitate Financial Fraud“, 03.12.2024, ic3.gov.
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, „Deepfakes: Gefahren und Gegenmaßnahmen“, bsi.bund.de.
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, „Vorsicht Betrug: Bedrohungen durch KI“, 12.02.2026, polizei-beratung.de.
- Verbraucherzentrale, „Quishing: Falsche QR-Codes in Mails, Briefen, ÖPNV und Straßenverkehr“, Stand 23.10.2025, verbraucherzentrale.de.