Hey Omi, ich bin’s!

Hey Omi, ich bin’s! · Das ganze Buch

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Textfassung aller Seiten

  1. Umschlag vorn: Hey Omi, ich bin’s! von Tobias Kremp
  2. Buchseite 1

    Seite 1

    Hey Omi,

    ich bin’s!

  3. Buchseite 2

    Seite 2

    GELASSEN. Ratgeber gegen Betrug in Zeiten künstlicher Intelligenz

  4. Buchseite 3

    Seite 3

    Tobias Kremp

    Hey Omi,

    ich bin’s! Wie Sie Betrüger erkennen, auch wenn sie mit der Stimme Ihrer Familie anrufen

    GELASSEN.

    Ratgeber gegen Betrug in Zeiten künstlicher Intelligenz

  5. Buchseite 4

    Seite 4

    Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar. © 2026 Tobias Kremp Alle Rechte vorbehalten. Der Autor behält sich eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor. Umschlaggestaltung und Satz: Tobias Kremp Porträtfoto: privat Verlag: BoD · Books on Demand GmbH, Überseering 33, 22297 Hamburg, bod@bod.de Druck: Libri Plureos GmbH, Friedensallee 273, 22763 Hamburg ISBN 978-3-6963-6145-7 Stand aller Angaben, Telefonnummern und Internetadressen: viertes Quartal 2026. Alle Namen und Gespräche in den Beispielen sind frei erfunden. Sie zeigen typische Muster und beruhen auf keinem echten Fall. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig. Dieses Buch ist als freie Autorentätigkeit entstanden. Es gibt die persönliche Sicht des Autors wieder und ist keine Veröffentlichung einer Behörde. Die Hinweise sind sorgfältig geprüft, ersetzen im Einzelfall aber keine Rechtsberatung.

  6. Buchseite 5

    Seite 5

    FÜR

    VON

    DATUM

  7. Buchseite 6

    Seite 6

    Inhalt Schnellfinder: Wenn gerade etwas passiert Einleitung: Die Betrüger haben neue Werkzeuge

    8 11

    Teil 1: Was die Computer der Betrüger heute können

    Stimmen nachmachen

    Gesichter und Videos fälschen Perfekte Briefe und Nachrichten

    Teil 2: Am Telefon 4 5 6 7 8

    Der Schockanruf Der Enkeltrick Falsche Polizeibeamte Falsche Bankmitarbeiter Gewinnversprechen

    22 33 41 51

    52 60 68 76 86

    Teil 3: An der Haustür und unterwegs

    Falsche Handwerker und Amtspersonen

    Trickdiebstahl in der Wohnung Unterwegs Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    96 104 111 119

    11 12

    Teil 4: Im Briefkasten

    Falsche Rechnungen, Mahnungen und Inkasso 14 Falsche Amtsschreiben

    130 139

    Teil 5: Auf Handy und Computer

    „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

  8. Buchseite 7

    Seite 7

    Gefälschte Nachrichten von Paketdienst, Bank und Behörden 17 Der falsche Computer-Support 18 Betrug beim Online-Einkauf

    168 177

    Teil 6: Gefühle und Erspartes

    Liebesbetrug 20 Falsche Geldanlagen 21 Die zweite Falle

    188 197 208

    Teil 7: Wenn es passiert ist

    22 Die erste Stunde 23 Die Anzeige

    218 223

    24 Über die Scham

    Anhang

    A1 Das Notfallblatt

    235 237 239 241 247 251 253 257 265

    A2 Die Codewort-Karte A3 Sätze, die Sie sagen dürfen A4 Für Angehörige A5 Kleines Wörterbuch A6 Hilfe und Anlaufstellen A7 Mein Sicherheitsplan A8 Auflösungen der Kurztests A9 Zum Autor

  9. Buchseite 8

    Seite 8

    SCHNELLFINDER

    Wenn gerade etwas passiert Suchen Sie die Zeile, die zu Ihrer Lage passt, und schlagen Sie die angegebene Seite auf. AM TELEFON

    Jemand sagt, ein Angehöriger sei in Not

    Seite 52

    Die Stimme klingt genau wie Ihr Kind oder Enkel

    Seite 22

    Jemand sagt: „Rate mal, wer dran ist!“

    Seite 60

    Die Polizei fragt nach Geld oder Schmuck

    Seite 68

    Die Bank ruft an, Sie sollen etwas freigeben

    Seite 76

    Sie haben angeblich gewonnen

    Seite 86

    AN DER TÜR UND UNTERWEGS

    Handwerker oder Amtsperson wollen herein

    Seite 96

    Jemand bittet an der Tür um Wasser

    Seite 104

    Ihre Karte ist weg

    Seite 111

    Ein Vertreter will eine Unterschrift

    Seite 119

    IM BRIEFKASTEN

    Ein Brief von der Bank mit QR-Code

    Seite 41

    Mahnung, Inkassobrief oder Mahnbescheid

    Seite 130

    Ein Brief vom Amt oder von der Stadt

    Seite 139

  10. Buchseite 9

    Seite 9

    AUF HANDY UND COMPUTER

    „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Seite 150

    Eine SMS oder E-Mail mit Link

    Seite 159

    Ein Warnfenster auf dem Computer

    Seite 168

    Ein Schnäppchen im Internet

    Seite 177

    GEFÜHLE UND ERSPARTES

    Ein Video mit einem Prominenten

    Seite 33

    Eine Bekanntschaft im Internet braucht Geld

    Seite 188

    Ein Berater am Telefon will Ihr Geld anlegen

    Seite 197

    Jemand will verlorenes Geld zurückholen

    Seite 208

    WENN ES SCHON PASSIERT IST

    Die ersten Schritte, in dieser Reihenfolge

    Seite 218

    Die Anzeige bei der Polizei

    Seite 223

    WERKZEUGE

    Notfallblatt Seite 235 · Codewort-Karte Seite 237 · Sätze, die Sie sagen dürfen Seite 239 · Hilfe und Anlaufstellen Seite 251 · Mein Sicherheitsplan Seite 253

  11. Buchseite 10

    Seite 10

    SO IST DAS BUCH AUFGEBAUT

    Die Kästen in diesem Buch Jedes Kapitel ist gleich aufgebaut. Diese Kästen kommen immer wieder: So klingt es Ein Beispielgespräch oder ein Beispielbrief, so wie die Betrüger vorgehen. So hilft der Computer den Betrügern Was die neue Technik an dieser Masche verändert. Aus der Praxis Erfahrungen des Autors aus Gesprächen mit Betroffenen. Daran erkennen Sie es Die Warnsignale. Das tun Sie Der eine Schritt, auf den es ankommt. Kurztest Zwei Situationen zum Üben. Die Auflösungen stehen im Anhang. Merksatz Ein Satz zum Mitnehmen, auf einer eigenen Seite.

    Am Anfang jedes Kapitels zeigen kleine Zeichen, womit die Täter arbeiten: Angst, Zeitdruck, Autorität oder Hoffnung. Angst

    Zeitdruck

    Autorität

    Hoffnung

  12. Buchseite 11

    Seite 11

    EINLEITUNG

    Die Betrüger haben neue Werkzeuge Bevor Sie weiterlesen Dieses Buch soll Sie stark machen. Sie werden lesen, was Betrüger heute können. Manches davon klingt wie aus einem Film. Ein Computer, der die Stimme Ihrer Tochter nachmacht. Ein Video, in dem ein bekannter Fernsehmoderator eine Geldanlage empfiehlt, die es nicht gibt. Ein Brief von Ihrer Bank, der echter aussieht als die echten. Aber Sie werden auch lesen, wie Sie sich schützen. Und das ist einfacher, als Sie denken. Dafür genügen ein paar Regeln und etwas Ruhe im richtigen Moment.

    Ein alter Trick in neuer Verpackung Ich bin seit über 13 Jahren bei der Polizei. Die Tricks, die ich in diesem Buch beschreibe, sind fast alle älter als ich. Den Enkeltrick gab es schon, als Telefone noch eine 11

  13. Buchseite 12

    Seite 12

    Einleitung · Die Betrüger haben neue Werkzeuge

    Wählscheibe hatten. Der falsche Handwerker an der Haustür ist so alt wie die Haustür. Was sich geändert hat, ist das Werkzeug. Früher musste ein Betrüger seine Stimme verstellen. Er musste hoffen, dass Sie den Unterschied nicht hören. Heute kann er auf einen Knopf drücken, und ein Computer spricht mit der Stimme Ihres Enkels. Sie klingt genauso wie die echte. Betrügerische Briefe waren früher an Rechtschreibfehlern zu erkennen. Der Computer schreibt fehlerfrei, in jeder Sprache und in jedem Ton. Und er führt hundert Gespräche gleichzeitig, wo ein Betrüger früher jeden Anruf selbst führen musste.

  14. Buchseite 13

    Seite 13

    Einleitung · Die Betrüger haben neue Werkzeuge

    1995 „Oma, ich bin’s, dein Enkel“

    2026 „Oma, ich bin’s, dein Enkel“

    Derselbe Satz, heute mit einer Stimme, die klingt wie Ihr Enkel.

  15. Buchseite 14

    Seite 14

    Einleitung · Die Betrüger haben neue Werkzeuge

    Das ist die künstliche Intelligenz, von der alle reden. Wie sie im Einzelnen funktioniert, füllt ganze Bücher. Für Ihren Schutz genügt ein Gedanke: Was Sie hören und sehen, kann erfunden sein. Die Entscheidung, was Sie daraufhin tun, bleibt trotzdem bei Ihnen.

    Warum kluge Menschen hereinfallen Vielleicht denken Sie: Mir passiert das nicht. Ich bin doch nicht dumm. Sie sind nicht dumm, und die Opfer sind es auch nie. Ich habe Lehrerinnen, Ingenieure und Ärzte gesehen, die alles verloren haben. Betrüger suchen sich Menschen mit Herz und Vertrauen. Und sie arbeiten nach einem Drehbuch, das an tausend Menschen vor Ihnen getestet wurde. Die Täter wissen genau, wann Sie zögern und was sie dann sagen müssen. Sie nutzen vier Hebel. Diese vier kommen in jedem Kapitel wieder: 1.

    Angst. „Ihrer Tochter ist etwas passiert.“

    2.

    Zeitdruck. „Sie müssen jetzt sofort handeln.“

  16. Buchseite 15

    Seite 15

    Einleitung · Die Betrüger haben neue Werkzeuge

    3.

    Autorität. „Hier spricht die Polizei.“ „Hier ist Ihre Bank.“

    4.

    Hoffnung. „Sie haben gewonnen.“ „Ihr Geld kann sich verdoppeln.“

    Wenn Sie einen dieser Hebel spüren, ist Vorsicht angebracht. Alle vier wirken auf dieselbe Weise: Sie erzeugen ein starkes Gefühl, und ein starkes Gefühl schaltet das Denken ab. Mit Schwäche hat das nichts zu tun. Die Betrüger wissen das, und sie nutzen es.

    Die drei goldenen Regeln Wenn Sie nur eine Seite dieses Buchs lesen, dann diese. Regel 1: Legen Sie auf. Wer Sie anruft und Druck macht, bekommt keine Antwort. Höflichkeit und Erklärungen sind Sie niemandem schuldig. Ein echter Polizist, eine echte Bank und eine echte Tochter verstehen das, und ein Betrüger meldet sich danach meist nicht mehr. Regel 2: Rufen Sie selbst zurück. Wählen Sie eine Nummer, die Sie selbst kennen: aus Ihrem Telefonbuch, von der Rückseite Ihrer Bankkarte oder die 110. Tippen Sie die Nummer selbst ein, ohne Rückruftaste und ohne 15

  17. Buchseite 16

    Seite 16

    Einleitung · Die Betrüger haben neue Werkzeuge

    Wahlwiederholung. Die Nummer im Display und jede Nummer, die man Ihnen am Telefon nennt, kann zu den Betrügern führen. Regel 3: Geben Sie nie Geld oder Wertsachen an Fremde. Auch nicht an der Haustür, an einen Boten oder per Paket. Die Polizei holt kein Geld ab, und Ihre Bank auch nicht.

    Und eine vierte Regel, die es früher nicht brauchte: das Codewort. Weil Stimmen heute nachgemacht werden können, braucht Ihre Familie ein Wort, das nur Sie kennen und das kein Computer im Internet findet. Auch die Polizei empfiehlt so ein Codewort inzwischen. Wenn jemand anruft und sagt, er sei Ihr Sohn in Not, fragen Sie nach dem Wort. Kennt er es nicht, legen Sie auf. Wie Sie das Wort wählen und mit der Familie vereinbaren, lesen Sie in Kapitel 1. Die Karte dafür finden Sie hinten im Buch.

    Wie Sie dieses Buch lesen Sie können es von vorn bis hinten lesen oder nur das aufschlagen, was Sie gerade betrifft. Jedes Kapitel steht für sich. Um seltsame Anrufe geht es in Teil 2, um Fremde an 16

  18. Buchseite 17

    Seite 17

    Einleitung · Die Betrüger haben neue Werkzeuge

    der Tür in Teil 3, um Briefe in Teil 4 und um Nachrichten auf dem Handy in Teil 5. Wenn gerade etwas passiert, zeigt Ihnen der Schnellfinder vorn im Buch, wo Sie nachlesen. Hinten stehen Sätze, mit denen Sie jedes Gespräch freundlich beenden. Am Ende der Kapitel 1 bis 21 können Sie in einem Kurztest üben. Im Anhang finden Sie außerdem einen Sicherheitsplan, den Sie mit Ihrer Familie ausfüllen. Jedes Kapitel ist gleich aufgebaut. Zuerst hören Sie, wie die Masche klingt. Danach erfahren Sie, was dahintersteckt und was der Computer daran neu macht. Es folgen die Warnsignale, an denen Sie die Masche erkennen, und ein Satz, der sagt, was Sie tun. Zum Schluss steht ein Merksatz, der im Kopf bleibt. Der erste Teil erklärt in drei kurzen Kapiteln, was die Computer der Betrüger heute können. Lesen Sie ihn zuerst, wenn Sie Zeit haben. Er macht alles Weitere leichter verständlich.

  19. Buchseite 18

    Seite 18

    MERKSATZ

    Die Betrüger haben neue Werkzeuge. Die Tricks sind alt. Und Auflegen funktioniert immer noch.

  20. Buchseite 19

    Seite 19

    Für die Pinnwand neben dem Telefon. Mit der Schere an der gestrichelten Linie am Innenrand abschneiden oder die Seite kopieren.

    Die drei goldenen Regeln

    Legen Sie auf. Wer anruft und Druck macht, bekommt keine Antwort.

    Rufen Sie selbst zurück. Unter der Nummer, die Sie selbst kennen. Selbst eintippen, ohne Rückruftaste.

    Geben Sie nie Geld oder Wertsachen an Fremde. Auch nicht an Boten, an der Haustür oder per Paket.

    Und immer nach dem Codewort fragen. Polizei 110

    Karte sperren 116 116

  21. Buchseite 20

    Seite 20

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

  22. Buchseite 21

    Seite 21

    TEIL 1

    Was die Computer der Betrüger heute können Drei kurze Kapitel über die neuen Werkzeuge. Sie machen alles Weitere leichter verständlich.

    Stimmen nachmachen

    Gesichter und Videos fälschen

    Perfekte Briefe und Nachrichten

  23. Buchseite 22

    Seite 22

    KAPITEL 1

    Stimmen nachmachen Hebel der Täter:

    Angst

    So klingt es

    Das Telefon klingelt. Sie heben ab. „Mama? Mama, ich bin’s. Es ist etwas Schlimmes passiert.“ Die Stimme weint. Es ist die Stimme Ihrer Tochter. Sie würden sie unter tausend erkennen. „Ich hatte einen Unfall. Ein Kind … Mama, ich kann nicht reden, hier ist die Polizei. Bitte, hilf mir.“ Dann eine andere Stimme, ruhig und bestimmt: „Guten Tag, hier spricht Hauptkommissar Weber. Ihre Tochter hat einen schweren Unfall verursacht.

  24. Buchseite 23

    Seite 23

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    Ein Kind ist verletzt. Um eine Untersuchungshaft zu vermeiden, muss heute eine Kaution hinterlegt werden. Wie viel Bargeld haben Sie im Haus?“ So beginnt einer der häufigsten Betrugsanrufe unserer Zeit. Die weinende Stimme war der Ihrer Tochter zum Verwechseln ähnlich. Gesprochen hat ein Computer.

    Was hier passiert Ein Computer hat die Stimme nachgemacht. Man nennt das „Stimmklonen“ oder auf Englisch „Voice Cloning“. Leichter zu merken ist ein Bild: ein Papagei. Ein Papagei hört einen Satz und spricht ihn nach, in genau derselben Stimme. Der Computer der Betrüger ist ein Papagei, der jeden Satz sprechen kann, den man ihm eintippt. Er braucht dafür nur ein kleines Stück der echten Stimme. Ein paar Sekunden reichen. Diese Sekunden holen die Betrüger aus dem Internet. Von Ihrer Tochter gibt es vielleicht ein Video bei Facebook. Ihr Enkel hat eine Sprachnachricht in einer Gruppe verschickt. 23

  25. Buchseite 24

    Seite 24

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    Oder jemand hat angerufen, ein kurzes Gespräch geführt und dabei die Stimme aufgenommen. Mehr brauchen die Betrüger nicht. Der Rest läuft ab wie seit Jahren: Angst machen, Zeitdruck aufbauen, eine Amtsperson dazuschalten, Geld fordern. Neu ist der erste Satz, und der ist der wichtigste, denn er schaltet Ihr Denken aus.

  26. Buchseite 25

    Seite 25

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    0:07

    „Mama, ich hatte einen Unfall“

    Sieben Sekunden Stimme aus dem Internet reichen für einen Anruf, der wie Ihre Tochter klingt.

    Wie oft Betrüger in Deutschland schon mit nachgemachten Stimmen anrufen, weiß niemand genau. Nachgewiesen ist das bisher selten. Oft genügt ein weinender, schwer verständlicher Anrufer, und den Rest ergänzt der Schreck. Die Technik dafür ist aber für jeden zu haben und wird

  27. Buchseite 26

    Seite 26

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    jedes Jahr besser. Deshalb darf die Stimme kein Beweis mehr sein, ganz gleich, ob ein Computer spricht oder ein Mensch. So hilft der Computer den Betrügern

    Früher musste der Anrufer weinen und nuscheln, damit Sie den Unterschied nicht hörten. Oft kam der Zusatz: „Ich habe Halsschmerzen, deshalb klinge ich anders.“ Diesen Satz brauchen die Betrüger nicht mehr. Die Stimme ist perfekt. Der Computer kann sogar weinen, zittern und stottern, wenn man es ihm aufträgt. Und der Computer wird nicht müde. Er kann hundert Mütter am selben Vormittag anrufen.

    Aus der Praxis

    Ich habe mit Menschen gesprochen, die nach so einem Anruf ihr ganzes Erspartes hergegeben haben. Fast alle sagten danach denselben Satz: „Es war ihre Stimme.“ Auch ich hätte im ersten Moment nicht 26

  28. Buchseite 27

    Seite 27

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    gezweifelt, und das geht jedem so. Deshalb darf die Stimme kein Maßstab mehr sein. Entscheidend ist, was Sie danach tun.

    Daran erkennen Sie es

    Es geht sofort um Geld. Bei einem echten Notfall geht es zuerst um den Menschen. Geld kommt später oder gar nicht zur Sprache. Sie sollen nicht auflegen. „Bleib dran, Mama, leg nicht auf!“ Ein echter Polizist hat nichts dagegen, wenn Sie zurückrufen. Jemand anderes übernimmt das Gespräch. Erst die Tochter, dann ein Polizist, dann ein Staatsanwalt, alle mit verteilten Rollen. Der Anrufer weiß viel, aber nicht alles. Wo Ihre Tochter arbeitet oder wie ihre Kollegin heißt, kann er nicht sagen. Fragen Sie nach etwas, das nur die Familie weiß.

  29. Buchseite 28

    Seite 28

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    Es soll geheim bleiben. „Erzähl niemandem davon, sonst wird es schlimmer.“ Echte Behörden verlangen nie Geheimhaltung von Ihnen.

    Das tun Sie

    Legen Sie auf. Rufen Sie Ihre Tochter unter der Nummer an, die Sie von ihr haben. Wenn sie nicht abnimmt, rufen Sie jemanden an, der bei ihr sein könnte, etwa Ihren Schwiegersohn oder Ihre Enkelin. Wenn Sie niemanden erreichen, wählen Sie die 110. Die echte Polizei kann schnell prüfen, ob es einen Unfall gab. Sie tun damit nichts Falsches. Ein Rückruf kostet im echten Notfall zwei Minuten. Diese zwei Minuten schützen Ihr Erspartes.

  30. Buchseite 29

    Seite 29

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    Das Codewort: Ihr Schutz gegen den Papagei Weil die Stimme kein Beweis mehr ist, braucht Ihre Familie einen anderen Beweis: ein Wort, das nur Sie kennen und das nirgends im Internet steht. So geht es: 1. Setzen Sie sich mit Ihren Kindern und Enkeln zusammen, beim nächsten Sonntagsessen oder beim nächsten Telefonat. 2. Wählen Sie gemeinsam ein Wort. Es darf lustig sein, ein alter Familienwitz zum Beispiel. Der Name des Hundes, der Geburtsort und alles, was bei Facebook steht, scheiden aus. Gut geeignet ist das Lieblingsessen von Opa, das sonst keiner kennt, oder der Name des ersten Autos. 3. Vereinbaren Sie: Wer in Not anruft, sagt zuerst das Wort. Sie selbst nennen es nie und bieten auch keine Auswahl an. Ohne das Wort legen Sie auf und rufen selbst zurück.

  31. Buchseite 30

    Seite 30

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    4. Schreiben Sie es auf die Karte hinten im Buch, wenn Sie es sich sonst nicht merken. Legen Sie die Karte in die Nähe des Telefons, aber dorthin, wo Besucher sie nicht sehen, etwa in eine Schublade. Auf der Karte für die Geldbörse genügt eine Gedächtnisstütze, die nur Sie verstehen. 5. Verschicken Sie das Wort nie per Nachricht oder E-Mail, und ändern Sie es nur, wenn Sie sich sehen. Glauben Sie, dass ein Fremder es kennt, vereinbaren Sie beim nächsten Treffen ein neues. Wenn also jemand mit der Stimme Ihres Enkels anruft, fragen Sie ruhig: „Wie heißt unser Wort?“ Ihr echter Enkel lacht und sagt es sofort. Kommt das Wort nicht, legen Sie auf. Das Codewort kommt zum Rückruf dazu. Rufen Sie im Zweifel trotzdem selbst zurück.

  32. Buchseite 31

    Seite 31

    Kapitel 1 · Stimmen nachmachen

    Für Ihre Angehörigen

    Liebe Kinder und Enkel: Jede Sprachnachricht, jedes Video mit Ihrer Stimme im Netz ist Rohmaterial für den Papagei. Vereinbaren Sie deshalb das Codewort. Es schützt auch dann, wenn Ihre Stimme im Internet bleibt. Und sagen Sie Ihren Eltern: „Wenn ich jemals um Geld bitte, ohne das Wort zu sagen, bin ich es nicht.“ Dieser eine Satz schützt mehr als jede Technik.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Abends ruft Ihr Enkel an. Er klingt genau wie immer, ist aufgeregt und braucht bis morgen 2.000 Euro. Nach dem Codewort gefragt, sagt er, das habe er vergessen. Echt oder Betrug? 2. Ihre Tochter schickt eine Sprachnachricht. Sie kommt am Sonntag zum Kaffee und bringt Kuchen mit. Um Geld geht es nicht. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  33. Buchseite 32

    Seite 32

    MERKSATZ

    Die Stimme kann jeder haben. Das Wort hat nur die Familie.

  34. Buchseite 33

    Seite 33

    KAPITEL 2

    Gesichter und Videos fälschen Hebel der Täter:

    Autorität

    Hoffnung

    So klingt es

    Sie lesen abends auf dem Tablet die Nachrichten. Dazwischen erscheint ein Video. Ein bekannter Fernsehmoderator sitzt in einem Studio. Er lächelt. „Ich habe lange gezögert, darüber zu sprechen. Aber ich habe mit dieser Plattform in drei Monaten mein Geld verdoppelt. Die Banken wollen nicht, dass Sie das wissen. Nur noch heute können Sie mit 250 Euro einsteigen.“ Darunter ein Knopf: „Jetzt registrieren“. Und Kommentare: „Habe es ausprobiert, funktioniert!“ und „Danke, endlich mal ehrlich.“

  35. Buchseite 34

    Seite 34

    Kapitel 2 · Gesichter und Videos fälschen

    Der Moderator hat dieses Video nie aufgenommen. Er weiß nicht einmal, dass es existiert.

    Was hier passiert Was der Computer mit Stimmen kann, kann er auch mit Gesichtern. Er nimmt echte Aufnahmen eines Menschen, tausende Stunden aus dem Fernsehen, und lernt, wie dieser Mensch spricht, blinzelt und den Kopf bewegt. Dann setzt er ihm neue Worte in den Mund. Man nennt das „Deepfake“. Das Bild dazu ist eine Maske, die sich bewegt und spricht. Die Betrüger nutzen dafür fast immer bekannte Gesichter. Nachrichtensprecher, Politiker, Unternehmer, Fernsehärzte: Menschen, denen Sie seit Jahrzehnten vertrauen, weil sie jeden Abend in Ihrem Wohnzimmer zu Gast waren. Dieses Vertrauen wird gestohlen und auf eine Geldanlage übertragen, die es nicht gibt. Die Kommentare unter dem Video sind ebenfalls erfunden, samt Namen, Fotos und Dankesworten.

  36. Buchseite 35

    Seite 35

    Kapitel 2 · Gesichter und Videos fälschen

    Dieselben Fälschungen werben inzwischen auch für angebliche Wundermittel. Ein bekannter Fernseharzt empfiehlt im Video Pillen gegen Diabetes oder Gelenkschmerzen, die er nie empfohlen hat. Am Telefon raten die Verkäufer dann manchmal sogar, echte Medikamente wegzulassen. Fragen Sie Ihren Hausarzt, bevor Sie so ein Mittel bestellen, und setzen Sie nie ein Medikament ab, weil ein Anrufer es Ihnen rät.

    Das Gesicht ist echt. Die Worte hat jemand anderes geschrieben.

  37. Buchseite 36

    Seite 36

    Kapitel 2 · Gesichter und Videos fälschen

    Es gibt eine zweite Form, die seltener ist, aber näher geht: den gefälschten Videoanruf. Das Enkelkind erscheint auf dem Bildschirm, spricht, bewegt sich. Die Technik dafür ist noch nicht perfekt, aber sie wird jedes Jahr besser. Für Sie gilt deshalb ab heute dieselbe Regel wie bei der Stimme: Auch ein Gesicht ist kein Beweis. So hilft der Computer den Betrügern

    Früher brauchte ein Betrüger einen Schauspieler und ein Studio. Heute reichen ein Programm und ein Nachmittag. Deshalb sehen Sie diese Videos zu Hunderten. Jede Woche mit einem anderen Prominenten und einer anderen Plattform. Die Werbung wird sogar auf Sie zugeschnitten: Wer sich für Rente interessiert, bekommt den Rentenexperten, bei Gesundheitsthemen erscheint der Fernseharzt. Aus der Praxis

    Die Prominenten in diesen Videos wehren sich seit Jahren. Sie zeigen die Fälschungen an, sie warnen im Fernsehen davor. Es hilft wenig, weil jeden Tag neue 36

  38. Buchseite 37

    Seite 37

    Kapitel 2 · Gesichter und Videos fälschen

    Videos entstehen. Kein seriöser Moderator, kein Politiker und kein Arzt wirbt im Internet für eine Geldanlage. Wenn Sie so etwas sehen, ist es falsch, ganz gleich, wie echt es aussieht.

    Daran erkennen Sie es

    Ein Prominenter empfiehlt eine Geldanlage. Prominente tun das nicht. Die Empfehlung allein verrät die Fälschung. Es gibt eine Frist. „Nur heute“, „nur die ersten 100“. Zeitdruck ist immer ein Warnsignal. Es klingt nach Geheimnis. „Die Banken wollen das nicht.“ „Die Regierung verschweigt es.“ Der Einstieg ist billig, oft 250 Euro. Die großen Summen fordern die Betrüger später am Telefon. Ein bekannter Arzt wirbt in einem Video für ein Wundermittel. Auch solche Videos sind oft gefälscht.

  39. Buchseite 38

    Seite 38

    Kapitel 2 · Gesichter und Videos fälschen

    Wenn Sie genau hinsehen: Die Lippen passen manchmal nicht ganz zu den Worten. Das Blinzeln fehlt oder ist zu regelmäßig. Aber verlassen Sie sich nicht darauf. Die Fälschungen werden jedes Jahr besser.

    Das tun Sie

    Klicken Sie nicht. Fragen Sie jemanden. Zeigen Sie das Video Ihrer Tochter, Ihrem Sohn, einer Freundin, die sich auskennt. Oder rufen Sie die Verbraucherzentrale an. Ein gutes Angebot gilt auch morgen noch. Und wenn Sie Geld anlegen möchten, dann gehen Sie zu Ihrer Bank oder zu einem Berater, den Sie persönlich treffen können.

    Warum das so gut funktioniert Menschen vertrauen Gesichtern, seit es Menschen gibt. Ein Gesicht, das wir kennen, das lächelt und uns ansieht, schaltet unsere Vorsicht aus. Dafür kann niemand etwas. 38

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    Seite 39

    Kapitel 2 · Gesichter und Videos fälschen

    Wer das weiß, kann sich bewusst dagegen entscheiden und dem Gesicht auf dem Bildschirm misstrauen. Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Im Internet sehen Sie ein Video. Ein bekannter Fernsehmoderator erzählt, wie er mit einer Geldanlage reich geworden ist. Der Einstieg kostet 250 Euro. Echt oder Betrug? 2. Ein Video zeigt einen Fernseharzt, den Sie schätzen. Er empfiehlt Kapseln gegen Gelenkschmerzen, nur heute zum halben Preis. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  41. Buchseite 40

    Seite 40

    MERKSATZ

    Wirbt ein bekanntes Gesicht für eine Geldanlage, steckt ein Betrüger dahinter.

  42. Buchseite 41

    Seite 41

    KAPITEL 3

    Perfekte Briefe und Nachrichten Hebel der Täter:

    Autorität

    So klingt es

    Im Briefkasten liegt ein Brief. Das Logo Ihrer Sparkasse, Ihre Adresse, ein Aktenzeichen. Sehr geehrte Kontoinhaberin, aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben zur Sicherheit im Zahlungsverkehr ist eine Bestätigung Ihres Online-Banking-Zugangs erforderlich. Bitte scannen Sie hierzu den nebenstehenden QR-Code mit Ihrem Smartphone und folgen Sie den Anweisungen. Erfolgt die Bestätigung nicht bis zum 30. September, müssen wir Ihren Zugang vorübergehend sperren.

  43. Buchseite 42

    Seite 42

    Kapitel 3 · Perfekte Briefe und Nachrichten

    Mit freundlichen Grüßen Ihre Sparkasse Daneben ein QR-Code, das schwarz-weiße Quadrat zum Scannen mit dem Handy. Kein Rechtschreibfehler, kein komisches Deutsch, ein richtiges Wasserzeichen im Papier. Trotzdem stammt der Brief von Betrügern.

    Was hier passiert Der Computer kann auch schreiben, fehlerfrei, in jedem Ton, im Stil jeder Bank und jeder Behörde. Diese Programme heißen „Chatbots“ oder „Sprachmodelle“. Vielleicht nutzen Sie selbst schon eines. Das Bild dazu: ein Sekretär, der nie müde wird, jede Sprache kann und jeden Stil nachmacht, wenn man ihm ein Beispiel zeigt. Das hat eine Warnung abgeschafft, auf die Sie sich jahrelang verlassen konnten. Früher erkannte man Betrugsbriefe an den Fehlern. „Sehr geehrter Kunde, Ihre Konto wurde gesperrt, klicken hier.“ Heute schreibt der Sekretär besser als mancher Sachbearbeiter.

  44. Buchseite 43

    Seite 43

    Kapitel 3 · Perfekte Briefe und Nachrichten

    Und der Brief kommt auf allen Wegen. Per Post, als E-Mail oder als Nachricht auf dem Handy. Der Inhalt ist immer gleich: Es gibt ein Problem, Sie müssen etwas bestätigen, und zwar bald.

    Das Quadrat, das Sie nicht scannen sollten Der QR-Code verdient einen eigenen Absatz, weil er so harmlos aussieht. Ein QR-Code ist eine Internetadresse in Bildform. Ihr Handy liest das Bild und öffnet die Seite dahinter. Das Problem: Sie sehen vorher nicht, wohin es geht. Die Betrüger drucken den Code auf den Brief, und der Code führt auf eine Seite, die aussieht wie die Seite Ihrer Bank. Dort geben Sie Ihre Zugangsdaten ein. Ab dann haben die Betrüger Ihr Konto. Betrüger kleben solche Codes inzwischen auch über die echten an Parkautomaten und Ladesäulen oder drucken sie auf gefälschte Strafzettel. Die Regel ist einfach: Ein QR-Code, den Ihnen jemand ungefragt schickt oder hinklebt, wird nicht gescannt.

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    Seite 44

    Kapitel 3 · Perfekte Briefe und Nachrichten

    „Bitte bestätigen Sie Ihren Zugang.“

    2015

    2026

    Heute ohne Fehler, mit demselben Trick.

    So hilft der Computer den Betrügern

    Der Sekretär schreibt tausend Briefe auf einmal, jeden mit einem anderen Namen, einer anderen Bank, einem anderen Datum. Und er schreibt zurück: Wenn Sie auf eine solche Nachricht antworten, antwortet oft das Programm selbst. Freundlich, geduldig, rund um die Uhr. Es beantwortet Ihre Fragen so lange, bis Sie das tun, was die Betrüger wollen.

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    Seite 45

    Kapitel 3 · Perfekte Briefe und Nachrichten

    Daran erkennen Sie es

    Die Anrede ist allgemein. „Sehr geehrte Kontoinhaberin“ statt Ihres Namens. Ihre Bank kennt Ihren Namen. Es gibt eine Frist und eine Drohung. „Bis zum 30. September, sonst Sperrung.“ Banken sperren nicht per Brief mit Wochenfrist. Sie sollen etwas scannen, anklicken oder eingeben. Ihre echte Bank fragt nie per Brief, SMS oder E-Mail nach Zugangsdaten, PIN oder TAN. Der Absender ist fast richtig. „sparkasse-sicherheit.de“ statt „sparkasse.de“. Ein kleiner Zusatz reicht. Ein guter Brief beweist nichts mehr. Wenn Sie denken „Der sieht aber echt aus“, dann ist das kein Grund zur Beruhigung.

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    Seite 46

    Kapitel 3 · Perfekte Briefe und Nachrichten

    Das tun Sie

    Legen Sie den Brief weg. Rufen Sie Ihre Bank an, unter der Nummer auf Ihrer Karte. Nehmen Sie dafür die Nummer auf der Rückseite Ihrer Bankkarte oder aus dem Telefonbuch. Die Nummer im Brief oder in der E-Mail führt zu den Betrügern. Fragen Sie: „Haben Sie mir das geschickt?“ In fast allen Fällen lautet die Antwort Nein. Dasselbe gilt für Nachrichten auf dem Handy: Antworten Sie nicht. Klicken Sie nicht. Löschen Sie die Nachricht oder zeigen Sie sie einem Menschen, dem Sie vertrauen. Aus der Praxis

    Ein Satz, den ich immer wieder höre: „Aber es war doch mein Name drin.“ Das stimmt oft. Namen, Adressen und Geburtsdaten von Millionen Menschen sind bei Datenpannen ins Internet gelangt. Die Betrüger kaufen diese Listen. Auch ein Brief mit Ihrem 46

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    Seite 47

    Kapitel 3 · Perfekte Briefe und Nachrichten

    Namen und Ihrer Kontonummer beweist nichts. Sicherheit gibt Ihnen der Anruf bei der Nummer, die Sie selbst herausgesucht haben.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein fehlerfreier Brief Ihrer Bank bittet Sie, einen QR-Code zu scannen und Ihre Daten zu bestätigen. Sonst werde Ihr Konto in sieben Tagen gesperrt. Echt oder Betrug? 2. Ihre Bank schreibt, dass sich die Kontogebühren ab dem nächsten Quartal ändern. Es gibt keinen Link und keinen QR-Code, und Sie sollen nichts tun. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

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    Seite 48

    MERKSATZ

    Ihre Bank fragt nie nach Ihrer PIN, weder per Brief noch am Telefon oder auf dem Handy.

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    Seite 49

    ZUM ABSCHLUSS VON TEIL 1

    Sie wissen jetzt, was die Computer der Betrüger können: Stimmen nachmachen, Gesichter fälschen, perfekte Briefe schreiben. Kein Werkzeug der Welt kann Sie zwingen, den Hörer in der Hand zu behalten. Auflegen, zurückrufen und die Nummer von Ihrer Bankkarte wählen können nur Sie. Deshalb sind Sie stärker als jeder Computer. In den nächsten Teilen sehen Sie die Werkzeuge im Einsatz. Am Telefon, an der Haustür, im Briefkasten, auf dem Handy und bei Ihrem Ersparten.

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    Seite 50

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

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    Seite 51

    TEIL 2

    Am Telefon Das Telefon ist der Lieblingsweg der Betrüger. Es ist leise und schnell, und niemand sieht zu. Fünf Maschen, die Sie kennen sollten.

    Der Schockanruf

    Der Enkeltrick

    Falsche Polizeibeamte

    Falsche Bankmitarbeiter

    Gewinnversprechen

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    Seite 52

    KAPITEL 4

    Der Schockanruf Hebel der Täter:

    Angst

    Zeitdruck

    So klingt es

    Diesmal meldet sich eine fremde Stimme, und sie klingt ernst. „Guten Tag, spreche ich mit Frau Hartmann? Hier ist die Notaufnahme des Universitätsklinikums. Ihr Sohn Michael wurde vor einer Stunde eingeliefert. Ein schwerer Verkehrsunfall. Er ist stabil, aber er braucht sofort eine Operation, und es gibt ein Problem mit der Kostenübernahme. Die Krankenkasse hat einen Vorbehalt eingetragen. Wenn wir die Operation heute machen sollen, brauchen wir eine Anzahlung von 8.000 Euro. Ich weiß, das ist viel. Aber es geht um Ihren Sohn.“

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    Seite 53

    Kapitel 4 · Der Schockanruf

    Manchmal übergibt der „Arzt“ das Telefon kurz an den Sohn, der nur stöhnt oder weint. Dann übernimmt er wieder. Manchmal meldet sich statt eines Arztes ein Polizist, ein Staatsanwalt oder ein Anwalt. Es geht jedes Mal um einen Unfall, um jemanden, den Sie lieben, und um Geld, das heute fließen muss.

    Was hier passiert Der Schockanruf ist die Masche mit dem größten Druck in diesem Buch. Er hat nur ein Ziel: Ihr Denken für eine halbe Stunde abzuschalten. Der erste Satz erzeugt Todesangst um ein Kind oder Enkelkind, alles danach ist geplant. Die Anrufer arbeiten zu mehreren. Einer ist der Arzt, einer der Polizist, einer der weinende Angehörige. Sie wechseln sich ab, damit Sie keine Sekunde zur Ruhe kommen. Sie bitten Sie, am Telefon zu bleiben, während Sie das Geld zusammensuchen. Manchmal bleiben sie zwei Stunden dran. Dann kommt der Abholer. Ein junger Mann, oft höflich, manchmal mit einem Zettel oder einem Kennwort, das der Anrufer Ihnen vorher genannt hat. Er nimmt das Geld oder 53

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    Seite 54

    Kapitel 4 · Der Schockanruf

    den Schmuck an der Haustür entgegen und verschwindet. Er ist das unterste Glied der Kette. Die Anrufer sitzen meist im Ausland. Eine neuere Variante spart sich den Abholer. Sie sollen das Geld oder den Schmuck in ein Paket legen und an eine Adresse schicken. Oder Sie sollen es in einer Tasche vor dem Amtsgericht ablegen, wo es „ein Beamter“ abholt. Wer Todesangst um sein Kind hat, findet auch das vernünftig.

    Arzt

    Polizist

    Ihr Sohn

    Drei Stimmen, ein Drehbuch. Alle sitzen im selben Raum.

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    Seite 55

    Kapitel 4 · Der Schockanruf

    So hilft der Computer den Betrügern

    Die Stimme des Angehörigen kann nachgemacht sein (Kapitel 1). Dazu wissen die Anrufer heute oft mehr über Sie als früher: den Namen Ihres Sohnes, seinen Wohnort, dass er Auto fährt. Diese Angaben stehen im Internet, in sozialen Netzwerken, in alten Datenlecks. Ein Computer sammelt sie in Sekunden. Der Anruf beginnt dann mit „Ihr Sohn Michael aus Gießen“, und so ein Detail wirkt glaubwürdig. Aus der Praxis

    Ein Satz, den ich mir eingeprägt habe: „Sie haben mich nicht auflegen lassen.“ Der Kern dieser Masche ist die Dauerverbindung, mehr als die Geschichte und mehr als die Stimme. Solange Sie in der Leitung sind, kann niemand anders mit Ihnen sprechen. Kein Nachbar, keine Tochter, keine Bank. Deshalb ist Auflegen der Ausbruch aus dem Raum, in den man Sie gesperrt hat.

  57. Buchseite 56

    Seite 56

    Kapitel 4 · Der Schockanruf

    Daran erkennen Sie es

    Kein Krankenhaus ruft Angehörige an, um Geld für eine Operation zu verlangen. Im Notfall wird in Deutschland jeder behandelt, die Kosten klärt man danach. Die Polizei fordert am Telefon keine Kaution. Darüber entscheidet ein Gericht, und das Geld wird dort hinterlegt. Niemand holt es an der Haustür ab. Sie sollen in der Leitung bleiben. „Legen Sie nicht auf, ich verbinde Sie.“ Echte Behörden verstehen, wenn Sie zurückrufen. Sie dürfen niemandem etwas sagen. „Es läuft eine Ermittlung, sprechen Sie mit niemandem.“ Echte Ermittlungen brauchen Ihre Verschwiegenheit nicht. Es kommt jemand vorbei oder Sie sollen etwas verschicken. Weder Polizei noch Gericht noch Klinik holen Geld ab oder lassen es sich schicken.

  58. Buchseite 57

    Seite 57

    Kapitel 4 · Der Schockanruf

    Das tun Sie

    Legen Sie auf. Rufen Sie Ihr Kind selbst an, unter der Nummer, die Sie kennen. Erreichen Sie es nicht, rufen Sie die 110. Die echte Polizei kann in wenigen Minuten prüfen, ob es einen Unfall gab. Über Ihren Anruf ist sie froh, denn jeder Hinweis hilft ihr. Wenn schon jemand vor der Tür steht: Öffnen Sie nicht. Sagen Sie durch die Tür, dass die Polizei unterwegs ist. Prägen Sie sich ein, wie er aussieht. Rufen Sie die 110.

    Für die Familie: die Notfallabsprache Vereinbaren Sie mit Ihren Kindern und Enkeln einen einzigen Satz: „Wenn mir wirklich etwas passiert, wirst du nie von einem Fremden am Telefon um Geld gebeten. Wenn das doch passiert, ist es Betrug.“ Sprechen Sie das aus, beim nächsten Besuch. Es dauert eine Minute und nimmt dem Schockanruf seinen Boden.

  59. Buchseite 58

    Seite 58

    Kapitel 4 · Der Schockanruf

    Und das Codewort aus Kapitel 1 gilt auch hier: Ohne das Wort legen Sie auf, auch wenn am Telefon jemand weint. Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein weinender junger Mann ruft: „Mama, ich hatte einen Unfall.“ Dann übernimmt ein Polizist. Für eine Kaution von 30.000 Euro komme gleich ein Kollege vorbei. Echt oder Betrug? 2. Das Krankenhaus ruft an. Ihr Mann sei gestürzt und liege auf Station 3. Sie möchten ihm bitte Schlafanzug und Waschzeug bringen. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  60. Buchseite 59

    Seite 59

    MERKSATZ

    Am Telefon will kein Krankenhaus Geld und keine Polizei Kaution. Wer beides will, ist ein Betrüger.

  61. Buchseite 60

    Seite 60

    KAPITEL 5

    Der Enkeltrick Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    Hoffnung

    So klingt es

    Diesmal arbeitet der Anrufer mit Freude. „Hallo Oma! Rate mal, wer dran ist!“ Sie zögern kurz. „Ist das … der Jonas?“ „Ja, genau, der Jonas! Mensch, du erkennst mich immer noch. Hör mal, ich ruf nicht nur so an. Ich hab eine tolle Gelegenheit. Ein Freund verkauft seine Wohnung, und ich kann sie günstig kriegen, aber ich muss heute noch die Anzahlung leisten. 15.000 Euro. Die Bank hat schon zugesagt, aber das Geld kommt erst nächste Woche. Kannst du mir aushelfen? Nur bis Montag, ganz sicher. Ich schick dir einen Freund vorbei, ich muss selbst beim Notar sein.“ 60

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    Seite 61

    Kapitel 5 · Der Enkeltrick

    Der Trick steckt im ersten Satz: „Rate mal, wer dran ist!“ Den Namen liefern Sie selbst. Der Anrufer kannte ihn vorher nicht.

    Was hier passiert Der Enkeltrick ist der Großvater aller Telefonmaschen. Seit Jahrzehnten funktioniert er, weil er mit Liebe arbeitet. Sie dürfen helfen und dem Enkel etwas Gutes tun, das sonst niemand kann. Das fühlt sich gut an, und die Betrüger nutzen dieses Gefühl. Die Geschichte ist immer ähnlich: eine Wohnung, ein Auto, eine Notarzahlung, eine einmalige Gelegenheit. Das Geld wird jedes Mal heute gebraucht und nur kurz geliehen, und weil der Enkel selbst verhindert ist, kommt ein Freund vorbei. In den ersten Minuten fragt der Anrufer aus, was Sie haben. „Hast du das überhaupt? Auf dem Sparbuch? Wie viel ist da drauf?“ Wer ehrlich antwortet, hat den Betrag festgelegt.

  63. Buchseite 62

    Seite 62

    Kapitel 5 · Der Enkeltrick

    Und wenn Sie zögern, kommt der Vorwurf: „Oma, ich dachte, ich kann mich auf dich verlassen.“ Der Satz soll treffen.

    ?

    „Rate mal, wer dran ist?“

    „Jonas?“

    Jonas

    Der Name kam von Ihnen. Der Anrufer hat ihn nur wiederholt.

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    Seite 63

    Kapitel 5 · Der Enkeltrick

    So hilft der Computer den Betrügern

    Zwei Dinge sind neu. Erstens: Die Stimme kann nachgemacht sein und echt klingen (Kapitel 1). Dann fällt der Satz „Rate mal“ weg, weil der Anrufer den Namen kennt und die Stimme dazu hat. Zweitens: Der Anrufer kennt Ihre Familie. Aus dem Internet weiß er, dass Ihr Enkel Jonas heißt, in Köln studiert und gerade eine Wohnung sucht. Der Anruf beginnt dann mit „Oma, ich bin’s, der Jonas, wegen der Wohnung in Ehrenfeld.“ Das ist schwer zu durchschauen. Deshalb gilt auch hier: Prüfen Sie die Person, unabhängig von der Geschichte. Rufen Sie zurück und fragen Sie nach dem Codewort.

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    Seite 64

    Kapitel 5 · Der Enkeltrick

    Daran erkennen Sie es

    „Rate mal, wer dran ist.“ Ihr echter Enkel sagt seinen Namen. Es geht um Geld, und zwar heute. Eine echte Notlage in der Familie erlaubt einen Rückruf am nächsten Morgen. Er kann nicht selbst kommen. Es kommt „ein Freund“, „ein Kollege“, „der Notar“. Ihr Enkel würde für 15.000 Euro selbst kommen. Er fragt, was Sie haben. „Ist das bar da? Auf welchem Konto?“ Familie fragt so nicht. Er macht Ihnen ein schlechtes Gewissen, wenn Sie zögern. Das ist Druck.

    Das tun Sie

    Sagen Sie: „Ich rufe dich gleich zurück.“ Legen Sie auf. Wählen Sie die Nummer, die Sie von ihm haben. 64

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    Seite 65

    Kapitel 5 · Der Enkeltrick

    Nennen Sie am Telefon nie einen Namen zuerst. Wer Sie anruft, sagt seinen Namen. Ihr Enkel kann das. Und wenn Sie Ihrem Enkel wirklich Geld leihen möchten: Tun Sie es morgen, in der Bank, mit ihm zusammen am Schalter. Ihr Enkel freut sich über so ein Angebot, und ein Betrüger meldet sich danach nicht mehr. Noch ein Schutz vorab: Ihre Nummer finden die Täter oft im Telefonbuch. Ein Vorname wie Gertrud oder Walter verrät ihnen, dass dort wahrscheinlich ein älterer Mensch wohnt. Die Polizei rät deshalb, den Vornamen im Telefonbuch abkürzen oder ganz weglassen zu lassen. Aus Gertrud Maier wird dann G. Maier. Die Änderung erledigt Ihr Telefonanbieter. Aus der Praxis

    Ich habe erlebt, dass Betroffene sich am meisten dafür schämten, nicht gezögert zu haben. „Ich hab nicht mal nachgefragt.“ Sie haben nicht nachgefragt,

  67. Buchseite 66

    Seite 66

    Kapitel 5 · Der Enkeltrick

    weil sie liebende Menschen sind, und dafür muss sich niemand schämen. Ab heute dürfen Sie beides sein, liebend und vorsichtig. Ihr Enkel wird es verstehen.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Am Telefon heißt es: „Rate mal, wer dran ist!“ Sie raten: „Thomas?“ Er sagt: „Genau!“ Er braucht heute noch Geld für eine Wohnung. Echt oder Betrug? 2. Ihr Enkel meldet sich mit seinem Namen, fragt, ob er am Wochenende vorbeikommen darf, und nennt von sich aus das Codewort. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  68. Buchseite 67

    Seite 67

    MERKSATZ

    Wer Sie liebt, sagt seinen Namen. Wer Sie liebt, wartet bis morgen.

  69. Buchseite 68

    Seite 68

    KAPITEL 6

    Falsche Polizeibeamte Hebel der Täter:

    Angst

    Autorität

    So klingt es

    „Guten Abend, Kriminalpolizei, mein Name ist Hauptkommissar Berger. Frau Hartmann, ich muss Sie warnen. Wir haben heute Nachmittag eine Einbrecherbande festgenommen. Bei den Tätern lag eine Liste mit Adressen. Ihre Adresse steht darauf. Sie sollten heute Nacht überfallen werden.“ Pause. Sie werden blass. „Wir haben aber noch ein zweites Problem. Wir haben Hinweise, dass ein Mitarbeiter Ihrer Bank mit der Bande zusammenarbeitet. Ihr Geld ist auf dem Konto nicht sicher. Ich frage Sie jetzt ganz offiziell: Haben Sie Bargeld oder Schmuck im Haus? Wir stellen alles sicher, bis die Bande gefasst ist. Ein

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    Seite 69

    Kapitel 6 · Falsche Polizeibeamte

    Kollege in Zivil kommt vorbei. Sprechen Sie mit niemandem darüber, auch nicht mit Ihrer Bank, das würde die Ermittlung gefährden.“ Im Display steht die 110 oder die Nummer Ihrer örtlichen Polizei. Beides lässt sich fälschen.

    Was hier passiert Ich bin selbst Polizist. Die Polizei ruft Sie nie an, um nach Ihrem Geld zu fragen. Sie holt keine Wertsachen ab und bringt Ihr Geld nie „in Sicherheit“. Diese Masche nutzt das Vertrauen, das Sie in meinen Beruf haben. Der Anrufer spricht ruhig, sachlich, mit Dienstgrad und Aktenzeichen. Er weckt zwei Ängste auf einmal: Einbruch und Bankbetrug. Und er schneidet Sie von jeder Hilfe ab, indem er Geheimhaltung verlangt. Wer niemanden fragen darf, kann nicht gewarnt werden. Dann läuft es wie beim Schockanruf: Der Anrufer bleibt in der Leitung, während Sie das Geld holen. Manchmal soll es auch von der Bank abgehoben werden. Für die Fragen am 69

  71. Buchseite 70

    Seite 70

    Kapitel 6 · Falsche Polizeibeamte

    Schalter gibt er Ihnen eine Antwort mit: „Sagen Sie, es ist für eine Autoreparatur.“ Dann kommt der Abholer in Zivil, manchmal mit einem Kennwort, manchmal mit einem Ausweis, den er kurz zeigt. Eine Variante geht über den Staatsanwalt oder das Gericht: Angeblich läuft ein Verfahren gegen Sie, weil Ihr Konto für Geldwäsche benutzt wurde. Um eine Verhaftung abzuwenden, müssen Sie Ihr Vermögen auf ein „sicheres Konto der Justiz“ überweisen. Auch das ist frei erfunden. So arbeitet keine Justiz der Welt.

    Die Nummer im Display kann jeder eingeben. Sie beweist nichts.

  72. Buchseite 71

    Seite 71

    Kapitel 6 · Falsche Polizeibeamte

    So hilft der Computer den Betrügern

    Die angezeigte Nummer war schon immer fälschbar. Anrufe aus dem Ausland dürfen in Deutschland zwar keine deutsche Nummer mehr zeigen. Dann steht oft „Unbekannt“ im Display. Ganz verhindern lässt sich das Fälschen trotzdem nicht. Neu ist, wie glatt das Gespräch geworden ist. Die Anrufer sitzen im Ausland, sprechen aber akzentfrei, weil der Computer übersetzt oder die Stimme glättet. Sie kennen Ihren Namen, Ihre Straße und manchmal Ihre Bank, weil ein Programm das aus dem Internet gesammelt hat. Die Einbrecherliste gibt es nicht, aber die Geschichte klingt jedes Jahr besser, weil sie an tausenden Menschen getestet wurde.

    Aus der Praxis

    Wenn ich als Polizist etwas von Ihnen brauche, dann komme ich vorbei, zeige meinen Dienstausweis, und Sie dürfen ihn in die Hand nehmen und die 110

  73. Buchseite 72

    Seite 72

    Kapitel 6 · Falsche Polizeibeamte

    anrufen, um mich zu überprüfen. Ich erwarte das sogar. Ein echter Beamter lässt sich ohne Umstände überprüfen.

    Daran erkennen Sie es

    Es geht um Ihr Geld oder Ihre Wertsachen. Die echte Polizei interessiert sich nicht dafür, was Sie im Haus haben. Sie sollen mit niemandem sprechen. Echte Ermittler haben nichts dagegen, wenn Sie Ihre Tochter oder Ihre Bank anrufen. Jemand kommt vorbei, um etwas abzuholen. Die Polizei holt bei Ihnen weder Geld noch Wertsachen ab. Im Display steht 110. Die echte Polizei ruft nie mit der 110 im Display an. Sie sollen Geld auf ein „sicheres Konto“ überweisen. Es gibt keine sicheren Konten bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht. 72

  74. Buchseite 73

    Seite 73

    Kapitel 6 · Falsche Polizeibeamte

    Sie sollen Ihrer Bank eine Ausrede nennen. Wer Ihnen vorsagt, was Sie am Schalter erzählen sollen, ist ein Betrüger.

    Das tun Sie

    Legen Sie auf. Warten Sie einen Moment, bis die Leitung frei ist. Wählen Sie dann selbst die 110. Das Warten hat einen Grund: Die alte Verbindung soll sicher getrennt sein. Lassen Sie den Hörer deshalb einige Sekunden liegen. Tippen Sie die 110 selbst ein, ohne Rückruftaste und ohne Wahlwiederholung. Noch sicherer ist ein anderes Telefon, etwa Ihr Handy. Sagen Sie der echten Polizei: „Ich habe gerade einen Anruf von einem angeblichen Polizisten bekommen.“ Sie werden freundlich behandelt, und Sie helfen damit, die Täter zu fassen.

  75. Buchseite 74

    Seite 74

    Kapitel 6 · Falsche Polizeibeamte

    Ihre Bank ist auf Ihrer Seite Viele Banken schulen ihre Mitarbeiter, bei hohen Barabhebungen nachzufragen. Diese Fragen schützen Sie. Erzählen Sie am Schalter ruhig, wer Sie angerufen hat. Geschulte Mitarbeiter rufen im Zweifel selbst die Polizei. Manche Banken bieten außerdem einen zusätzlichen Schutz bei hohen Auszahlungen an. Fragen Sie Ihre Bank danach. Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Im Display steht die 110. Ein Kommissar sagt, in Ihrer Straße seien Einbrecher unterwegs. Sie sollen Schmuck und Bargeld einem Beamten in Zivil übergeben. Echt oder Betrug? 2. Zwei Polizisten in Uniform klingeln wegen eines Unfalls in der Nachbarschaft. Sie fragen, ob Sie etwas gesehen haben. Geld und Wertsachen spielen keine Rolle. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

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    Seite 75

    MERKSATZ

    Die Polizei fragt nicht nach Ihrem Geld. Die Polizei holt es nicht ab. Wer beides tut, ist nicht die Polizei.

  77. Buchseite 76

    Seite 76

    KAPITEL 7

    Falsche Bankmitarbeiter Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    Autorität

    So klingt es

    „Guten Tag, Frau Hartmann, hier ist die Sicherheitsabteilung Ihrer Volksbank. Wir haben gerade eine verdächtige Abbuchung auf Ihrem Konto gestoppt. 2.480 Euro an einen Elektronikhändler in Polen. Waren Sie das?“ „Nein, um Himmels willen.“ „Das dachten wir uns. Dann hat jemand Ihre Zugangsdaten. Wir müssen Ihr Konto jetzt sofort absichern. Haben Sie Ihr Handy mit der Banking-App zur Hand? Gut. Gleich kommt eine Freigabe-Anfrage. Die bestätigen Sie bitte, damit

  78. Buchseite 77

    Seite 77

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    wir die Abbuchung stornieren können. Sie sehen dort einen Betrag, das ist die Rückbuchung, das ist normal.“ Sie tippen auf „Freigeben“. Damit haben Sie gerade selbst eine Überweisung von Ihrem Konto an die Betrüger bestätigt.

    Was hier passiert Diese Masche ist die modernste in diesem Buch. Sie schicken das Geld dabei selbst weg, mit einem einzigen Fingertipp. Der Hintergrund: Bei fast allen Banken müssen Sie heute jede Überweisung auf dem Handy bestätigen. Das nennt man Freigabe oder TAN. Das ist eine gute Sache, weil niemand ohne Ihr Handy an Ihr Geld kommt. Aber es hat eine Schwachstelle: den Menschen am Handy. Wenn Sie die Freigabe erteilen, ist das Geld weg. Die Bank muss es meist nicht ersetzen. Gerichte werten eine Freigabe am

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    Seite 78

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    Telefon oft als groben Fehler, auch wenn die Täter sehr geschickt waren. Im Einzelfall kann es anders ausgehen, deshalb lohnt sich nach einem Schaden eine Beratung. Die Betrüger haben oft schon Ihre Zugangsdaten, etwa aus einem gefälschten Brief (Kapitel 3), einer gefälschten Internetseite oder einem Datenleck. Damit können sie sich anmelden und eine Überweisung vorbereiten. Nur die Freigabe fehlt. Die holen sie sich per Telefon, mit der Geschichte, sie wollten Ihr Konto schützen. Manchmal geht es um ein „Sicherheitskonto“. Sie sollen Ihr Geld auf ein neues Konto überweisen, weil das alte „kompromittiert“ sei. Das neue Konto gehört den Betrügern. Ihre Bank prüft heute bei jeder Überweisung in Euro, ob Name und IBAN zusammenpassen. Passen sie nicht, erscheint eine Warnung. Wer trotz dieser Warnung überweist, trägt das Risiko selbst. Sagt Ihnen jemand am Telefon, Sie sollen die Warnung übergehen, ist das Betrug.

  80. Buchseite 79

    Seite 79

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    Und wenn alles passt, heißt das nur, dass Name und Konto zusammengehören. Ob der Empfänger ehrlich ist, prüft die Bank nicht.

    Überweisung

    2.480 € an [unbekannt].

    „Das ist die Rückbuchung, das ist normal.“

    Freigeben?

    Freigeben

    Wer Sie anruft, während eine Freigabe kommt, ist der, für den die Freigabe gedacht ist.

  81. Buchseite 80

    Seite 80

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    So hilft der Computer den Betrügern

    Die Anrufer wissen genau, bei welcher Bank Sie sind, wie deren App aussieht und was auf dem Bildschirm steht. Das haben sie aus gestohlenen Daten und aus tausend Gesprächen vor Ihnen gelernt. Sie führen Sie durch die App wie ein Mitarbeiter am Schalter: „Jetzt sehen Sie oben rechts ein Glockensymbol, tippen Sie darauf.“ Das wirkt kompetent und ist doch nur geübt. Und wenn Sie keine App haben, sollen Sie eine installieren, am Telefon, Schritt für Schritt. Oft ist das ein Programm für den Fernzugriff, und danach hat der Anrufer die Kontrolle über Ihr Handy.

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    Seite 81

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    Daran erkennen Sie es

    Die Bank ruft an und will, dass Sie etwas freigeben, eingeben oder installieren. Ihre echte Bank tut das nicht. Ein echter Mitarbeiter lässt Sie nie am Telefon eine Freigabe erteilen. Es gibt eine Bedrohung und eine Lösung im selben Atemzug. „Jemand hat Zugriff, deshalb bestätigen Sie jetzt.“ Echte Banken sperren dann einfach das Konto. Dafür brauchen sie Ihre Mithilfe nicht. Sie sollen Geld auf ein anderes Konto „in Sicherheit bringen“. Es gibt keine Sicherheitskonten. Ihr Geld ist auf Ihrem Konto sicher, auch wenn jemand die Zugangsdaten hat, solange Sie nichts freigeben. Sie sollen jemandem Fernzugriff auf Ihren Computer oder Ihr Handy geben. Dafür gibt es keinen ehrlichen Grund. Der Anrufer weiß viel über Sie. Kontonummer, Kartennummer, letzte Umsätze. Das beweist nur, dass Ihre Daten gestohlen wurden.

  83. Buchseite 82

    Seite 82

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    Sie sollen ein Limit erhöhen, etwa für Überweisungen. Betrüger lassen das manchmal zuerst erledigen, damit danach mehr Geld auf einmal abfließt.

    Das tun Sie

    Legen Sie auf. Geben Sie nichts frei. Rufen Sie Ihre Bank unter der Nummer auf Ihrer Karte an. Wenn wirklich jemand an Ihr Konto will, kann die echte Bank es in einer Minute sperren. Dafür braucht sie keine Freigabe von Ihnen. Und wenn auf Ihrem Handy eine Freigabe erscheint, die Sie nicht selbst ausgelöst haben: Lehnen Sie sie ab und rufen Sie die Bank an. Eine Freigabe, die Sie nicht erwartet haben, ist immer ein Alarm. Fragen Sie Ihre Bank außerdem nach einem Limit für Überweisungen. Für Echtzeitüberweisungen muss sie Ihnen auf Wunsch eines einrichten. 82

  84. Buchseite 83

    Seite 83

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    Die eine Regel für die Banking-App Eine Freigabe bestätigt, was Sie selbst gerade eingegeben haben. Kommt eine Freigabe, obwohl Sie nichts eingegeben haben oder während jemand mit Ihnen telefoniert, ist es Betrug. Niemand am Telefon darf Ihnen sagen, worauf Sie tippen sollen. Aus der Praxis

    Diese Masche trifft gerade Menschen, die ihr Online-Banking sicher und selbstständig nutzen. Sie kennen ihre App gut und folgen den Anweisungen deshalb ohne Zögern. Die Betrüger rechnen mit dieser Routine. Der einzige Schutz ist, im entscheidenden Moment nicht mitzuspielen. Mit einer verweigerten Freigabe hat noch niemand Geld verloren.

  85. Buchseite 84

    Seite 84

    Kapitel 7 · Falsche Bankmitarbeiter

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ihre Bank ruft an. Jemand habe Zugriff auf Ihr Konto. Sie sollen jetzt in Ihrer App eine Freigabe bestätigen, damit die Sperre eingerichtet wird. Echt oder Betrug? 2. Beim Überweisen meldet Ihre Banking-App, dass Name und IBAN nicht zusammenpassen. Der Handwerker sagt am Telefon, das sei ein technischer Fehler. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  86. Buchseite 85

    Seite 85

    MERKSATZ

    Ihre Bank lässt Sie nie am Telefon etwas freigeben, auch nicht im Notfall.

  87. Buchseite 86

    Seite 86

    KAPITEL 8

    Gewinnversprechen Hebel der Täter:

    Hoffnung

    So klingt es

    „Herzlichen Glückwunsch, Herr Hartmann! Hier ist die Gewinnzentrale der Europa-Lotterie. Sie haben bei unserer Jahresverlosung 38.500 Euro gewonnen. Ich freue mich, dass ich Ihnen das persönlich sagen darf. Damit wir die Auszahlung veranlassen können, müssen wir nur noch die Bearbeitungsgebühr klären. Das sind 890 Euro für die notarielle Beglaubigung. Die zahlen Sie am besten mit Guthabenkarten aus dem Supermarkt, das geht am schnellsten. Ich rufe Sie morgen wieder an, dann nennen Sie mir die Codes, und übermorgen ist das Geld bei Ihnen.“

  88. Buchseite 87

    Seite 87

    Kapitel 8 · Gewinnversprechen

    Sie haben nie an einer Lotterie teilgenommen. Der Anrufer weiß das. Für ihn spielt es keine Rolle.

    Was hier passiert Das Gewinnversprechen ist die freundlichste Masche im Buch. Niemand droht, niemand weint, es gibt eine gute Nachricht und eine kleine Formalität. Deshalb funktioniert sie: Wer sich freut, prüft nicht. Die Regel ist so einfach, dass sie fast zu einfach klingt: Wer gewonnen hat, zahlt nichts. Keine Gebühr, keine Steuer vorab, keine Beglaubigung, kein Transport. Eine echte Lotterie zahlt den Gewinn aus, ohne vorher Geld zu verlangen. Wer Sie vorher zur Kasse bittet, hat keinen Gewinn. Es läuft in Stufen: erst die kleine Gebühr, dann die Nachricht, der Gewinn habe sich erhöht und nun sei eine zweite Gebühr fällig, danach eine dritte. Manche Menschen zahlen über Monate, weil sie nach der ersten Zahlung nicht mehr aussteigen wollen. Dahinter steckt Hoffnung, und die Betrüger füttern sie jede Woche neu. 87

  89. Buchseite 88

    Seite 88

    Kapitel 8 · Gewinnversprechen

    Auffällig ist die Zahlungsart: Guthabenkarten aus dem Supermarkt, wie es sie für Spiele, Handys oder Online-Shops gibt. Sie kaufen die Karte, kratzen den Code frei und lesen ihn am Telefon vor. Damit ist das Geld weg wie Bargeld, nur ohne Abholer. Keine Lotterie und keine Behörde lässt sich mit Guthabenkarten aus dem Supermarkt bezahlen. So hilft der Computer den Betrügern

    Die Anrufe kommen heute in Wellen von Computern, die tausende Nummern durchwählen. Erst wenn jemand abnimmt und zuhört, übernimmt ein Mensch. Der Computer merkt sich auch, wer freundlich war. Diese Nummern landen auf einer Liste, die verkauft wird. Wer einmal zugehört hat, wird deshalb öfter angerufen. Das ist der Grund, warum manche Menschen jede Woche einen „Gewinn“ haben. Dazu kommen Briefe und E-Mails, die aussehen wie von einer echten Lotterie, mit Siegel, Unterschrift und Ihrem Namen (Kapitel 3).

  90. Buchseite 89

    Seite 89

    Kapitel 8 · Gewinnversprechen

    Daran erkennen Sie es

    Sie haben nicht mitgespielt. Wer nicht mitspielt, gewinnt auch nichts. Sie sollen vorab etwas zahlen, etwa Gebühr, Steuer, Notar, Zoll oder Transport. Solche Kosten gibt es bei echten Gewinnen nicht. Sie sollen mit Guthabenkarten zahlen. Das ist das sicherste Zeichen für Betrug, das es gibt. Der Gewinn muss schnell abgeholt werden. „Sonst verfällt er.“ Echte Gewinne verfallen nicht innerhalb von Tagen. Der Anrufer meldet sich immer wieder, freundlich und geduldig, und nennt Sie beim Vornamen. Das ist seine Arbeit.

    Das tun Sie

    Sagen Sie: „Ich habe nicht mitgespielt.“ Legen Sie auf. 89

  91. Buchseite 90

    Seite 90

    Kapitel 8 · Gewinnversprechen

    Diskutieren Sie nicht. Fragen Sie nicht nach Details. Jede Minute, die Sie zuhören, macht Ihre Nummer wertvoller. Wenn Briefe kommen, werfen Sie sie weg. Wenn Sie schon gezahlt haben, hören Sie auf. Die nächste Gebühr bringt den Gewinn nicht näher, denn es gibt ihn nicht. Aus der Praxis

    Mir hat einmal jemand gesagt: „Ich wusste eigentlich, dass es nicht stimmt. Aber es war so schön, dass jemand anrief.“ Diesen Satz habe ich nicht vergessen. Die Betrüger wissen, dass Einsamkeit eine Tür ist. Wenn Sie das kennen, dann sprechen Sie darüber, mit der Familie, mit Nachbarn, mit dem Seniorenbüro. Wer einfach nur reden möchte, erreicht das Silbernetz täglich kostenlos, die Nummer steht im Anhang. Ein echter Anruf am Nachmittag ist mehr wert als jeder erfundene Gewinn.

  92. Buchseite 91

    Seite 91

    Kapitel 8 · Gewinnversprechen

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Sie haben angeblich ein Auto gewonnen. Für Zustellung und Notar sollen Sie vorher 900 Euro in Gutscheinkarten schicken. Echt oder Betrug? 2. Ein Brief meldet einen Gewinn von 5.000 Euro. Sie haben an keinem Gewinnspiel teilgenommen. Für die Auszahlung sollen Sie eine teure Sondernummer anrufen. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

    38.500 €

    890 €

    Der Gewinn wiegt nichts. Die Gebühr ist echt.

  93. Buchseite 92

    Seite 92

    MERKSATZ

    Wer gewonnen hat, zahlt nichts. Wer zahlen soll, hat nicht gewonnen.

  94. Buchseite 93

    Seite 93

    ZUM ABSCHLUSS VON TEIL 2

    Fünf Maschen am Telefon, und in jeder stand am Ende derselbe Satz: Auflegen. Sie haben ihn jetzt fünfmal gelesen. Er soll Ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Ein Anruf, der Sie ängstigt, drängt, beglückt oder in der Leitung hält, ist ein Anruf, den Sie beenden. Das ist Ihr gutes Recht.

  95. Buchseite 94

    Seite 94

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

  96. Buchseite 95

    Seite 95

    TEIL 3

    An der Haustür und unterwegs Hier arbeiten die Täter fast ohne Computer und bauen auf Ihr gutes Herz. Vier Maschen und eine Regel: Die Tür bleibt zu.

    Falsche Handwerker und Amtspersonen

    Trickdiebstahl in der Wohnung

    Unterwegs

    Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

  97. Buchseite 96

    Seite 96

    KAPITEL 9

    Falsche Handwerker und Amtspersonen Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    Autorität

    So klingt es

    Es klingelt. Vor der Tür steht ein Mann in Arbeitskleidung, mit Werkzeugkoffer und einem Ausweis an der Brust. „Guten Tag, Stadtwerke. Im Haus nebenan ist ein Rohrbruch, wir müssen bei allen Nachbarn den Wasserdruck prüfen. Dauert nur fünf Minuten. Wenn wir das nicht machen, kann Ihnen die Leitung um die Ohren fliegen. Darf ich kurz in die Küche und ins Bad?“

  98. Buchseite 97

    Seite 97

    Kapitel 9 · Falsche Handwerker und Amtspersonen

    Er ist freundlich und hat es eilig. Während er im Bad das Wasser laufen lässt, ist ein zweiter Mann in der Wohnung, den Sie nicht gesehen haben. Er ist im Schlafzimmer. Nach fünf Minuten sind beide weg, und Ihr Schmuckkästchen ist leer.

    Was hier passiert Der falsche Handwerker begeht einen Diebstahl mit Eintrittskarte. Die Eintrittskarte ist eine Geschichte, die Sie zwingt, schnell zu entscheiden: Rohrbruch, Gasgeruch, Stromausfall, Rauchmelderprüfung. Jedes Mal ist es dringend, und angeblich sind Sie in Gefahr, wenn Sie nicht öffnen. Die Täter arbeiten fast immer zu zweit. Einer lenkt ab, einer sucht. Der eine bittet Sie, den Wasserhahn in der Küche aufzudrehen und zu halten, damit er im Bad den Druck sehen kann. Solange Sie am Hahn stehen, sehen Sie nicht, wer durch Ihre Wohnung geht.

  99. Buchseite 98

    Seite 98

    Kapitel 9 · Falsche Handwerker und Amtspersonen

    Die Berufe wechseln: Wasserwerker, Stromableser, Telekom-Techniker, Schädlingsbekämpfer, Rauchmelderprüfer, Mitarbeiter der Hausverwaltung, manchmal sogar Polizisten in Uniform, die angeblich nach Einbrechern suchen. Ein Ausweis an der Brust ist in zehn Minuten gedruckt. Neu sind Briefe, die den Besuch vorher ankündigen. Ein offiziell wirkendes Schreiben mit Stadtwappen kündigt eine „Pflichtprüfung der Rauchmelder“ an und droht mit Bußgeldern, wenn niemand öffnet. Der Brief ist gefälscht, aber er sorgt dafür, dass Sie den Mann an der Tür erwarten und nicht mehr misstrauisch sind.

  100. Buchseite 99

    Seite 99

    Kapitel 9 · Falsche Handwerker und Amtspersonen

    Küche

    Schlafzimmer

    Bad

    Während Sie am Hahn stehen, räumt der Zweite Ihr Schmuckkästchen aus.

  101. Buchseite 100

    Seite 100

    Kapitel 9 · Falsche Handwerker und Amtspersonen

    So hilft der Computer den Betrügern

    An der Haustür ist der Computer selten dabei, in der Vorbereitung schon. Die Ankündigungsbriefe sind heute fehlerfrei und tragen echte Logos (Kapitel 3). Und die Täter wissen oft, wo ältere Menschen allein wohnen: aus Adressverzeichnissen, aus dem Klingelschild mit einem einzelnen Namen, aus dem Internet. Der Besuch wirkt zufällig, ist aber geplant.

    Daran erkennen Sie es

    Niemand hat den Besuch angekündigt, weder Sie noch die Hausverwaltung. Echte Handwerker kommen mit Termin. Es ist dringend. Rohrbruch, Gasgeruch, Gefahr. Bei echtem Gasalarm rückt die Feuerwehr an, bei einem Rohrbruch meldet sich die Hausverwaltung. Er will in mehrere Räume. Ein Wasserwerker hat im Schlafzimmer nichts zu suchen.

  102. Buchseite 101

    Seite 101

    Kapitel 9 · Falsche Handwerker und Amtspersonen

    Sie sollen etwas aufdrehen, halten oder beobachten, damit Sie beschäftigt sind. Ein zweiter Mann „wartet draußen“ oder „kommt gleich nach“. Zwei Personen sind das Muster.

    Das tun Sie

    Die Tür bleibt zu. Sagen Sie durch die Tür: „Ich rufe die Stadtwerke an.“ Und tun Sie es. Nehmen Sie die Nummer aus dem Telefonbuch oder von Ihrer letzten Rechnung. Der Ausweis des Mannes taugt dafür nicht. Ein echter Handwerker wartet vor der Tür, bis Sie angerufen haben. Wenn Sie eine Türkette und einen Türspion haben, benutzen Sie beides, jedes Mal. Wenn nicht, sind sie die beste Investition für 30 Euro, die Sie für Ihre Sicherheit machen können.

  103. Buchseite 102

    Seite 102

    Kapitel 9 · Falsche Handwerker und Amtspersonen

    Aus der Praxis

    Fast alle Betroffenen sagen hinterher: „Er war so nett.“ Nett zu sein ist sein Beruf, und Nettigkeit ist an der Haustür kein Ausweis. Üben Sie einen Satz ein, bis er von selbst kommt: „Ich lasse niemanden herein, den ich nicht bestellt habe.“ Sagen Sie ihn freundlich und ohne Entschuldigung. Es ist Ihre Wohnung.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein Mann in Arbeitskleidung will dringend Ihre Wasserleitung prüfen. Die Stadtwerke hätten ihn geschickt. Einen Termin gibt es nicht. Echt oder Betrug? 2. Der Schornsteinfeger hat seinen Besuch eine Woche vorher im Hausflur angekündigt, mit Namen und Datum. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  104. Buchseite 103

    Seite 103

    MERKSATZ

    Wen Sie nicht bestellt haben, lassen Sie nicht herein. Auch nicht für fünf Minuten.

  105. Buchseite 104

    Seite 104

    KAPITEL 10

    Trickdiebstahl in der Wohnung Hebel der Täter:

    Hoffnung

    So klingt es

    Es klingelt. Eine junge Frau mit Kinderwagen, sichtlich erschöpft. „Entschuldigen Sie bitte, ich wohne seit letzter Woche im dritten Stock. Ich weiß, das ist unhöflich, aber mir ist so schlecht, ich glaube, ich bin schwanger. Dürfte ich kurz ein Glas Wasser haben? Und einen Zettel, ich muss meinem Mann eine Nachricht hinterlassen, mein Handy ist leer.“ Sie holen Wasser, suchen einen Zettel und einen Stift und sind zwei Minuten in der Küche. In diesen zwei Minuten war sie im Flur, wo Ihre Handtasche hängt.

  106. Buchseite 105

    Seite 105

    Kapitel 10 · Trickdiebstahl in der Wohnung

    Andere Eingangssätze, dieselbe Masche: „Ich habe ein Paket für Ihren Nachbarn, darf ich es bei Ihnen abstellen?“ „Ich sammle für die Kirchengemeinde, haben Sie Kleingeld?“ „Ich verkaufe Zeitschriften für ein Sozialprojekt.“ „Mein Kind muss dringend auf die Toilette.“

    Was hier passiert Diese Masche baut allein auf Ihr gutes Herz. Sie wollen helfen, das ist richtig und menschlich. Die Täter wissen das und nutzen es. Der Ablauf ist immer gleich: eine Bitte, die Sie in einen anderen Raum schickt, und zwei Minuten, in denen Sie nicht sehen, was im Flur, im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer passiert. Manchmal ist es die Person selbst, manchmal ein Begleiter, der hereinschlüpft, während Sie in der Küche sind.

  107. Buchseite 106

    Seite 106

    Kapitel 10 · Trickdiebstahl in der Wohnung

    Gestohlen wird, was greifbar ist: die Handtasche im Flur, das Portemonnaie auf der Kommode, der Schmuck im Schlafzimmer, das Bargeld in der Schublade. Oft merken Sie es erst Stunden später. Dann ist die Person längst weg, und Sie erinnern sich nicht einmal an ihr Gesicht.

    2 Minuten

    Zwei Minuten Güte genügen den Tätern.

  108. Buchseite 107

    Seite 107

    Kapitel 10 · Trickdiebstahl in der Wohnung

    So hilft der Computer den Betrügern

    Hier hilft er nicht. Diese Masche ist so alt wie Haustüren, und sie wird nicht digitaler. Aber sie zeigt, worauf alle Maschen in diesem Buch bauen: auf einen Moment, in dem Sie nicht hinsehen. Am Telefon ist dieser Moment die Angst, an der Haustür die Freundlichkeit.

    Daran erkennen Sie es

    Ein Fremder bittet um etwas, das ihn in Ihre Wohnung bringt. Wasser, Zettel, Toilette, Telefon, Paket abstellen. Die Bitte zwingt Sie, den Flur zu verlassen. Alles, was Sie in die Küche oder ins Bad schickt, ist verdächtig. Die Person ist auffällig sympathisch oder auffällig hilfsbedürftig. Kinderwagen, Krücke, Tränen. Das kann echt sein oder gespielt.

  109. Buchseite 108

    Seite 108

    Kapitel 10 · Trickdiebstahl in der Wohnung

    Sie kennen die Person nicht, und sie behauptet, im Haus zu wohnen. Fragen Sie später bei den Nachbarn nach. Meist wohnt sie nicht dort.

    Das tun Sie

    Helfen Sie, aber vor der Tür. Das Glas Wasser reichen Sie durch den Türspalt. Das Paket nehmen Sie nicht an. „Warten Sie hier, ich bringe Ihnen ein Glas Wasser“ ist ein freundlicher Satz. Die Tür schließen Sie dabei, und Sie öffnen sie nur mit vorgelegter Kette wieder. Wer wirklich nur Wasser wollte, ist dankbar. Und noch etwas: Die Handtasche hängt nicht im Flur, das Portemonnaie liegt nicht auf der Kommode am Eingang. Der Flur ist der einzige Raum, den Fremde zu sehen bekommen. Dort liegt nichts, was fehlen könnte.

  110. Buchseite 109

    Seite 109

    Kapitel 10 · Trickdiebstahl in der Wohnung

    Aus der Praxis

    Viele Betroffene erzählen mir, dass sie sich hinterher schuldig fühlten, weil sie „so leichtgläubig“ waren. Ich sehe das anders. Ein Mensch, der einem Fremden Wasser gibt, hat nichts falsch gemacht. Er hat nur die Tür zu weit aufgemacht. Ab morgen bleibt die Kette vor. Das gute Herz dürfen Sie behalten.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Eine freundliche Frau klingelt. Sie bittet um ein Glas Wasser und um einen Zettel für eine Nachricht an Ihre Nachbarin. Worauf achten Sie? 2. Ein Paar steht vor der Tür. Es möchte kurz Ihre Wohnung ansehen, weil die Tochter nebenan einziehen will. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  111. Buchseite 110

    Seite 110

    MERKSATZ

    Helfen Sie gern. Aber vor der Tür, nicht dahinter.

  112. Buchseite 111

    Seite 111

    KAPITEL 11

    Unterwegs Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    So klingt es

    Sie stehen am Geldautomaten in der Sparkasse. Sie haben die Karte eingesteckt und die Geheimzahl eingegeben. Hinter Ihnen ein freundlicher Herr: „Entschuldigung, Ihnen ist ein Zwanziger runtergefallen!“ Sie drehen sich um, schauen zu Boden. Es liegt nichts da. „Oh, dann war es die Dame vor Ihnen, tut mir leid.“ Als Sie sich wieder zum Automaten drehen, ist Ihre Karte weg. Der Automat hat sie „eingezogen“, wie Sie denken. In Wahrheit hat sie der Herr genommen, mit der Geheimzahl, die er über Ihre Schulter gesehen hat.

  113. Buchseite 112

    Seite 112

    Kapitel 11 · Unterwegs

    Zweite Szene, im Supermarkt: Ein Mann bittet Sie, einen Fünfzig-Euro-Schein zu wechseln. Sie öffnen das Portemonnaie, er hält seinen Schein hin, Sie zählen Zwanziger und Zehner ab, er tauscht, bedankt sich, geht. Zu Hause fehlen hundert Euro. Beim Hin und Her sind zwei Scheine in seiner Hand geblieben. Dritte Szene, in der Straßenbahn: Gedränge, jemand stolpert gegen Sie, entschuldigt sich überschwänglich, klopft Ihnen den Mantel ab. An der nächsten Haltestelle ist Ihr Portemonnaie nicht mehr in der Manteltasche.

    Was hier passiert Alle drei Szenen haben ein Muster: eine Sekunde, in der Sie woanders hinsehen. Der Trick ist die Ablenkung, der Diebstahl ist nur das Ergebnis. Am Geldautomaten kommt etwas Besonderes dazu: die Geheimzahl. Die Täter arbeiten zu zweit. Einer steht schräg hinter Ihnen und schaut auf die Tastatur. Der andere lenkt

  114. Buchseite 113

    Seite 113

    Kapitel 11 · Unterwegs

    ab, sobald Sie fertig getippt haben. Karte und Zahl zusammen sind bares Geld, und zwar bis Sie die Karte sperren. Deshalb zählt hier jede Minute. Beim Wechselgeld-Trick geht es um Verwirrung. Scheine wandern hin und her, der Fremde redet, korrigiert sich, zählt laut mit, bis Sie nicht mehr wissen, was Sie gegeben und was Sie bekommen haben.

    „Ihnen ist was runtergefallen!“

    Einer schaut, einer spricht. Ihre Karte ist das Ziel.

  115. Buchseite 114

    Seite 114

    Kapitel 11 · Unterwegs

    Beim Taschendiebstahl geht es um Berührung. Ein Rempler, eine Umarmung, ein Fleck auf dem Mantel, der „weggewischt“ wird. Sie spüren die Hand nur dort, wo sie nichts stiehlt. So hilft der Computer den Betrügern

    In diesem Kapitel hilft er wenig. Eine Sache hat sich aber geändert: Was früher nur Bargeld war, ist heute Karte und Geheimzahl, und damit ein Zugang zu Ihrem ganzen Konto. Und was gestohlen wird, kann heute schneller ausgegeben werden, kontaktlos, ohne Zahl, in kleinen Beträgen an vielen Orten. Deshalb ist die Sperrung wichtiger denn je.

    Daran erkennen Sie es

    Jemand spricht Sie am Automaten an, gleich womit. Am Automaten spricht man nicht. Jemand steht näher, als es der Abstand erlaubt. Sie dürfen sich umdrehen und sagen: „Bitte warten Sie hinter der Linie.“ 114

  116. Buchseite 115

    Seite 115

    Kapitel 11 · Unterwegs

    Jemand will Geld wechseln oder Kleingeld haben, und Sie sollen dafür Ihr Portemonnaie öffnen. Jemand berührt Sie ohne Grund. Rempler, Umarmung, Flecken, „da ist was auf Ihrer Jacke“. Es ist plötzlich eng, obwohl es Platz gäbe.

    Das tun Sie

    Am Automaten: Hand über die Tastatur. Wer Sie dabei anspricht, muss warten. Ist die Karte weg, sperren Sie sie sofort: 116 116. Die 116 116 ist der zentrale Sperr-Notruf. Er ist rund um die Uhr erreichbar, vom Festnetz kostenlos, und sperrt alle girocards und die meisten Kreditkarten. Die Nummer steht schon auf dem Notfallblatt hinten im Buch. Speichern Sie sie auch im Handy. Wer sie nicht kennt, sucht im Ernstfall zehn Minuten. Zehn Minuten sind für Diebe mit Karte und Zahl ein Vermögen.

  117. Buchseite 116

    Seite 116

    Kapitel 11 · Unterwegs

    Wurde die Karte gestohlen, zeigen Sie den Diebstahl bei der Polizei an und bitten Sie dort um eine KUNO-Sperre. Die Sperre über 116 116 gilt für Zahlungen mit Geheimzahl. KUNO sperrt die Karte zusätzlich für Zahlungen mit Unterschrift. Beim Wechselgeld gilt: Sie wechseln nichts. „Tut mir leid, ich habe es nicht passend.“ Unterwegs gehört das Portemonnaie in die Innentasche. Die Handtasche tragen Sie vorne am Körper, mit geschlossenem Reißverschluss. Aus der Praxis

    Ein Satz zur Geheimzahl, den ich jedem sage: Sie ist das Einzige, was zwischen einem Dieb und Ihrem Konto steht. Sie gehört in Ihren Kopf und an keinen anderen Ort, auch nicht ins Handy unter „PIN“. Wenn Sie sie sich schwer merken können, fragen Sie Ihre Bank, wie Sie eine neue Geheimzahl wählen, die Sie sich leichter merken.

  118. Buchseite 117

    Seite 117

    Kapitel 11 · Unterwegs

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Am Geldautomaten spricht Sie ein Mann an. Hinter Ihnen sei Geld auf den Boden gefallen. Was tun Sie zuerst? 2. Ihre Geldbörse mit der Bankkarte ist weg. Sie überlegen, erst morgen früh bei der Bank anzurufen. Richtig oder falsch? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  119. Buchseite 118

    Seite 118

    MERKSATZ

    Hand über die Tastatur. Bei Kartenverlust sofort 116 116.

  120. Buchseite 119

    Seite 119

    KAPITEL 12

    Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    Hoffnung

    So klingt es

    Ein junger Mann im Anzug steht an der Tür, ein Tablet unter dem Arm. „Guten Tag, ich komme wegen der Umstellung Ihres Stromtarifs. Ihr Versorger erhöht zum Jahreswechsel die Preise, das haben Sie sicher gelesen. Wir bieten Ihnen den günstigeren Tarif, den Sie eigentlich schon längst hätten. Ich brauche nur kurz Ihre letzte Rechnung und eine Unterschrift hier auf dem Bildschirm, dann läuft alles weiter wie bisher, nur billiger.“

  121. Buchseite 120

    Seite 120

    Kapitel 12 · Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    Sie unterschreiben mit dem Finger. Drei Wochen später haben Sie einen neuen Stromanbieter, einen höheren Preis und eine Laufzeit von zwei Jahren. Zweite Szene: Ein Prospekt im Briefkasten lädt zur „kostenlosen Tagesfahrt ins Grüne mit Mittagessen“ ein. Im Bus sind Sie mit vierzig anderen. Nach dem Essen beginnt eine „Produktvorstellung“: Heizdecken, Magnetmatratzen, Nahrungsergänzung. Sie dauert drei Stunden, und der Bus fährt erst, wenn genug gekauft wurde. Sie kommen mit einer Rechnung über 1.900 Euro nach Hause.

    Was hier passiert Diese Masche unterscheidet sich von allen anderen im Buch. Die Anbieter sind oft keine Kriminellen im Sinne des Gesetzes. Sie haben eine Firma, einen Vertrag und eine Rechnung. Sie verkaufen etwas, das Sie nicht brauchen, zu einem Preis, den Sie nicht zahlen würden, wenn Sie Zeit zum Nachdenken hätten. Diese Zeit nehmen sie Ihnen.

  122. Buchseite 121

    Seite 121

    Kapitel 12 · Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    An der Haustür ist es die Unterschrift auf dem Bildschirm. Sie sehen nicht, was Sie unterschreiben, und der Mann erklärt es Ihnen so, dass es harmlos klingt: Tarifwechsel, Zählerablesung, Aktualisierung. In Wahrheit ist es ein Vertrag. Auf der Verkaufsfahrt ist es die Gruppe. Alle sitzen, alle hören zu, einige kaufen, und der Redner lobt sie dafür. Wer nicht kauft, fühlt sich als Spielverderber. Dazu kommt: Sie können nicht weg. Der Bus fährt, wann der Veranstalter will. Eine dritte Form kommt am Telefon: „Wir rufen an wegen Ihrer Zeitungsabonnements“, „wegen Ihres Telefonvertrags“, „wegen Ihrer Versicherung“. Am Ende sagen Sie „Ja“ zu einer Frage, die Sie nicht ganz verstanden haben, und das Ja wird aufgezeichnet. Für einen neuen Strom- oder Gasvertrag reicht so ein Ja allerdings nicht. Solche Verträge müssen Ihnen als Text vorliegen, etwa als Brief oder E-Mail.

  123. Buchseite 122

    Seite 122

    Kapitel 12 · Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    Eine neuere Form beginnt mit einem Anruf wegen Ihrer alten Lexika oder Bücher. Ein angeblicher Gutachter will sie teuer ankaufen und kommt vorbei. Am Ende haben Sie nichts verkauft und dafür teure Ergänzungsbände auf Raten gekauft.

    3 Stunden

    Wer nicht wegkann, kauft irgendwann.

  124. Buchseite 123

    Seite 123

    Kapitel 12 · Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    So hilft der Computer den Betrügern

    Der Vertreter an der Tür weiß heute schon, bei welchem Anbieter Sie sind und wie alt Ihr Vertrag ist. Solche Daten werden gehandelt. Die Einladung zur Verkaufsfahrt ist auf Sie zugeschnitten, mit Ihrem Namen, in guter Sprache, mit einem Foto vom Ausflugsziel, das der Computer erfunden hat. Und das Tablet an der Tür: Wer dort mit dem Finger unterschreibt, sieht den Vertrag oft nie. Er kommt später per E-Mail, und die liest kaum jemand.

    Daran erkennen Sie es

    Jemand kommt unangemeldet und will eine Unterschrift, gleich wofür. Verträge schließt man nicht an der Haustür in fünf Minuten. Sie sollen Ihre letzte Rechnung zeigen oder Ihre Kontodaten nennen. Dann ist der „Tarifwechsel“ in Wahrheit ein Anbieterwechsel.

  125. Buchseite 124

    Seite 124

    Kapitel 12 · Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    Ein Ausflug ist kostenlos, aber mit „Produktvorstellung“. Das Essen bezahlen Sie am Ende mit der Heizdecke. Sie sollen am Telefon „Ja“ sagen. „Sind Sie einverstanden, dass wir Ihnen die Unterlagen schicken?“ Das Ja gilt manchmal für mehr als die Unterlagen. Der Preis gilt „nur heute“. Ehrliche Angebote gelten auch nächste Woche.

    Das tun Sie

    Unterschreiben Sie nichts an der Tür. Sagen Sie: „Schicken Sie mir das per Post.“ Wer das nicht kann, hat kein seriöses Angebot.

  126. Buchseite 125

    Seite 125

    Kapitel 12 · Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    Und wenn es doch passiert ist: Sie haben ein Widerrufsrecht. Verträge, die an der Haustür, am Telefon oder auf einer Verkaufsfahrt geschlossen wurden, können Sie 14 Tage lang ohne Angabe von Gründen widerrufen. Am sichersten schriftlich, per Einschreiben, an die Adresse auf dem Vertrag. Die Verbraucherzentrale hat dafür Musterbriefe und hilft Ihnen beim Ausfüllen. Die Frist beginnt in der Regel mit dem Vertragsschluss, bei Waren mit der Lieferung. Wurden Sie nicht ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht belehrt, verlängert sie sich auf höchstens ein Jahr und 14 Tage. Zögern Sie trotzdem nicht. Es gibt Ausnahmen, etwa kleine Käufe an der Haustür bis 40 Euro, die Sie sofort bezahlen und bekommen, oder eine dringende Reparatur, zu der Sie den Handwerker selbst gerufen haben. Aus der Praxis

    An dieser Masche sehen Sie, dass die Grenze zwischen „unseriös“ und „strafbar“ für Sie keine Rolle spielt. Ob ein Gericht das später Betrug nennt oder nicht, Ihr Geld ist so oder so weg. Deshalb rate ich zu einer 125

  127. Buchseite 126

    Seite 126

    Kapitel 12 · Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten

    Regel, die auch für Ehrliche gilt: Wer ungefragt kommt, bekommt keine Unterschrift. Ehrliche Verkäufer können damit leben. Sie schicken Ihnen das Angebot per Post, und Sie lesen es in Ruhe am Küchentisch.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein Vertreter bietet Ihnen an der Tür einen günstigeren Stromvertrag an. Er möchte nur schnell eine Unterschrift auf seinem Tablet. Was tun Sie? 2. Nach einer Busfahrt merken Sie zu Hause, dass Sie eine Heizdecke für 900 Euro bestellt haben. Das war vor fünf Tagen. Ist es zu spät? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  128. Buchseite 127

    Seite 127

    MERKSATZ

    Nichts unterschreiben, was ungefragt kommt. Und alles widerrufen, was Sie doch unterschrieben haben.

  129. Buchseite 128

    Seite 128

    ZUM ABSCHLUSS VON TEIL 3

    An der Haustür haben die Täter selten einen Computer dabei. Sie setzen auf etwas anderes: auf Ihre Freundlichkeit, Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre Höflichkeit. Das sind gute Eigenschaften. Sie sollen sie behalten. Aber geben Sie ihnen einen Ort: vor der Tür, mit Kette, mit einem Anruf dazwischen. Ein guter Mensch mit geschlossener Tür ist immer noch ein guter Mensch.

  130. Buchseite 129

    Seite 129

    TEIL 4

    Im Briefkasten Papier wirkt ehrlich. Deshalb lieben Betrüger es wieder. Zwei Maschen aus dem Briefkasten.

    Falsche Rechnungen, Mahnungen und Inkasso

    Falsche Amtsschreiben

  131. Buchseite 130

    Seite 130

    KAPITEL 13

    Falsche Rechnungen, Mahnungen und Inkasso Hebel der Täter:

    Angst

    Zeitdruck

    So klingt es

    Ein Brief mit rotem Rand. Absender: eine Inkasso-Gesellschaft mit einem Namen, der nach Anwaltskanzlei klingt. Letzte Mahnung vor Einleitung des gerichtlichen Mahnverfahrens Sehr geehrte Frau Hartmann, trotz mehrfacher Aufforderung haben Sie die offene Forderung unseres Mandanten aus dem Vertrag „Gewinnspiel-Service Premium“ nicht beglichen. Hauptforderung: 89,90 Euro. Mahngebühren und Inkassokosten: 147,60 Euro. Gesamtbetrag: 237,50 Euro. 130

  132. Buchseite 131

    Seite 131

    Kapitel 13 · Falsche Rechnungen und Inkasso

    Sollte der Betrag nicht binnen 7 Tagen auf dem unten genannten Konto eingehen, werden wir ohne weitere Ankündigung einen Mahnbescheid beantragen und einen Negativeintrag bei der SCHUFA veranlassen. Die Kosten hierfür tragen Sie. Sie haben nie einen „Gewinnspiel-Service“ bestellt. Aber Sie erinnern sich vage an einen Anruf vor Monaten, bei dem Sie irgendwann „Ja“ gesagt haben. Sie zahlen, um Ruhe zu haben. So ist es geplant.

    Was hier passiert Diese Masche arbeitet mit der Angst vor Behörden, Gerichten und dem Wort „SCHUFA“. Die Forderung ist entweder komplett erfunden oder sie stammt aus einem Vertrag, den Sie nie wirksam geschlossen haben. Das Ziel ist ein kleiner Betrag, den Menschen lieber zahlen, als sich zu wehren. Zweihundert Euro von zehntausend Menschen sind zwei Millionen.

  133. Buchseite 132

    Seite 132

    Kapitel 13 · Falsche Rechnungen und Inkasso

    Die Briefe sehen offiziell aus: Aktenzeichen, Paragrafen, rote Stempel, eine Frist von sieben Tagen. Manchmal wird auch mit einem „Gerichtsvollzieher“ gedroht, der „in den nächsten Tagen“ kommt. Manchmal ruft ein „Sachbearbeiter“ an und macht Druck. Eine zweite Form sind gefälschte Rechnungen für Dinge, die es tatsächlich gibt: ein Zeitschriftenabonnement, ein Adressbucheintrag, eine „Verlängerung“ Ihrer Internetadresse, ein Betrag von der „GEZ“. Der Trick: Die Rechnung sieht so aus wie eine echte, und Sie können sich nicht mehr erinnern, ob Sie das mal bestellt haben. So funktioniert ein echtes Mahnverfahren in Deutschland: Einen Mahnbescheid verschickt nur das Gericht. Er kommt meist in einem gelben Umschlag, auf dem das Datum der Zustellung steht, und nie per E-Mail. Auch solche Umschläge werden inzwischen gefälscht. Im Zweifel rufen Sie beim Mahngericht an, unter einer Nummer, die Sie selbst heraussuchen. Ein Gerichtsvollzieher darf nur vollstrecken, wenn es ein Urteil oder einen

  134. Buchseite 133

    Seite 133

    Kapitel 13 · Falsche Rechnungen und Inkasso

    Vollstreckungsbescheid gibt. Ein Brief vom Inkassobüro genügt dafür nicht. Und eine SCHUFA-Meldung ist bei einer bestrittenen Forderung in der Regel nicht erlaubt.

    Inkasso

    Amtsgericht

    G AHNUN LETZTE M

    Einen Mahnbescheid verschickt nur das Gericht. Im Zweifel fragen Sie dort selbst nach.

  135. Buchseite 134

    Seite 134

    Kapitel 13 · Falsche Rechnungen und Inkasso

    So hilft der Computer den Betrügern

    Die Briefe sind fehlerfrei, die Paragrafen stimmen, das Layout ist von echten Inkassobüros kopiert. Und die Adressen kommen aus denselben Datenlecks wie bei den Anrufen. Neu ist auch: Wer einmal zahlt, landet auf einer Liste. Ein paar Monate später kommt die nächste Forderung, von einer anderen Firma, für einen anderen „Vertrag“. Die Liste wird verkauft, weil sie wertvoll ist. Sie enthält Menschen, die zahlen, ohne zu fragen.

    Daran erkennen Sie es

    Sie kennen die Forderung nicht. Sie haben nichts bestellt, nichts unterschrieben, nichts genutzt. Die Gebühren sind höher als die Hauptforderung, etwa 90 Euro Forderung und 150 Euro Gebühren. An den Gebühren verdienen die Absender.

  136. Buchseite 135

    Seite 135

    Kapitel 13 · Falsche Rechnungen und Inkasso

    Es gibt eine Frist von wenigen Tagen und eine Drohung mit Gericht, SCHUFA oder Gerichtsvollzieher. Sie sollen auf ein Konto im Ausland überweisen oder mit einer ungewöhnlichen Methode zahlen. Sie erinnern sich an ein Telefonat, bei dem Sie „Ja“ gesagt haben. Einen am Telefon untergeschobenen Vertrag können Sie fast immer abwehren. Verträge über Gewinnspiel-Dienste müssen Ihnen sogar als Text vorliegen, ein Ja am Telefon genügt dafür nicht.

    Das tun Sie

    Zahlen Sie nicht. Schreiben Sie zurück: „Ich bestreite die Forderung.“ Ein Satz genügt.

  137. Buchseite 136

    Seite 136

    Kapitel 13 · Falsche Rechnungen und Inkasso

    Schicken Sie diesen Satz per Brief an die Adresse auf dem Schreiben, mit Datum und Unterschrift. Mehr müssen Sie nicht erklären. Heben Sie eine Kopie auf. Eine bestrittene Forderung darf dann in der Regel nicht an die SCHUFA gemeldet werden, solange kein Gericht sie bestätigt hat. Ob ein Inkassobrief seriös ist, können Sie auch mit dem kostenlosen Inkasso-Check der Verbraucherzentrale prüfen. Wenn ein gelber Umschlag vom Gericht kommt: Nicht wegwerfen. Darin steckt ein Widerspruchsformular. Ankreuzen, unterschreiben und so abschicken, dass es innerhalb von zwei Wochen beim Gericht ankommt. Auch dafür brauchen Sie keinen Anwalt. Die Verbraucherzentrale hilft, wenn Sie unsicher sind. Aus der Praxis

    Ich verstehe den Wunsch, das einfach zu bezahlen und Ruhe zu haben. Ruhe bekommen Sie damit selten, meist kommt der nächste Brief. Wer sich einmal wehrt, hat danach meist Ruhe, weil die Absender nur

  138. Buchseite 137

    Seite 137

    Kapitel 13 · Falsche Rechnungen und Inkasso

    an denen verdienen, die nicht widersprechen. Das eine Blatt Papier mit „Ich bestreite die Forderung“ ist der günstigste Schutz in diesem Buch.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein Inkassobüro fordert 89 Euro für ein Gewinnspiel-Abo, das Sie nie abgeschlossen haben, dazu 160 Euro Gebühren. Frist: fünf Tage. Echt oder Betrug? 2. Ein gelber Umschlag vom Amtsgericht liegt im Briefkasten. Darin steckt ein Mahnbescheid über eine Forderung, die Sie nicht kennen. Wegwerfen oder nicht? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  139. Buchseite 138

    Seite 138

    MERKSATZ

    Einen Mahnbescheid verschickt nur das Gericht. Im Zweifel rufen Sie dort selbst an.

  140. Buchseite 139

    Seite 139

    KAPITEL 14

    Falsche Amtsschreiben Hebel der Täter:

    Autorität

    So klingt es

    Ein Brief mit dem Wappen Ihrer Stadt. Betreff: „Pflichtprüfung der Rauchwarnmelder gemäß Landesbauordnung“. Sehr geehrte Eigentümerin, sehr geehrter Mieter, im Rahmen des Programms „Brandschutz 2026“ ist für Ihre Wohnung eine Überprüfung der Rauchwarnmelder vorgesehen. Ein zertifizierter Prüfer wird Sie in der Kalenderwoche 40 aufsuchen. Bitte gewähren Sie Zutritt. Bei Verweigerung oder nicht vorhandenen Geräten droht ein Bußgeld von bis zu 500 Euro je Gerät. Die Prüfgebühr von 39 Euro ist vor Ort bar zu entrichten.

  141. Buchseite 140

    Seite 140

    Kapitel 14 · Falsche Amtsschreiben

    Der Brief erklärt zwei Dinge auf einmal: warum ein Fremder in Ihre Wohnung darf (Kapitel 9), und warum Sie ihm Geld geben sollen. Es gibt kein solches Programm. Die Stadt schickt keine Prüfer. Und niemand kassiert an der Tür.

    Was hier passiert Amtsschreiben sind das Werkzeug für alle, die an die Haustür oder an Ihre Daten wollen, ohne dass Sie misstrauisch werden. Der Brief kommt eine Woche vorher. Wenn dann jemand klingelt, erwarten Sie ihn schon. Dafür wurde der Brief geschrieben. Die Themen wechseln: Rauchmelder, Trinkwasserprobe, Zählerwechsel, Volkszählung, Registerprüfung, Datenabgleich mit der Rentenversicherung. Die Form bleibt: Wappen, Aktenzeichen, Paragraf, Frist, Bußgeld. Eine zweite Gruppe will Ihre Daten. „Zur Aktualisierung Ihrer Rentenakte“ sollen Sie Kontonummer, Geburtsdatum und Ausweisnummer auf einem beiliegenden Formular eintragen und zurückschicken. Oder Sie sollen sich „zur 140

  142. Buchseite 141

    Seite 141

    Kapitel 14 · Falsche Amtsschreiben

    Verifizierung“ auf einer Internetseite anmelden, deren Adresse auf dem Brief steht oder in einem QR-Code steckt. Diese Briefe sind das Gegenstück zum Bankbrief aus Kapitel 3. Nur der Absender ist ein anderer. Dasselbe gibt es am Telefon. Angebliche Mitarbeiter der Pflegekasse oder des Medizinischen Dienstes bieten eine kostenlose Pflegebox oder einen Pflegekurs an und fragen nach Ihrer Versichertennummer. Damit rechnen sie dann bei Ihrer Kasse ab. Geben Sie die Nummer am Telefon nicht heraus, und rufen Sie Ihre Pflegekasse selbst an. So arbeiten echte Behörden: Sie kommen nicht unangekündigt in Ihre Wohnung, sie kassieren nicht bar an der Tür, sie verlangen keine Kontodaten per Formular, und sie drohen nicht in der ersten Post mit Bußgeld. Wer ein echtes Anliegen hat, schreibt Ihnen, nennt einen Ansprechpartner mit Durchwahl, und Sie können anrufen.

  143. Buchseite 142

    Seite 142

    Kapitel 14 · Falsche Amtsschreiben

    Sehr geehrte Eigentümerin,

    Bußgeld bar zu entrichten.

    Drei Wörter, die in echten Behördenbriefen so nicht stehen.

  144. Buchseite 143

    Seite 143

    Kapitel 14 · Falsche Amtsschreiben

    So hilft der Computer den Betrügern

    Wappen, Briefköpfe und Formulare stehen im Internet. Ein Programm setzt daraus in einer Minute einen Brief, der vom echten kaum zu unterscheiden ist. Und die Paragrafen stimmen sogar. Es gibt eine Rauchmelderpflicht in der Landesbauordnung. Die Wartung organisieren Eigentümer oder Hausverwaltung, die Stadt schickt dafür keine Prüfer. Die Betrüger nehmen ein echtes Gesetz und erfinden die Behörde dazu.

    Daran erkennen Sie es

    Die Anrede ist allgemein. Ihre Stadt kennt Ihren Namen. Es gibt eine Frist, ein Bußgeld und einen Besuch. Echte Behörden fangen nicht mit Drohungen an. Sie sollen bar zahlen, an der Tür oder per Überweisung an ein Konto ohne Behördennamen.

  145. Buchseite 144

    Seite 144

    Kapitel 14 · Falsche Amtsschreiben

    Sie sollen Daten eintragen oder sich irgendwo anmelden. Behörden haben Ihre Daten schon. Der Ansprechpartner hat keine Durchwahl, nur eine Handynummer oder eine E-Mail-Adresse bei einem kostenlosen Anbieter.

    Das tun Sie

    Rufen Sie die Behörde an, unter der Nummer aus dem Telefonbuch oder von der Stadt-Internetseite. Fragen Sie: „Haben Sie mir das geschickt?“ Die Nummer aus dem Brief kann zu den Betrügern führen. Die Zentrale Ihrer Stadt, Ihres Landkreises oder der Rentenversicherung finden Sie im Telefonbuch. Die Mitarbeiter dort kennen die gefälschten Briefe meist schon und sind froh über jeden Anruf. Wenn jemand klingelt und sich auf den Brief beruft, gilt Kapitel 9: Die Tür bleibt zu.

  146. Buchseite 145

    Seite 145

    Kapitel 14 · Falsche Amtsschreiben

    Aus der Praxis

    Ich werde manchmal gefragt, ob es nicht unhöflich sei, bei einer Behörde nachzufragen. Nein. Es ist Ihr Recht, und es ist erwünscht. Hat die Behörde den Brief geschickt, bestätigt man Ihnen das in dreißig Sekunden, und sonst ist man Ihnen für den Hinweis dankbar.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein Brief der „Rentenversicherung“ bittet Sie, zur Aktualisierung Ihrer Rentenakte Kontonummer und Ausweisnummer auf einem beiliegenden Formular zurückzuschicken. Echt oder Betrug? 2. Am Telefon bietet Ihnen jemand eine kostenlose Pflegebox an. Er braucht nur noch Ihre Versichertennummer. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  147. Buchseite 146

    Seite 146

    MERKSATZ

    Behörden drohen nicht im ersten Brief. Und sie kassieren nie an der Tür.

  148. Buchseite 147

    Seite 147

    ZUM ABSCHLUSS VON TEIL 4

    Zwei Maschen aus dem Briefkasten, und beide hatten dasselbe Rezept: ein Blatt Papier, das so aussieht, als hätte es Macht. Aber Papier hat keine Macht. Einen Mahnbescheid verschickt nur das Gericht. Eine Behörde nennt einen Ansprechpartner. Eine Bank fragt nie nach Ihrer PIN. Wenn Sie diese drei Sätze kennen, kann kein Brief Sie mehr zwingen.

  149. Buchseite 148

    Seite 148

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

  150. Buchseite 149

    Seite 149

    TEIL 5

    Auf Handy und Computer Das Handy ist heute Telefon, Briefkasten und Bankfiliale zugleich. Die Betrüger wissen das. Vier Maschen, und eine Regel: Bevor Sie antworten oder klicken, fragen Sie jemanden.

    „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Gefälschte Nachrichten von Paketdienst,

    Bank und Behörden 17

    Der falsche Computer-Support

    Betrug beim Online-Einkauf

  151. Buchseite 150

    Seite 150

    KAPITEL 15

    „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“ Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    Hoffnung

    So klingt es

    Auf dem Handy erscheint eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. „Hallo Mama mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer. Speicher sie bitte ab und lösch die alte. Ich schreib dir gleich nochmal“ Eine Stunde später: „Mama, ich hab ein Problem. Ich muss heute noch eine Rechnung bezahlen, aber mein Online-Banking geht auf dem neuen Handy noch nicht. Kannst du das kurz für mich überweisen? Ich geb es dir am Wochenende zurück. Es sind 1.850 Euro. Ich schick dir die Daten.“

  152. Buchseite 151

    Seite 151

    Kapitel 15 · „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Und dann: „Danke Mama, du bist die Beste. Und bitte ruf nicht an, ich bin im Meeting, das Mikro ist kaputt.“ Alles läuft leise ab, ohne Anruf und ohne Stimme: ein Kind, das Hilfe braucht, und eine Mutter, die tippt.

    Was hier passiert Das ist der Enkeltrick (Kapitel 5), übersetzt ins Schreiben. Die Betrüger schicken dieselbe Nachricht an tausende Nummern. Sie wissen nicht, ob Sie ein Kind haben oder wie es heißt. Deshalb steht dort „Mama“, ohne jeden Namen. Wer antwortet, liefert den Rest selbst: „Bist du das, Julia?“ „Ja, ich bin’s, Julia.“ Dann kommt der zweite Schritt, oft erst Stunden oder Tage später: die Bitte um eine Überweisung. Immer mit einem Grund, warum Sie nicht anrufen können: kaputtes Mikrofon, Sitzung, Ausland, neues Handy. Dieser Grund ist der Kern der Masche, denn ein Anruf würde alles beenden.

  153. Buchseite 152

    Seite 152

    Kapitel 15 · „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Das Geld geht auf ein fremdes Konto. Manchmal mit dem Hinweis „Das ist das Konto von meinem Vermieter“ oder „von der Werkstatt“. Und weil Sie es selbst überwiesen haben, bekommen Sie es von der Bank meist nicht zurück.

    „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Dieselbe Nachricht ging an tausend Handys. Nur wer antwortet, wird zur Mama.

  154. Buchseite 153

    Seite 153

    Kapitel 15 · „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    So hilft der Computer den Betrügern

    Die erste Nachricht schickt ein Programm. Die Antworten schreibt oft ebenfalls eines, geduldig, warmherzig, mit Herzchen. Es fragt, wie es Ihnen geht, erinnert sich an das, was Sie gestern geschrieben haben, und klingt wie ein liebes Kind, das gerade viel um die Ohren hat. Erst wenn es um die Kontodaten geht, übernimmt ein Mensch. Neu ist: Wenn Sie nach einer Sprachnachricht fragen, bekommen Sie eine, mit der Stimme Ihres Kindes, wenn die Betrüger sie im Internet gefunden haben (Kapitel 1). Eine Sprachnachricht ist deshalb kein Beweis. Sicherheit gibt Ihnen ein Gespräch unter der Nummer, die Sie kennen.

  155. Buchseite 154

    Seite 154

    Kapitel 15 · „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Daran erkennen Sie es

    „Neue Nummer“ ohne Namen. Ihr Kind schreibt „Hier ist Julia“. Sie sollen die alte Nummer löschen. Das soll verhindern, dass Sie dort anrufen. Sie können nicht anrufen. Jeder Grund, warum ein Gespräch nicht geht, ist ein Warnsignal. Es geht um eine Überweisung, heute, auf ein fremdes Konto. Das Kind ist ungewöhnlich lieb. Viele Herzchen, viel „du bist die Beste“. Ihr echtes Kind ist meist knapper.

    Das tun Sie

    Antworten Sie nicht. Rufen Sie Ihr Kind auf der alten Nummer an.

  156. Buchseite 155

    Seite 155

    Kapitel 15 · „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Die alte Nummer funktioniert meist noch. Wenn das Handy wirklich kaputt wäre, hätte Ihr Kind Sie angerufen, von einem anderen Telefon, mit seiner Stimme, und hätte auf Ihre Fragen geantwortet. Wenn Sie es nicht erreichen, fragen Sie seine Geschwister oder seinen Partner. Überweisen Sie nichts, bevor Sie gesprochen haben. Die Nachricht selbst behalten Sie und zeigen sie Ihrem Kind. Die Nummer blockieren Sie, das geht in jedem Handy mit wenigen Fingertipps.

    Das Codewort gilt auch hier Wer Ihnen von einer neuen Nummer schreibt und Geld braucht, nennt zuerst das Codewort aus Kapitel 1. Sie können einfach danach fragen: „Wie heißt unser Wort?“ Ihr Kind antwortet in drei Sekunden. Der Betrüger weicht aus: „Mama, dafür hab ich jetzt keine Zeit.“ Dann überweisen Sie nichts.

  157. Buchseite 156

    Seite 156

    Kapitel 15 · „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Wenn die Nachricht von einer bekannten Nummer kommt Manchmal kommt die Bitte um Geld sogar von einer Nummer, die Sie kennen, etwa von einer Freundin. Dann haben Betrüger ihr WhatsApp übernommen. Auch hier hilft ein Anruf, denn am Telefon meldet sich die echte Freundin. Und geben Sie nie den sechsstelligen Code weiter, den WhatsApp Ihnen per SMS schickt. Mit diesem Code übernehmen Betrüger Ihr Konto und schreiben in Ihrem Namen an alle Ihre Kontakte. Aus der Praxis

    Diese Masche trifft sehr oft Menschen, die gern und viel auf dem Handy schreiben. Sie antworten schnell, weil das bei Nachrichten von der Familie ganz normal ist. Die Regel vom Festnetz gilt trotzdem auch auf dem Handy: Wer Geld will, wird angerufen.

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    Seite 157

    Kapitel 15 · „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Eine SMS von einer unbekannten Nummer: „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer. Kannst du heute eine Rechnung für mich bezahlen?“ Echt oder Betrug? 2. Ihre Freundin schreibt Ihnen von ihrer bekannten Nummer. Sie sollen ihr den sechsstelligen Code schicken, den Sie gleich per SMS bekommen. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  159. Buchseite 158

    Seite 158

    MERKSATZ

    Eine neue Nummer, die Geld braucht, bekommt einen Anruf auf der alten.

  160. Buchseite 159

    Seite 159

    KAPITEL 16

    Gefälschte Nachrichten von Paketdienst, Bank und Behörden Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    Autorität

    So klingt es

    Eine SMS auf dem Handy. „DHL: Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden. Zollgebühr von 2,99 € ausstehend. Bitte begleichen Sie den Betrag innerhalb von 24 Stunden, sonst geht das Paket zurück: dhl-zustellung-de.com/paket“

  161. Buchseite 160

    Seite 160

    Kapitel 16 · Gefälschte Nachrichten

    Sie erwarten tatsächlich ein Paket, das Geschenk für die Enkelin. Sie tippen auf den Link. Eine Seite in DHL-Gelb öffnet sich. Sie geben Name, Adresse und Kartennummer ein, für 2,99 Euro. Drei Tage später sind 1.400 Euro von der Karte abgebucht. Andere Absender, dieselbe Nachricht: „Ihre Bank: Ihr Konto wurde vorübergehend eingeschränkt, bestätigen Sie Ihre Identität.“ „Rentenversicherung: Ihre Rentenzahlung wurde ausgesetzt.“ „Netflix: Ihre Zahlung ist fehlgeschlagen.“ „Ihr E-Mail-Konto läuft ab.“ Jedes Mal gibt es ein Problem, einen Link und eine Frist bis heute.

    Was hier passiert Das ist der perfekte Brief aus Kapitel 3, nur kürzer und auf dem Handy. Man nennt es „Phishing“, vom englischen Wort für Angeln. Der Link ist der Haken und die Nachricht der Köder. Für den Alltag genügt dieses Bild.

  162. Buchseite 161

    Seite 161

    Kapitel 16 · Gefälschte Nachrichten

    Der Link führt auf eine Seite, die aussieht wie die echte. Gleiche Farbe, gleiches Logo, gleiche Schrift. Dort geben Sie ein, was die Betrüger wollen: Zugangsdaten, Kartennummer, Geburtsdatum. Manchmal auch die Freigabe für die Banking-App (Kapitel 7). Alles, was Sie dort eintippen, landet direkt bei den Tätern. Die 2,99 Euro sollen Sie nur dazu bringen, Ihre Kartendaten einzugeben. Danach wird die Karte geplündert oder weiterverkauft. Manche Links laden auch ein Programm auf Ihr Handy, das ab dann alles mitliest. Ihre Nachrichten, Ihre Anrufe, Ihre Banking-App. Deshalb ist schon der Klick gefährlich.

  163. Buchseite 162

    Seite 162

    Kapitel 16 · Gefälschte Nachrichten

    „Paket konnte nicht zugestellt werden“

    Die Nachricht lockt, am Link hängt der Haken.

  164. Buchseite 163

    Seite 163

    Kapitel 16 · Gefälschte Nachrichten

    So hilft der Computer den Betrügern

    Die Nachrichten sind fehlerfrei, in gutem Deutsch, und sie kommen zur richtigen Zeit. Vor Weihnachten kommt der Paketdienst, im Januar die Steuer, im Sommer die Reiseversicherung. Die Absendernummer kann gefälscht sein, sodass die SMS im selben Verlauf erscheint wie echte Nachrichten Ihrer Bank. Und die gefälschte Internetseite wird in Sekunden gebaut, oft nur für einen Tag, bis sie jemand meldet. Dann gibt es eine neue.

    Daran erkennen Sie es

    Es gibt ein Problem, eine Frist und einen Link. Mehr steckt in keiner dieser Nachrichten. Der Link sieht fast richtig aus. „dhl-zustellung-de.com“ statt „dhl.de“. Ein Bindestrich zu viel, eine Endung zu viel.

  165. Buchseite 164

    Seite 164

    Kapitel 16 · Gefälschte Nachrichten

    Sie sollen einen kleinen Betrag zahlen. Zollgebühr, Bearbeitungsgebühr, Nachporto. Paketdienste verlangen solche Gebühren an der Haustür oder in ihrer eigenen App. Die Nachricht kommt von einer Firma, mit der Sie nichts zu tun haben, etwa von Netflix, obwohl Sie dort kein Konto haben, oder von einer Bank, bei der Sie nie Kunde waren. Die Anrede fehlt oder ist allgemein. „Sehr geehrter Kunde“ kennt Ihren Namen nicht. Die Nachricht fragt nach persönlichen Daten. Die Rentenversicherung zum Beispiel fordert solche Daten nie per E-Mail an.

    Das tun Sie

    Tippen Sie nicht auf den Link. Löschen Sie die Nachricht. Wenn Sie ein Paket erwarten, schauen Sie beim Paketdienst selbst nach.

  166. Buchseite 165

    Seite 165

    Kapitel 16 · Gefälschte Nachrichten

    Nehmen Sie dafür die Internetseite, die Sie selbst eingeben, oder die Sendungsnummer aus der Bestellung, nie den Link in der Nachricht. Dasselbe bei der Bank: Öffnen Sie Ihre Banking-App immer selbst. Wenn dort kein Problem angezeigt wird, gibt es keins. Wenn Sie doch geklickt und etwas eingegeben haben: Karte sperren (116 116), Bank anrufen, Zugangsdaten ändern. Und wenn das Handy sich danach seltsam verhält, langsam wird oder von selbst Nachrichten verschickt: Handy ausschalten und von einem Fachgeschäft prüfen lassen.

    Der eine Handgriff, der alles ändert Es gibt einen Weg, wie Sie nie mehr auf einen falschen Link tippen: Sie tippen auf gar keinen. Alles, was Sie von Bank, Paketdienst oder Behörde brauchen, erreichen Sie über die App oder die Seite, die Sie selbst öffnen. Ein Link in einer Nachricht ist für Sie ab heute nur noch Text. Sie dürfen ihn lesen und lassen ihn unberührt.

  167. Buchseite 166

    Seite 166

    Kapitel 16 · Gefälschte Nachrichten

    Aus der Praxis

    Menschen erzählen mir oft: „Ich habe doch nur 2,99 Euro bezahlt.“ Und ich muss ihnen erklären, dass das Problem die Kartennummer war, die sie für die 2,99 Euro eingegeben haben. Betrüger wollen den Zugang zu Ihrem Konto, der Betrag ist Nebensache.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Eine SMS: Ihr Paket kann nicht zugestellt werden. Bitte zahlen Sie 1,99 Euro Nachporto über den Link. Echt oder Betrug? 2. Eine E-Mail von Netflix meldet, dass Ihre Zahlung fehlgeschlagen ist. Sie haben dort gar kein Konto. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  168. Buchseite 167

    Seite 167

    MERKSATZ

    Ein Link in einer Nachricht ist nur Text. Sie können ihn lesen. Sie müssen ihn nicht berühren.

  169. Buchseite 168

    Seite 168

    KAPITEL 17

    Der falsche Computer-Support Hebel der Täter:

    Angst

    Autorität

    So klingt es

    Sie sitzen am Computer und lesen die Zeitung. Plötzlich wird der Bildschirm rot. Eine Sirene ertönt aus dem Lautsprecher. Ein Fenster erscheint, das sich nicht schließen lässt. „WARNUNG: Ihr Computer wurde gesperrt! Es wurde ein Virus erkannt, der Ihre Bankdaten stiehlt. Schalten Sie den Computer NICHT aus, sonst gehen alle Ihre Daten verloren. Rufen Sie sofort den Microsoft-Support an: 0800 …“ Sie rufen an, und ein freundlicher Techniker meldet sich. Er beruhigt Sie und bittet Sie, ein kleines Programm herunterzuladen, damit er „sich das 168

  170. Buchseite 169

    Seite 169

    Kapitel 17 · Der falsche Computer-Support

    anschauen“ kann. Sie sehen, wie sich der Mauszeiger von allein bewegt. Er zeigt Ihnen lange Listen mit roten Einträgen. „Sehen Sie, das sind alles Viren.“ Die Reinigung koste 249 Euro, zahlbar per Kreditkarte. Oder er bittet Sie, sich kurz ins Online-Banking einzuloggen, um „zu prüfen, ob schon etwas gestohlen wurde“. Die zweite Form beginnt am Telefon: „Guten Tag, hier ist Microsoft. Wir haben festgestellt, dass Ihr Computer infiziert ist.“

    Was hier passiert Das rote Fenster ist nur eine Internetseite. Ihr Computer ist nicht gesperrt, es ist kein Virus da. Die Seite ist so gebaut, dass sie den ganzen Bildschirm füllt und sich schwer schließen lässt. Die Sirene ist ein Ton, den die Seite abspielt. Es ist derselbe Trick wie beim Schockanruf, nur auf dem Bildschirm.

  171. Buchseite 170

    Seite 170

    Kapitel 17 · Der falsche Computer-Support

    Gefährlich wird es beim „kleinen Programm“, denn das ist ein Fernzugriff. Ab dem Moment sieht der Anrufer alles, was Sie sehen, und kann alles bewegen, was Sie bewegen. Die „Virenliste“ ist eine harmlose Systemanzeige, die er rot einfärbt. Und während er redet, kann er im Hintergrund Ihre Zugangsdaten auslesen, Programme installieren, die alles mitlesen, oder direkt eine Überweisung vorbereiten.

    !

    Fernzugriff heißt: Seine Hand liegt auf Ihrer Maus.

  172. Buchseite 171

    Seite 171

    Kapitel 17 · Der falsche Computer-Support

    Microsoft, Apple, die Telekom und Ihr Virenschutz rufen Sie nie wegen eines Virus an, und niemand von ihnen sieht auf Ihren Computer. Wer behauptet, er sähe einen Virus auf Ihrem Gerät, lügt. So hilft der Computer den Betrügern

    Die Warnfenster sehen heute aus wie echte Meldungen von Windows oder Apple, mit korrekten Logos und Schrift. Der „Techniker“ spricht besser Deutsch als früher, weil ein Programm mithilft. Und der Fernzugriff ist derselbe, den auch Familien nutzen, um sich gegenseitig am Computer zu helfen. Das Werkzeug selbst ist legal, gefährlich macht es erst der Mensch, der es bedient.

  173. Buchseite 172

    Seite 172

    Kapitel 17 · Der falsche Computer-Support

    Daran erkennen Sie es

    Der Computer „warnt“ mit Ton, Farbe und einer Telefonnummer. Echte Warnungen haben keine Telefonnummer. Jemand ruft an und sagt, Ihr Computer sei infiziert. Niemand kann das von außen sehen. Sie sollen ein Programm laden, damit jemand „helfen“ kann. Dieses Programm ist der Fernzugriff. Sie sollen für die „Reparatur“ zahlen oder sich ins Online-Banking einloggen, während jemand zusieht. Sie sollen den Computer nicht ausschalten. Ausschalten ist aber das Richtige.

  174. Buchseite 173

    Seite 173

    Kapitel 17 · Der falsche Computer-Support

    Das tun Sie

    Rufen Sie die Nummer nicht an. Schalten Sie den Computer aus, notfalls mit dem Knopf. Warten Sie eine Minute. Schalten Sie ihn wieder ein. Das rote Fenster ist dann weg. Es gab nie einen Virus. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie jemanden aus der Familie oder einen Computerladen in Ihrer Nähe an. Die kommen vorbei und brauchen keinen Fernzugriff. Wenn Sie schon ein Programm geladen und den Fernzugriff erlaubt haben: Computer ausschalten, Internet trennen (Stecker am Router ziehen), Bank anrufen und Karten sperren, Zugangsdaten von einem anderen Gerät aus ändern. Und den Computer erst wieder benutzen, wenn ihn jemand geprüft hat.

  175. Buchseite 174

    Seite 174

    Kapitel 17 · Der falsche Computer-Support

    Die Fernzugriff-Regel Fernzugriff bekommt nur, wer bei Ihnen am Küchentisch sitzen dürfte. Das sind Ihre Tochter, Ihr Enkel oder der Computerladen, den Sie selbst angerufen haben. Wer Sie anruft oder wessen Nummer auf einem Bildschirm stand, bekommt keinen Zugriff. Diese Regel kommt in Kapitel 20 wieder, denn dort ist der Fernzugriff der Weg, über den ganze Ersparnisse verschwinden. Aus der Praxis

    Das rote Fenster löst bei vielen Menschen echte Panik aus, auch bei Menschen, die seit Jahren sicher am Computer arbeiten. Durch Ausschalten können Sie an einem Computer nichts kaputt machen. Der Knopf ist immer erlaubt. Wer Ihnen sagt, Sie dürften nicht ausschalten, will Sie nur in der Leitung halten.

  176. Buchseite 175

    Seite 175

    Kapitel 17 · Der falsche Computer-Support

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Auf Ihrem Computer erscheint ein Warnfenster mit Sirene: Der Computer sei gesperrt, Sie sollen sofort den Microsoft-Support anrufen. Echt oder Betrug? 2. Ein Anrufer von „Microsoft“ hat Viren auf Ihrem Computer entdeckt. Er möchte Fernzugriff, um sie zu entfernen. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  177. Buchseite 176

    Seite 176

    MERKSATZ

    Niemand sieht Ihren Computer von außen. Wer das behauptet, will hinein.

  178. Buchseite 177

    Seite 177

    KAPITEL 18

    Betrug beim Online-Einkauf Hebel der Täter:

    Zeitdruck

    Hoffnung

    So klingt es

    Sie suchen im Internet nach einem neuen Rasenmäher. Ein Angebot sticht heraus: das Modell, das überall 480 Euro kostet, hier für 189 Euro. „Lagerräumung, nur noch 3 Stück.“ Der Shop sieht ordentlich aus, mit Impressum, Kundenbewertungen und einem Siegel für „Geprüfte Sicherheit“. Sie bestellen. Zahlung: Vorkasse per Überweisung, „wegen der Sonderaktion leider keine anderen Zahlungsarten möglich“. Sie überweisen. Eine Bestätigung kommt. Dann eine Versandnummer, die nicht funktioniert, und dann nichts mehr. Nach zwei Wochen ist die Internetseite verschwunden.

  179. Buchseite 178

    Seite 178

    Kapitel 18 · Betrug beim Online-Einkauf

    Zweite Szene, aus der anderen Richtung: Sie verkaufen den alten Rasenmäher über ein Kleinanzeigen-Portal. Ein Käufer schreibt sofort, ohne zu handeln. Er schickt einen Link: „Ich habe schon bezahlt, hier können Sie das Geld annehmen, geben Sie einfach Ihre Kartendaten ein.“ Sie tun es. Statt Geld zu bekommen, wird Ihnen Geld abgebucht.

    Was hier passiert Der falsche Shop besteht aus ein paar Seiten, ein paar Bildern von echten Herstellern, erfundenen Bewertungen und einem Siegel, das nur ein Bild ist. Die Ware gibt es nicht. Das Konto, auf das Sie überweisen, gehört einem Strohmann, oft im Ausland. Nach ein paar Wochen macht der Shop dicht und öffnet unter neuem Namen. Vorkasse ist der Kern. Wer mit Rechnung, Lastschrift oder einem Käuferschutz zahlt, kann Geld zurückholen. Eine Überweisung dagegen lässt sich kaum zurückholen. Deshalb ist ein Shop, der nur Überweisung nimmt, fast immer ein falscher, egal wie gut er aussieht.

  180. Buchseite 179

    Seite 179

    Kapitel 18 · Betrug beim Online-Einkauf

    Beim Verkaufen ist es umgekehrt: Der „Käufer“ will Ihre Kartendaten. Der Link führt auf eine gefälschte Seite, die aussieht wie das Bezahlsystem des Portals. Was Sie dort eingeben, gehört den Betrügern. Kein Portal, keine Bank und kein Bezahldienst braucht Ihre Kartennummer, damit Sie Geld empfangen können.

    189 €

    statt 480 €

    Ein Shop, den man nur von vorne sieht.

  181. Buchseite 180

    Seite 180

    Kapitel 18 · Betrug beim Online-Einkauf

    So hilft der Computer den Betrügern

    Einen falschen Shop zu bauen, dauerte früher Tage. Heute dauert es Minuten. Produktbilder, Texte, Bewertungen mit Namen und Sternen: alles kommt aus dem Programm. Und die Preise werden so gesetzt, dass sie verlockend sind, aber nicht lächerlich. 189 statt 480 Euro wirkt glaubwürdig, 29 Euro würde misstrauisch machen. Das haben die Täter an vielen Menschen gelernt.

    Daran erkennen Sie es

    Der Preis liegt weit unter dem üblichen. Mehr als ein Drittel Nachlass gegenüber allen anderen Anbietern ist ein Warnsignal. Nur Vorkasse. Keine Rechnung, keine Lastschrift, kein Käuferschutz. Zeitdruck: „nur noch 3 Stück“, „Angebot endet in 2 Stunden“.

  182. Buchseite 181

    Seite 181

    Kapitel 18 · Betrug beim Online-Einkauf

    Das Impressum ist unvollständig oder die Firma sitzt im Ausland, obwohl die Seite deutsch ist. Beim Verkaufen: Der Käufer zahlt angeblich sofort, handelt nicht und schickt einen Link.

    Das tun Sie

    Kaufen Sie nur, wo Sie auf Rechnung oder mit Käuferschutz zahlen können. Ein Shop, der nur Überweisung nimmt, bekommt keine. Wenn Sie unsicher sind, prüfen Sie den Shop mit dem kostenlosen Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale. Dort geben Sie die Internetadresse des Shops ein und bekommen eine Einschätzung in Ampelfarben. Grün heißt nur, dass der Shop bisher nicht aufgefallen ist. Auch die Suche nach dem Namen des Shops mit dem Wort „Erfahrungen“ bringt oft schnell Warnungen. Und ein Angebot, das zu schön ist, um wahr zu sein, ist in aller Regel nicht wahr. 181

  183. Buchseite 182

    Seite 182

    Kapitel 18 · Betrug beim Online-Einkauf

    Beim Verkaufen: Sie geben nie Kartendaten ein, um Geld zu bekommen. Der Käufer überweist oder zahlt bar bei Abholung. Wer einen Link schickt, wird blockiert. Wenn Sie schon überwiesen haben: Sofort die Bank anrufen. Eine normale Überweisung lässt sich manchmal noch aufhalten. Eine Echtzeitüberweisung ist dagegen in Sekunden beim Empfänger. Danach Anzeige erstatten, mit allen Unterlagen. Aus der Praxis

    Diese Masche trifft Menschen jeden Alters. Ich erwähne sie hier trotzdem, weil sie eines lehrt: Wie eine Seite aussieht, sagt nichts. Siegel, Bewertungen, Impressum, alles ist kopierbar. Was zählt, ist die Frage, ob Sie Ihr Geld zurückholen können, wenn etwas schiefgeht. Beim Kauf auf Rechnung geht das. Wer per Vorkasse überweist, sieht sein Geld selten wieder. Diese eine Frage ersetzt jede Prüfung.

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    Seite 183

    Kapitel 18 · Betrug beim Online-Einkauf

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein Shop, den Sie nicht kennen, bietet ein neues Handy 40 Prozent billiger an. Zahlen können Sie nur per Vorkasse. Echt oder Betrug? 2. Sie verkaufen im Internet einen Stuhl. Die Käuferin will Ihnen das Geld über einen Link schicken, dafür sollen Sie Ihre Kartendaten eingeben. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

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    Seite 184

    MERKSATZ

    Wer nur Vorkasse will, bekommt kein Geld.

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    Seite 185

    ZUM ABSCHLUSS VON TEIL 5

    Vier Maschen auf Handy und Computer, und alle vier wollten dasselbe: dass Sie etwas berühren. Einen Link, einen Knopf, ein Programm, ein Formular. Sie haben in diesem Buch nun viele Sätze gelernt. Für den Bildschirm reicht ein einziger: Was Sie nicht selbst geöffnet haben, berühren Sie nicht. Und wenn Sie es doch getan haben, gibt es Teil 7. Dort steht ohne Vorwurf, was dann zu tun ist.

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    Seite 186

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

  188. Buchseite 187

    Seite 187

    TEIL 6

    Gefühle und Erspartes Die teuersten Maschen dauern Wochen. Sie arbeiten mit Nähe und Hoffnung. Drei Maschen, die ganze Ersparnisse kosten.

    Liebesbetrug

    Falsche Geldanlagen

    Die zweite Falle

  189. Buchseite 188

    Seite 188

    KAPITEL 19

    Liebesbetrug Hebel der Täter:

    Hoffnung

    So klingt es

    Am Anfang steht eine Freundschaftsanfrage. „Guten Abend. Ich hoffe, ich störe nicht. Ich habe Ihr Profilbild gesehen, und Ihr Lächeln hat mich an meine verstorbene Frau erinnert. Ich bin Ingenieur, arbeite gerade auf einer Bohrinsel vor Norwegen. Es ist einsam hier. Hätten Sie Lust, ein wenig zu schreiben?“ Sie schreiben, jeden Abend. Er fragt nach Ihrem Tag, nach Ihren Kindern, nach dem Garten. Er schickt Fotos: ein gut aussehender Mann um die sechzig, in Arbeitskleidung, mit Hund. Nach drei Wochen sagt er,

  190. Buchseite 189

    Seite 189

    Kapitel 19 · Liebesbetrug

    dass er sich verliebt hat. Nach fünf Wochen plant er, Sie zu besuchen. Eine Woche später gibt es ein Problem. „Meine Liebe, mir ist etwas Schreckliches passiert. Mein Konto wurde eingefroren, wegen einer Steuerprüfung, und ich komme hier nicht weg, wenn ich die Gebühr für den Hubschrauber nicht zahle. 3.200 Euro. Ich schäme mich, Dich zu fragen. Aber Du bist der einzige Mensch, dem ich vertraue. Ich gebe Dir alles zurück, sobald ich bei Dir bin.“ Sie überweisen. Der Hubschrauber fliegt nicht. Es gibt ein neues Problem und danach noch eins.

    Was hier passiert Diese Masche richtet oft den tiefsten Schaden an, weil sie vor dem Geld das Herz nimmt. Man nennt sie Liebesbetrug oder auf Englisch „Love Scam“. Die Betrüger suchen gezielt Menschen, die allein sind: verwitwet, geschieden, mit erwachsenen Kindern, die weit weg wohnen. Sie finden sie über Partnerbörsen, über Facebook, über Spiele-Apps, 189

  191. Buchseite 190

    Seite 190

    Kapitel 19 · Liebesbetrug

    manchmal über eine falsch adressierte Nachricht: „Entschuldigung, ich habe mich verwählt, aber Sie scheinen nett zu sein.“ Den Mann, der Ihnen schreibt, gibt es so nicht. Die Bilder sind gestohlen oder vom Computer erfunden. Der Beruf ist immer einer, der Abwesenheit erklärt: Bohrinsel, Soldat im Auslandseinsatz, Arzt bei einer Hilfsorganisation, Ingenieur auf Montage. So lässt sich jedes Treffen und jeder Videoanruf erklären, der nicht zustande kommt. Die ersten Wochen dienen nur dem Vertrauen, von Geld ist noch keine Rede. Der Betrüger lernt Sie kennen, Ihre Sorgen, Ihre Wünsche, und er sagt Ihnen, was Sie hören möchten. Erst wenn Sie sich gebunden fühlen, kommt der Notfall. Und er kommt immer wieder, bis nichts mehr da ist.

  192. Buchseite 191

    Seite 191

    Kapitel 19 · Liebesbetrug

    Ein Gesicht, drei Schreiber, hundert Menschen. So sieht die große Liebe von der anderen Seite aus.

  193. Buchseite 192

    Seite 192

    Kapitel 19 · Liebesbetrug

    So hilft der Computer den Betrügern

    Hier hat sich am meisten verändert. Die Fotos sind erfunden, von einem Programm, und deshalb nirgends im Internet zu finden. Die Nachrichten schreibt oft ein Programm, das sich an alles erinnert, was Sie erzählt haben, und das in perfektem Deutsch zärtlich sein kann. Ein Betrüger führt so hundert „Beziehungen“ gleichzeitig. Und wenn Sie nach einem Videoanruf fragen, gibt es inzwischen einen: ein paar Sekunden, ruckelig, „das Netz hier ist schlecht“, mit einem Gesicht, das der Computer bewegt (Kapitel 2).

    Daran erkennen Sie es

    Ein Fremder meldet sich, ohne dass Sie ihn gesucht haben, und ist von Anfang an sehr interessiert an Ihnen. Er ist beruflich unerreichbar. Bohrinsel, Militär, Ausland. Er ist weit weg und angeblich bald zurück.

  194. Buchseite 193

    Seite 193

    Kapitel 19 · Liebesbetrug

    Es gibt nie ein Treffen und nie ein längeres Gespräch mit Bild. Immer kommt etwas dazwischen. Er will schnell weg von der Plattform, auf der Sie ihn kennengelernt haben, hin zu WhatsApp oder E-Mail. Dort kann die Plattform ihn nicht mehr sperren. Es kommt eine Notlage, die nur Sie lösen können. Und danach die nächste. Er bittet Sie, mit niemandem darüber zu sprechen. „Deine Kinder würden das nicht verstehen.“

    Das tun Sie

    Schicken Sie nie Geld an einen Menschen, den Sie nicht persönlich getroffen haben. Auch dann nicht, wenn die Geschichte noch so dringend klingt.

  195. Buchseite 194

    Seite 194

    Kapitel 19 · Liebesbetrug

    Die Regel ist hart, aber sie hat noch nie jemanden verletzt, der es ehrlich meinte. Ein Mann, der Sie liebt, findet einen anderen Weg aus seiner Notlage. Und sprechen Sie mit jemandem, mit Ihrer Tochter, einer Freundin oder der Polizei. Die Polizei berät kostenlos, auch wenn noch kein Geld geflossen ist. Sie müssen sich niemandem gegenüber rechtfertigen. Ein zweiter Blick von außen sieht in fünf Minuten, was Sie von innen kaum sehen können, und das gilt für jeden Menschen, der verliebt ist.

    Wenn es schon passiert ist Wenn Sie beim Lesen gemerkt haben, dass Sie gerade mittendrin sind: Hören Sie heute auf zu zahlen. Den Kontakt dürfen Sie in Ihrem Tempo beenden, das Geld stoppen Sie sofort. Alles Weitere steht in Teil 7. Und eines vorweg: Sie haben nichts Dummes getan. Sie haben geliebt, und jemand hat das missbraucht.

  196. Buchseite 195

    Seite 195

    Kapitel 19 · Liebesbetrug

    Aus der Praxis

    Viele Betroffene wissen es lange, bevor sie es sich eingestehen. Sie sagen mir: „Ich hatte ein Gefühl, aber ich wollte es nicht wahrhaben.“ Ich habe gelernt, dieses Gefühl ernst zu nehmen. Wenn Sie beim Überweisen etwas spüren, das sich nicht richtig anfühlt, dann meldet sich Ihr Verstand. Hören Sie ihm einmal zu.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Ein Arzt im Auslandseinsatz schreibt Ihnen seit Wochen liebevolle Nachrichten. Ein Videoanruf klappt nie. Jetzt braucht er Geld für den Rückflug. Echt oder Betrug? 2. Eine neue Bekanntschaft aus dem Internet möchte Ihnen helfen, Geld in Kryptowährung anzulegen. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  197. Buchseite 196

    Seite 196

    MERKSATZ

    Wer Sie liebt, braucht Ihr Geld nicht. Wer Ihr Geld braucht, liebt Sie nicht.

  198. Buchseite 197

    Seite 197

    KAPITEL 20

    Falsche Geldanlagen Hebel der Täter:

    Angst

    Zeitdruck

    Hoffnung

    So klingt es

    Es beginnt mit dem Video aus Kapitel 2. Ein bekanntes Gesicht empfiehlt eine Plattform. Sie tragen Ihre Telefonnummer ein, „nur für Informationen“. Am nächsten Tag ruft jemand an. „Guten Tag, Herr Hartmann, hier ist Markus Steiner, Ihr persönlicher Anlageberater. Sie haben sich gestern registriert, das war eine gute Entscheidung. Ich betreue Sie ab jetzt persönlich. Wir fangen klein an, mit 250 Euro, damit Sie sehen, wie es funktioniert. Ich richte Ihnen Ihr Konto ein und erkläre Ihnen alles, Schritt für Schritt.“ Herr Steiner ist freundlich, geduldig und hat Zeit. Er ruft jeden zweiten Tag an. Er richtet mit Ihnen zusammen ein Konto auf der Plattform ein. Auf dem 197

  199. Buchseite 198

    Seite 198

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    Bildschirm sehen Sie Ihre 250 Euro, und sie wachsen. Nach einer Woche sind es 340 Euro. Nach zwei Wochen 510. „Sehen Sie, Herr Hartmann? Das ist der Markt. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie hätten mit 10.000 angefangen. Sie haben doch bestimmt etwas auf dem Sparbuch, das dort nur verstaubt.“ Sie überweisen 10.000. Dann 25.000. Herr Steiner hilft Ihnen dabei, per Fernzugriff auf Ihrem Computer, „damit nichts schiefgeht“. Nach drei Monaten zeigt der Bildschirm 84.000 Euro. Sie möchten sich 5.000 auszahlen lassen, für ein neues Auto. „Natürlich, das ist Ihr Geld. Nur eine Formalität: Bei Auszahlungen über 50.000 Gesamtguthaben verlangt die Aufsicht eine Steuervorauszahlung von 12 Prozent. Das sind 10.080 Euro. Die überweisen Sie bitte auf das Verrechnungskonto, dann geht die Auszahlung sofort raus.“

  200. Buchseite 199

    Seite 199

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    Sie zahlen die Steuer. Die Auszahlung kommt nicht. Es gibt eine weitere Gebühr. Dann ist Herr Steiner nicht mehr erreichbar. Die Plattform zeigt noch 84.000 Euro, aber die Seite lässt sich nicht mehr öffnen.

    Was hier passiert Das ist die Masche, die in Deutschland die größten Schäden anrichtet, oft sechsstellig, oft die ganze Altersvorsorge. Sie hat drei Stufen, und jede Stufe hat ihren eigenen Hebel. Stufe 1: der Köder. Das Video, die Werbung, das kleine Einstiegsgeld. Der Hebel ist Hoffnung. 250 Euro tun nicht weh, und sie wachsen scheinbar. Die Zahlen auf dem Bildschirm sind erfunden. Dahinter steckt eine Internetseite, auf der jemand Zahlen eintippt, ohne Konto, Handel oder Gewinn. Stufe 2: der Berater. Herr Steiner ist das Herz der Masche. Er ist ein geschulter Verkäufer in einem Callcenter, oft im Ausland, mit einem Drehbuch, das an tausenden Menschen geübt wurde. Er ruft an, wenn Sie einsam sind, erinnert sich an Ihren Hund und wird zu einer Art Freund. 199

  201. Buchseite 200

    Seite 200

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    Und er drängt Sie Schritt für Schritt, mehr zu überweisen: das Sparbuch, die Lebensversicherung, ein Kredit, das Haus. Stufe 3: die Auszahlung. Sobald Sie Geld zurückwollen, schlägt die Masche um. Jetzt ist der Hebel Angst, Ihr Geld zu verlieren. Steuern, Gebühren, Versicherungen, Freischaltungen. Jede Zahlung soll die Auszahlung ermöglichen, und die Auszahlung kommt trotzdem nie. Das geht so lange, bis nichts mehr da ist oder Sie es merken. Eine neuere Form beginnt in einer WhatsApp-Gruppe. Ein angeblicher Professor und seine Assistentin teilen dort Börsentipps, andere Mitglieder jubeln über Gewinne. Viele dieser Mitglieder sind erfunden. Danach folgt dieselbe Treppe: erst kleine Scheingewinne, dann immer mehr Geld, am Ende keine Auszahlung.

  202. Buchseite 201

    Seite 201

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    84.000 €

    Steuer 12 Prozent

    10.000 €, 25.000 € 250 €

    Echt war nur das Geld, das Sie überwiesen haben.

    Das Wort Krypto Sehr oft geht es bei diesen Anlagen um „Kryptowährungen“ oder „Bitcoin“. Wie diese Währungen funktionieren, können Sie hier beiseitelassen. Wichtig ist, warum die Betrüger sie lieben: Wer Geld in Bitcoin umtauscht und wegschickt, kann es nicht zurückrufen, und auch die Bank kann es dann nicht mehr anhalten. Deshalb bittet Herr Steiner Sie, Ihr Geld erst bei einer echten 201

  203. Buchseite 202

    Seite 202

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    Bitcoin-Börse einzuzahlen und dann an eine Adresse weiterzuleiten. Die Börse ist echt, die Adresse am Ende gehört den Betrügern. Ab da ist das Geld kaum noch zurückzuholen. Wenn jemand Sie am Telefon anleitet, Bitcoin zu kaufen und irgendwohin zu schicken, ist es Betrug. Es gibt keinen ehrlichen Grund, warum ein Fremder das mit Ihnen tun sollte. So hilft der Computer den Betrügern

    Der Computer hilft in jeder Stufe. Das Video mit dem Prominenten ist gefälscht (Kapitel 2). Die Werbung wird Ihnen gezeigt, weil ein Programm weiß, dass Sie in Rente sind und Ersparnisse haben. Die Plattform ist in Minuten gebaut, mit erfundenen Kursen und Grafiken. Herr Steiner spricht akzentfrei, weil ein Programm ihm hilft. Und der Fernzugriff auf Ihren Computer (Kapitel 17) erlaubt ihm, Ihre Überweisungen selbst auszufüllen, während Sie zusehen. Manchmal auch Überweisungen, von denen Sie nichts wissen.

  204. Buchseite 203

    Seite 203

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    Daran erkennen Sie es

    Ein Prominenter oder eine Werbung im Internet führt Sie zu einer Geldanlage. Ehrliche Geldanlagen werben nicht mit gefälschten Videos. Ein „persönlicher Berater“ ruft Sie an, den Sie nie gesucht haben. Echte Berater haben ein Büro, in das Sie gehen können. Die Gewinne sind schnell und sicher. „Garantiert 30 Prozent im Monat.“ Solche Gewinne gibt es bei keiner seriösen Anlage. Sie sollen mehr einzahlen, immer mehr. Und Kredite aufnehmen. Kein seriöser Berater rät einem Rentner zu einem Kredit für eine Geldanlage. Sie sollen jemandem Fernzugriff auf Ihren Computer geben. Das ist immer ein Alarmzeichen (Kapitel 17). Eine Auszahlung kostet Gebühren oder Steuern vorab. Echte Steuern behält die Bank ein oder Sie zahlen sie ans Finanzamt, nie vorab an eine Plattform. 203

  205. Buchseite 204

    Seite 204

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    Sie sollen Bitcoin kaufen und weiterleiten. Ihre Bank warnt beim Überweisen, dass Name und Konto nicht zusammenpassen, und der Berater sagt, das sei normal.

    Das tun Sie

    Legen Sie Geld nur bei Ihrer Bank oder einem Berater an, den Sie persönlich besuchen können. Niemand, der Sie anruft, bekommt einen Cent. Wenn Sie ein Angebot prüfen wollen: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, warnt auf ihrer Internetseite vor unseriösen Anbietern. In ihrer Unternehmensdatenbank sehen Sie außerdem, ob eine Firma überhaupt eine Erlaubnis hat. Sie können auch am kostenlosen Verbrauchertelefon der BaFin nachfragen, die Nummer steht im Anhang. Steht ein Name auf der Warnliste, lassen Sie die Finger davon. Steht er nicht dort, heißt das noch nichts. Aber ein Anbieter, den niemand kennt, bekommt Ihr Geld auch nicht. 204

  206. Buchseite 205

    Seite 205

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    Wenn Sie schon eingezahlt haben: Zahlen Sie nichts mehr. Keine Steuer, keine Gebühr, keine Freischaltung. Das Geld auf dem Bildschirm existiert nicht, und keine Zahlung holt es zurück. Gehen Sie zur Polizei und zu Ihrer Bank. Was noch zu tun ist, steht in Teil 7.

    84.000 €

    Die Kurve malt Herr Steiner.

    Aus der Praxis

    Ich habe in meiner Arbeit oft Menschen gesehen, die diesen Weg bis zum Ende gegangen sind. Was mir am meisten aufgefallen ist: Fast alle sagten, sie hätten dem Berater vertraut wie einem Freund. Er hat 205

  207. Buchseite 206

    Seite 206

    Kapitel 20 · Falsche Geldanlagen

    monatelang mit ihnen gesprochen, sich nach der Gesundheit erkundigt, zum Geburtstag gratuliert. Das gehörte zu seiner Arbeit. Freundlichkeit über Wochen ist bei Geldanlagen eine Investition des Verkäufers. Er gibt Zeit, weil er weiß, dass sie sich auszahlt.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. In einer WhatsApp-Gruppe zeigt ein angeblicher Professor jeden Tag Gewinne. Die anderen Mitglieder jubeln. Sie sollen eine App installieren und einsteigen. Echt oder Betrug? 2. Ihr Konto auf einer Anlageplattform zeigt 40 Prozent Gewinn. Für die Auszahlung sollen Sie vorher Steuern überweisen. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  208. Buchseite 207

    Seite 207

    MERKSATZ

    Wer Sie anruft, um Ihr Geld anzulegen, will nicht anlegen. Er will abholen.

  209. Buchseite 208

    Seite 208

    KAPITEL 21

    Die zweite Falle Hebel der Täter:

    Hoffnung

    So klingt es

    Ein halbes Jahr nach dem Verlust: Sie haben Anzeige erstattet, mit niemandem sonst gesprochen und sich mit dem Verlust abgefunden. Dann ruft jemand an. „Guten Tag, Herr Hartmann, hier ist Rechtsanwältin Dr. Vogel von der Kanzlei Vogel & Partner. Wir vertreten geschädigte Anleger der Plattform, bei der Sie investiert haben. Die Betreiber wurden festgenommen, und die Behörden haben Vermögen eingefroren. Ihr Name steht auf der Liste der Geschädigten. Sie haben Anspruch auf 61.000 Euro. Wir wickeln die Rückzahlung ab. Es fällt lediglich eine Bearbeitungsgebühr von 2.400 Euro an, die vorab zu entrichten ist.“

  210. Buchseite 209

    Seite 209

    Kapitel 21 · Die zweite Falle

    Sie zahlen. Es kommt eine „Freischaltungsgebühr“. Dann eine „Steuer auf die Rückzahlung“. Frau Dr. Vogel ist geduldig und mitfühlend. Sie versteht, wie schwer das alles für Sie war. Andere Absender, dieselbe Masche: ein „Ermittler von Europol“, ein „Rückholexperte“ mit Internetseite und Kundenbewertungen, ein „Mitarbeiter der Plattform“, der sich „vom Betrug distanziert“, eine „Behörde für Anlegerschutz“, die es nicht gibt. Manche geben sich sogar als BaFin oder als Verbraucherzentrale aus, mit der echten Nummer im Display. Die BaFin ruft Privatpersonen nie von sich aus an. Die Verbraucherzentrale ruft nur an, wenn Sie selbst um einen Rückruf gebeten haben.

    Was hier passiert Diese Wendung tut am meisten weh: Die Täter kommen zurück, um denselben Menschen noch einmal zu bestehlen. Sie haben Ihren Namen, Ihre Nummer, die Höhe

  211. Buchseite 210

    Seite 210

    Kapitel 21 · Die zweite Falle

    Ihres Verlustes. Sie wissen genau, was Sie sich am meisten wünschen: Ihr Geld zurück. Und sie verkaufen Ihnen diese Hoffnung. Oft sind es dieselben Leute wie beim ersten Betrug, unter neuem Namen. Manchmal haben sie Ihre Daten an andere verkauft. Die „Liste der Geschädigten“ gibt es wirklich: Es ist die Kundenliste der Betrüger. So ist es wirklich: Wenn Behörden bei einem Betrugsverfahren Geld sicherstellen, erfahren Geschädigte das schriftlich, bei sehr vielen Geschädigten manchmal nur durch eine amtliche Bekanntmachung. Das Verfahren dauert Monate oder Jahre. Es ruft niemand an, und niemand verlangt eine Gebühr. Einen echten Anwalt suchen Sie selbst aus und beauftragen ihn in seiner Kanzlei.

  212. Buchseite 211

    Seite 211

    Kapitel 21 · Die zweite Falle

    Rettung:

    2.400 €

    Wer die Falltür geöffnet hat, verkauft jetzt das Seil.

  213. Buchseite 212

    Seite 212

    Kapitel 21 · Die zweite Falle

    So hilft der Computer den Betrügern

    Die Kanzlei hat eine Internetseite mit Fotos, Lebensläufen und Bewertungen, alles erfunden. Die „Behörde für Anlegerschutz“ hat ein Wappen und ein Aktenzeichen. Die Anruferin klingt nach Berlin, obwohl sie woanders sitzt. Und die Listen der Betrogenen werden zwischen Banden gehandelt wie Adressbücher. Wer einmal Opfer war, ist auf dem Markt am wertvollsten, weil er schon einmal vertraut hat.

    Daran erkennen Sie es

    Jemand meldet sich ungefragt und weiß von Ihrem Verlust. Diese Information haben außer Polizei und Bank nur die Täter selbst. Polizei und Bank rufen nicht an, um Rückzahlungen anzukündigen. Sie sollen vorab zahlen. Gebühr, Steuer, Freischaltung, Kaution. Jede Vorabzahlung an einen Anrufer ist Betrug.

  214. Buchseite 213

    Seite 213

    Kapitel 21 · Die zweite Falle

    Es geht schnell und sicher. „Das Geld ist schon reserviert.“ Echte Verfahren sind langsam und unsicher. Die Anruferin ist mitfühlend und versteht Ihre Lage. Das gehört zur Schulung: Die Täter wissen, dass Sie sich schämen, und nutzen es. Sie sollen wieder Bitcoin kaufen oder ein Programm installieren.

    Das tun Sie

    Legen Sie auf. Wer Sie ungefragt anruft, um Ihr Geld zurückzuholen, bekommt kein Geld von Ihnen. Wenn Sie wissen wollen, ob es in Ihrem Fall eine Entwicklung gibt: Rufen Sie die Polizeidienststelle an, bei der Sie Anzeige erstattet haben. Dort kennt man Ihre Akte. Ein echter Anwalt, den Sie beauftragen wollen, hat ein Büro in Ihrer Nähe, und Sie können hingehen. Jeder andere Weg führt in die zweite Falle. 213

  215. Buchseite 214

    Seite 214

    Kapitel 21 · Die zweite Falle

    Aus der Praxis

    Mir hat einmal jemand gesagt: „Beim ersten Mal war ich naiv. Beim zweiten Mal war ich verzweifelt.“ Ich glaube, das trifft es. Die zweite Falle funktioniert, weil der Verlust so schmerzt, dass jede Hoffnung willkommen ist. Die Hoffnung ist berechtigt, sie kommt aber per Post vom Gericht.

    Kurztest: Echt oder Betrug

    1. Eine Anwaltskanzlei ruft an. Ihr verlorenes Geld sei gefunden worden. Gegen eine Gebühr von 1.500 Euro bekämen Sie es zurück. Echt oder Betrug? 2. Ein Anrufer stellt sich als Mitarbeiter der BaFin vor. Im Display steht sogar die echte Nummer der BaFin. Echt oder Betrug? Die Auflösung steht im Anhang A8.

  216. Buchseite 215

    Seite 215

    MERKSATZ

    Wer ungefragt Ihr Geld zurückholen will, holt sich neues.

  217. Buchseite 216

    Seite 216

    ZUM ABSCHLUSS VON TEIL 6

    Drei Maschen, die Wochen dauern und mit Nähe, Freundschaft und Hoffnung arbeiten. Sie sind die teuersten in diesem Buch, weil sie Zeit haben. Aber Sie haben auch Zeit. Wer Ihnen eine Woche lang schreibt, kann auch eine Woche warten, bis Sie mit Ihrer Familie gesprochen haben.

  218. Buchseite 217

    Seite 217

    TEIL 7

    Wenn es passiert ist Es ist passiert. Jetzt zählt die nächste Stunde.

    Die erste Stunde

    Die Anzeige

    Über die Scham

  219. Buchseite 218

    Seite 218

    KAPITEL 22

    Die erste Stunde Jetzt zählt jede Minute

    Sie haben gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht gerade eben, vielleicht Tage später. Was Sie jetzt fühlen, ist Schreck, Scham, Wut auf sich selbst. All das darf sein, und es bekommt später seinen Platz. Jetzt gibt es vier Dinge, die Sie in dieser Reihenfolge tun. Sie stehen auch auf dem Notfallblatt hinten im Buch. Erstens: Karte sperren. Rufen Sie 116 116 an. Der Sperr-Notruf ist rund um die Uhr erreichbar, vom Festnetz kostenlos. Sagen Sie, welche Bank und welche Karte. Wenn Sie mehrere Karten haben, sperren Sie alle, bei denen Sie unsicher sind. Eine gesperrte Karte bekommen Sie schnell neu, und Ihr Konto bleibt geschützt. Zweitens: Bank anrufen. Unter der Nummer auf der Rückseite Ihrer Karte oder aus dem Telefonbuch. Sagen Sie: „Ich bin Opfer eines Betrugs geworden.“ Eine normale 218

  220. Buchseite 219

    Seite 219

    Kapitel 22 · Die erste Stunde

    Überweisung kann die Bank manchmal noch stoppen. Bei einer Echtzeitüberweisung kann sie nur noch versuchen, das Geld zurückzuholen. Sie kann Ihr Online-Banking sperren und Ihnen neue Zugangsdaten geben. Jede Stunde, die vergeht, macht das schwerer. Drittens: 110 anrufen. Sagen Sie kurz, was passiert ist. Die Polizei sagt Ihnen, wie es weitergeht und wo Sie Anzeige erstatten. Beweise und Rechtfertigungen verlangt dort niemand, und ausgelacht wird auch keiner. Viertens: Jemanden anrufen. Ihre Tochter, Ihren Sohn, eine Freundin oder den Nachbarn. Die ersten drei Schritte schaffen Sie allein. Trotzdem sollten Sie jetzt jemanden bei sich haben, denn vier Augen sehen mehr als zwei: die zweite Falle aus Kapitel 21, den nächsten Anruf, den nächsten Brief.

  221. Buchseite 220

    Seite 220

    Kapitel 22 · Die erste Stunde

    Vier Anrufe, in dieser Reihenfolge

    Karte sperren

    116 116

    Bank anrufen

    Nummer auf der Karte

    Polizei

    4 Familie

    die Nummer, die Sie kennen

    Was Sie nicht tun Nicht noch einmal zahlen. Auch keine „letzte Gebühr“, keine „Freischaltung“ und keine „Steuer“. Kein Cent holt verlorenes Geld zurück. Nicht ans Telefon gehen, wenn die Betrüger anrufen. Sie werden anrufen, freundlich sein und von einem Missverständnis sprechen. Legen Sie auf.

  222. Buchseite 221

    Seite 221

    Kapitel 22 · Die erste Stunde

    Nicht löschen. Nachrichten, E-Mails, Briefe, Überweisungsbelege und Notizen sind Beweise, heben Sie alles auf. Fotografieren Sie den Bildschirm mit dem Handy, das geht am schnellsten. Nicht schweigen. Scham ist das, worauf die Täter setzen. Wer schweigt, wird nicht gewarnt, wenn es weitergeht.

  223. Buchseite 222

    Seite 222

    MERKSATZ

    116 116, die Bank, die 110, die Familie. Alles andere hat Zeit.

  224. Buchseite 223

    Seite 223

    KAPITEL 23

    Die Anzeige Viele Menschen erstatten keine Anzeige, weil sie sich schämen, weil sie glauben, es bringe nichts, oder weil sie nicht wissen, wie es geht. Zu allen drei Punkten gibt es etwas zu sagen. Zur Scham: Bei der Polizei nimmt niemand eine Betrugsanzeige mit Kopfschütteln auf. Wir sehen diese Fälle jede Woche, bei Menschen jeden Alters und jeder Bildung. Für uns sind Sie ein Zeuge, und Sie helfen uns. Zum Nutzen: Es stimmt, dass viele Täter im Ausland sitzen und nicht jeder Fall aufgeklärt wird. Aber die Anzeige hat auch dann einen Wert. Erstens: Sie brauchen sie für Ihre Bank, für Ihre Versicherung, für Ihr Geld, falls später etwas zurückkommt. Zweitens: Ihr Fall ist ein Puzzleteil. Aus vielen Anzeigen entsteht das Bild einer Bande, ihrer Konten, ihrer Telefonnummern. Manche Banden werden nur gefasst, weil hundert Menschen angezeigt haben.

  225. Buchseite 224

    Seite 224

    Kapitel 23 · Die Anzeige

    Drittens: Ihre Anzeige schützt andere. Konten werden gesperrt, Internetseiten abgeschaltet, Warnungen veröffentlicht. Zum Weg: Es gibt drei. 1. Anrufen: im Notfall die 110, sonst die Wache in Ihrer Nähe (Nummer im Telefonbuch). Dort sagt man Ihnen, wie Sie am einfachsten Anzeige erstatten. 2. Hingehen. Jede Polizeiwache nimmt Anzeigen auf. Nehmen Sie alles mit, was Sie haben: Briefe, Kontoauszüge, Notizen, Ihr Handy. 3. Schriftlich oder im Internet. Jedes Bundesland hat eine Onlinewache, in manchen heißt sie Internetwache. Alle erreichen Sie über portal.onlinewache.polizei.de. Das geht bequem von zu Hause aus, ist aber nichts für Notfälle.

    Was Sie mitbringen sollten Wann hat es angefangen? Datum, ungefähre Uhrzeit. Wie haben die Täter Sie erreicht? Telefon, Brief, Handy, Internet. 224

  226. Buchseite 225

    Seite 225

    Kapitel 23 · Die Anzeige

    Welche Namen, Nummern, Adressen wurden genannt? Wie viel Geld ging wohin? Kontoauszüge, Überweisungsbelege, Bitcoin-Adressen, wenn vorhanden. Was haben Sie noch? Nachrichten, E-Mails, Briefe, Fotos vom Bildschirm. Was danach passiert: Sie bekommen ein Aktenzeichen. Bewahren Sie es auf. Die Polizei ermittelt, die Staatsanwaltschaft entscheidet. Das dauert, oft Monate. Sie werden schriftlich informiert. Wenn jemand anruft und sich auf Ihre Anzeige beruft, um Geld von Ihnen zu bekommen, lesen Sie Kapitel 21: Das ist die zweite Falle.

  227. Buchseite 226

    Seite 226

    Kapitel 23 · Die Anzeige

    Ihre Anzeige ist ein Teil. Aus vielen Teilen wird ein Täter.

  228. Buchseite 227

    Seite 227

    MERKSATZ

    Eine Anzeige ist kein Eingeständnis. Sie ist eine Aussage. Und sie hilft dem Nächsten.

  229. Buchseite 228

    Seite 228

    KAPITEL 24

    Über die Scham In diesem Kapitel geht es ums Verstehen. Fast jeder Mensch, der betrogen wurde, sagt am Ende denselben Satz: „Wie konnte ich nur.“ Ich habe diesen Satz von Lehrern gehört, von Ärztinnen, von einem Mann, der vierzig Jahre lang Buchhalter war, und von Menschen, die klüger sind als ich. Die Antwort ist immer dieselbe: Sie konnten, weil Sie ein Mensch sind. Sie haben Ihrem Kind geglaubt, weil Sie es lieben, der Polizei, weil Sie ihr vertrauen, und einem Menschen, der Ihnen wochenlang zugehört hat, weil Zuhören etwas Kostbares ist. Nichts davon ist eine Schwäche. Die Täter haben Ihre besten Eigenschaften gegen Sie verwendet. Das Verbrechen liegt bei den Tätern. Scham ist trotzdem da, und sie ist gefährlich, aus zwei Gründen. Erstens: Scham macht stumm, und wer schweigt, wird nicht gewarnt, bekommt keine Hilfe und ist für den nächsten Betrug leichter zu erreichen. Die zweite Falle aus 228

  230. Buchseite 229

    Seite 229

    Kapitel 24 · Über die Scham

    Kapitel 21 funktioniert nur bei Menschen, die niemandem erzählt haben, was passiert ist. Zweitens: Scham führt in den Rückzug. Von den Kindern, von Freunden, von allem, was einem Betrüger im Weg stünde. Das wollen die Täter.

    Wie Sie es Ihrer Familie sagen Ein Satz, der sich bewährt hat: „Ich muss dir etwas erzählen, und ich brauche dabei deine Hilfe.“ Die meisten Kinder erschrecken zuerst und helfen dann. Wenn doch ein Vorwurf kommt, dann meist aus Angst um Sie. Auch das darf man sagen: „Ich weiß. Ich schäme mich genug. Lass uns nach vorn schauen.“

    Wo Sie sonst noch reden können Der WEISSE RING hilft Opfern von Straftaten, kostenlos, auch beim Umgang mit Behörden und beim Gespräch. Nummer im Anhang. Die Verbraucherzentrale hilft bei Verträgen, Widerruf und Forderungen. Das Seniorenbüro Ihrer Stadt oder Gemeinde kennt oft Gesprächsgruppen und Beratungen vor Ort. 229

  231. Buchseite 230

    Seite 230

    Kapitel 24 · Über die Scham

    Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht erreichbar, kostenlos und anonym. Nummern im Anhang. Wer sich einsam fühlt und einfach reden möchte, erreicht das Silbernetz täglich kostenlos. Nummer im Anhang. Ihr Hausarzt. Ein großer Verlust kann krank machen, er schlägt auf Schlaf, Appetit und Herz. Auch das darf man ansprechen.

    Der erste Schritt nach einem Betrug ist ein Gespräch. Die Stühle stehen schon da.

  232. Buchseite 231

    Seite 231

    Kapitel 24 · Über die Scham

    Aus der Praxis

    Eines habe ich in meiner Arbeit gelernt: Den Menschen, die nach einem Betrug am schnellsten darüber gesprochen haben, geht es am besten, unabhängig davon, wie viel sie verloren haben. Geld lässt sich verschmerzen. Die Menschen, denen man es erzählen kann, dürfen nicht verloren gehen.

  233. Buchseite 232

    Seite 232

    MERKSATZ

    Sie waren nicht dumm. Sie waren ein Mensch. Und Sie sind es immer noch.

  234. Buchseite 233

    Seite 233

    ANHANG

    Zum Heraustrennen und Nachschlagen Dieser Teil liegt neben dem Telefon, wenn das Buch im Regal steht. A1

    Das Notfallblatt

    A2

    Die Codewort-Karte

    A3

    Sätze, die Sie sagen dürfen

    A4 Für Angehörige

    A5 Kleines Wörterbuch

    A6 Hilfe und Anlaufstellen

    A7

    Mein Sicherheitsplan

    A8 Auflösungen der Kurztests

    A9 Zum Autor

  235. Buchseite 234

    Seite 234

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

  236. Buchseite 235

    Seite 235

    ANHANG A1

    Das Notfallblatt Für neben das Telefon oder an den Kühlschrank. An der gestrichelten Linie am Innenrand abschneiden oder kopieren. Die Rückseite ist leer.

    Wenn es passiert ist:

    Karte sperren Sperr-Notruf

    Bank anrufen Meine Bank

    Polizei Notruf

    Familie

    116 116

    Bevor es passiert: Wer Druck macht: auflegen. Wer Geld will: selbst zurückrufen, unter der Nummer, die ich kenne. Wer als Familie anruft und Geld will: nach unserem Codewort fragen. Wer etwas abholen will: Tür zu, 110 anrufen. Wer meine PIN will: niemals. Meine Bank fragt nicht danach. Hilfe und Rat: WEISSER RING 116 006 · polizei-beratung.de

  237. Buchseite 236

    Seite 236

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

  238. Buchseite 237

    Seite 237

    ANHANG A2

    Die Codewort-Karte Erst die Seite an der gestrichelten Linie am Innenrand abschneiden, dann die Karten ausschneiden: eine für die Schublade am Telefon, eine für die Geldbörse. Die Rückseite ist leer.

    Unser Codewort Wer es nicht kennt, ist nicht die Familie. Auch nicht mit der richtigen Stimme. Auflegen. Selbst zurückrufen.

    Unser Codewort Wer es nicht kennt, ist nicht die Familie. Auch nicht mit der richtigen Stimme. Auflegen. Selbst zurückrufen. Wie Sie das Wort mit der Familie vereinbaren, steht in Kapitel 1. Das Wichtigste: Wer in Not anruft, sagt das Wort zuerst. Sie selbst nennen es nie.

  239. Buchseite 238

    Seite 238

    Diese Seite ist leer oder enthält nur eine Abbildung.

  240. Buchseite 239

    Seite 239

    ANHANG A3

    Sätze, die Sie sagen dürfen Viele Menschen bleiben am Telefon oder an der Tür, weil sie höflich sein wollen. Mit diesen Sätzen beenden Sie jedes Gespräch freundlich und bestimmt. Lesen Sie sie einmal laut, am besten mit jemandem aus der Familie. Dann kommen sie im Ernstfall von selbst.

    Am Telefon „Ich rufe Sie gleich zurück.“ Dann legen Sie auf und wählen selbst die Nummer, die Sie kennen. „Am Telefon entscheide ich nichts.“ „Das bespreche ich zuerst mit meiner Familie.“ „Wie heißt unser Codewort?“ Wer es nicht sagen kann, bekommt nichts.

  241. Buchseite 240

    Seite 240

    Anhang A3 · Sätze, die Sie sagen dürfen

    „Ich habe nicht mitgespielt.“ Für jeden angeblichen Gewinn. „Nein, danke.“ Und dann legen Sie auf. Auflegen ist immer erlaubt.

    An der Tür „Ich lasse niemanden herein, den ich nicht bestellt habe.“ „Warten Sie bitte draußen, ich rufe Ihre Firma an.“ „Warten Sie hier, ich bringe Ihnen ein Glas Wasser.“ Die Tür schließen Sie dabei.

    Bei Verträgen und Briefen „Schicken Sie mir das per Post.“ „Ich bestreite die Forderung.“ Ein Satz genügt, per Brief, mit Datum und Unterschrift.

    Am Geldautomaten „Bitte warten Sie hinter der Linie.“ 240

  242. Buchseite 241

    Seite 241

    ANHANG A4

    Für Angehörige Liebe Kinder, liebe Enkel, wenn Sie dieses Buch verschenkt haben, haben Sie das Wichtigste schon getan: Sie haben das Thema auf den Tisch gelegt. Hier sind fünf Dinge, mit denen Sie weitergehen können. 1. Sprechen Sie darüber, ohne zu bevormunden. Der Satz „Du darfst nicht mehr ans Telefon gehen“ hilft nicht. Er kränkt, und er wird nicht befolgt. Besser: „Mir ist neulich so eine Nachricht gekommen, hast du so was auch schon bekommen?“ Erzählen Sie von sich. Fragen Sie nach Erlebnissen. Die meisten Älteren haben schon Anrufe bekommen und nie davon erzählt. 2. Vereinbaren Sie das Codewort. Es dauert fünf Minuten und schützt gegen die teuersten Maschen im Buch. Machen Sie ein kleines Ritual daraus. Und sagen Sie den Satz, der alles trägt: „Wenn ich dich jemals um Geld bitte, ohne das Wort zu sagen, bin ich es nicht.“ Fragen Sie das 241

  243. Buchseite 242

    Seite 242

    Anhang A4 · Für Angehörige

    Wort danach ab und zu im Spaß ab, beim Kaffee oder am Telefon. Spielen Sie auch einmal einen Schockanruf durch, gern mit vertauschten Rollen. Wer die Sätze einmal laut gesagt hat, findet sie im Ernstfall leichter. 3. Schauen Sie, was von Ihrer Stimme im Netz ist. Sprachnachrichten in Gruppen, Videos auf Instagram oder TikTok, Interviews, Podcasts: Das ist das Rohmaterial für geklonte Stimmen. Löschen müssen Sie deshalb nichts. Rechnen Sie aber damit, dass Ihre Stimme kopiert werden kann, und vereinbaren Sie das Codewort.

    4. Gehen Sie die Einstellungen gemeinsam durch. Die wichtigsten Nummern als Favoriten speichern, mit Foto: Kinder, Enkel, Bank, Hausarzt. Die 116 116 und die 110 gleich mit. Unbekannte Nummern stumm schalten, wenn das Handy es kann. Vorher Hausarzt, Pflegedienst und Familie in die Kontakte eintragen, damit sie weiter durchkommen.

  244. Buchseite 243

    Seite 243

    Anhang A4 · Für Angehörige

    Die Kamera so einstellen, dass sie bei QR-Codes zuerst die Adresse zeigt. Bei WhatsApp die zweistufige Verifizierung einschalten. Dann kann niemand das Konto mit einem erschlichenen Code übernehmen. Beim Mobilfunkanbieter die Drittanbietersperre verlangen. Sie ist kostenlos und verhindert teure Abos über die Handyrechnung. Bei der Bank ein Limit für Überweisungen einrichten lassen. Für Echtzeitüberweisungen muss die Bank das auf Wunsch anbieten. Ein Limit von 1.000 Euro begrenzt große Schäden, ohne den Alltag zu stören. Im Telefonbuch den Vornamen abkürzen oder weglassen lassen (Kapitel 5). Wer mag, sperrt am Router des Festnetzes Anrufe mit unterdrückter Nummer. Dann kommen allerdings auch manche echten Anrufe nicht durch, etwa aus einer Klinik.

  245. Buchseite 244

    Seite 244

    Anhang A4 · Für Angehörige

    Schritt für Schritt am Handy Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Gerät und Version etwas. Im Zweifel suchen Sie in den Einstellungen mit der Lupe nach dem Stichwort. Unbekannte Anrufer stumm schalten, iPhone: Einstellungen öffnen, dann Apps, dann Telefon. Dort die Einstellung für unbekannte Anrufer auf Stummschalten stellen. Unbekannte Anrufer, Android: In der Telefon-App oben auf die drei Punkte tippen, dann Einstellungen, dann Blockierte Nummern. Dort Unbekannt einschalten. Favoriten, iPhone: Telefon-App öffnen, unten auf Favoriten tippen, oben auf das Plus, dann den Kontakt wählen. Favoriten, Android: Den Kontakt öffnen und auf den Stern tippen. WhatsApp absichern: In WhatsApp die Einstellungen öffnen, dann Account, dann Verifizierung in zwei Schritten. Eine sechsstellige PIN wählen und eine E-Mail-Adresse hinterlegen. 244

  246. Buchseite 245

    Seite 245

    Anhang A4 · Für Angehörige

    Drittanbietersperre: Beim Mobilfunkanbieter anrufen oder im Kundenkonto einrichten. Sie ist kostenlos. Überweisungslimit: In der Banking-App unter Limits oder Einstellungen, sonst in der Filiale. Tragen Sie danach im Sicherheitsplan (Anhang A7) ein, was erledigt ist. 5. Sorgen Sie dafür, dass die Tür zu bleibt. Türspion und Türkette sind das beste Geschenk für 30 Euro. Ein Schild neben der Klingel „Keine Haustürgeschäfte“ hilft ebenfalls. Und ein Satz, den Sie gemeinsam üben können: „Ich lasse niemanden herein, den ich nicht bestellt habe.“ Wenn es passiert ist: Bitte keine Vorwürfe. Ihre Eltern schämen sich mehr, als Sie ahnen. Was sie brauchen, steht in Teil 7. Was Sie tun können: dabei sein, mit zur Polizei gehen, die Onlinewache ausfüllen helfen, und in den nächsten Wochen aufmerksam bleiben, weil die zweite Falle (Kapitel 21) sehr wahrscheinlich kommt.

  247. Buchseite 246

    Seite 246

    Anhang A4 · Für Angehörige

    Unser Codewort

    Fünf Minuten am Sonntag genügen für den besten Schutz.

  248. Buchseite 247

    Seite 247

    ANHANG A5

    Kleines Wörterbuch Wort

    Was es heißt

    App

    Ein kleines Programm auf dem Handy, zum Beispiel für Ihre Bank.

    Banking-App

    Das Programm Ihrer Bank auf dem Handy. Nur Sie öffnen es. Nie auf Anweisung eines Anrufers.

    Bitcoin, Krypto

    Ein Geld, das es nur im Computer gibt. Einmal weggeschickt, kommt es fast nie zurück. Betrüger lieben es deshalb.

    Codewort

    Ein Wort, das nur Ihre Familie kennt. Wer in Not anruft, sagt es zuerst.

    Deepfake

    Ein vom Computer gefälschtes Video oder Bild, das echt aussieht. Im Buch: die Maske.

    Drittanbietersperre

    Eine kostenlose Sperre beim Mobilfunkanbieter. Sie verhindert teure Abos über die Handyrechnung.

  249. Buchseite 248

    Seite 248

    Anhang A5 · Kleines Wörterbuch

    Wort

    Was es heißt

    Echtzeitüberweisung

    Eine Überweisung, die in Sekunden beim Empfänger ist. Sie lässt sich kaum zurückholen. Ein Limit schützt.

    Empfängerüberprüfung Ihre Bank prüft vor jeder Überweisung, ob Name und IBAN zusammenpassen. Kommt eine Warnung: abbrechen. Fernzugriff

    Wenn jemand von außen Ihren Computer oder Ihr Handy steuern kann. Bekommt nur, wer an Ihrem Küchentisch sitzen dürfte. Bekannte Programme dafür heißen zum Beispiel AnyDesk oder TeamViewer. Die Programme selbst sind harmlos. Gefährlich ist, wer sie Ihnen empfiehlt.

    Freigabe, TAN

    Die Bestätigung einer Überweisung auf dem Handy. Sie bestätigt nur, was Sie selbst eingegeben haben.

    Inkasso

    Eine Firma, die Geld für andere eintreibt. Darf mahnen, aber ohne Gericht nichts pfänden.

  250. Buchseite 249

    Seite 249

    Anhang A5 · Kleines Wörterbuch

    Wort

    Was es heißt

    KI, künstliche Intelligenz

    Programme, die sprechen, schreiben und Bilder machen können, als wären sie Menschen. Im Buch: Papagei, Maske, Sekretär.

    KUNO-Sperre

    Eine zusätzliche Sperre für eine gestohlene Karte, die Sie bei der Polizei erbitten. Sie gilt für Zahlungen mit Unterschrift.

    Mahnbescheid

    Ein Brief vom Gericht, meist im gelben Umschlag. Ein Inkassobüro kann keinen verschicken. Im Zweifel beim Gericht nachfragen.

    Phishing

    Nachrichten mit Links, die auf gefälschte Seiten führen. Im Buch: der Angelhaken.

    PIN, Geheimzahl

    Die Zahl zu Ihrer Karte. Steht nur in Ihrem Kopf. Niemand fragt danach, außer dem Automaten und der Kasse im Geschäft.

    QR-Code

    Ein schwarz-weißes Quadrat, das eine Internetadresse enthält. Man sieht nicht, wohin es führt. Ungefragte werden nicht gescannt.

  251. Buchseite 250

    Seite 250

    Anhang A5 · Kleines Wörterbuch

    Wort

    Was es heißt

    Stimmklonen, Voice Cloning

    Wenn ein Computer eine Stimme nachmacht. Braucht nur wenige Sekunden Aufnahme. Im Buch: der Papagei.

    Vorkasse

    Zahlen, bevor man die Ware hat. Bei unbekannten Shops: Finger weg.

    Widerruf

    Ihr Recht, einen Vertrag von der Haustür, vom Telefon oder aus dem Internet innerhalb von 14 Tagen rückgängig zu machen. Am sichersten schriftlich, per Einschreiben. Bei Online-Verträgen gibt es dafür inzwischen eine Schaltfläche „Vertrag widerrufen“.

  252. Buchseite 251

    Seite 251

    ANHANG A6

    Hilfe und Anlaufstellen Wofür

    Wer und wie

    Gefahr jetzt, Betrug läuft gerade

    Polizei 110, rund um die Uhr. Die echte Polizei ruft nie mit der 110 an.

    Karte oder Online-Banking sperren

    Sperr-Notruf 116 116, rund um die Uhr, vom Festnetz kostenlos. Aus dem Ausland: +49 116 116

    Karte gestohlen

    Polizeiwache Anzeige erstatten und um eine KUNO-Sperre bitten

    Hilfe als Opfer, Gespräch, Begleitung

    WEISSER RING 116 006, täglich 7 bis 22 Uhr, kostenlos und anonym. weisser-ring.de

    Anzeige ohne Eile

    Onlinewache der Polizei portal.onlinewache.polizei.de

    Geldanlage oder Anbieter prüfen

    BaFin Verbrauchertelefon 0800 2 100 500, Mo bis Fr 8 bis 18 Uhr, kostenlos. Warnungen und Unternehmensdatenbank auf bafin.de

  253. Buchseite 252

    Seite 252

    Anhang A6 · Hilfe und Anlaufstellen

    Wofür

    Wer und wie

    Verträge, Inkasso, Online-Shops, verdächtige E-Mails

    Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes verbraucherzentrale.de mit Inkasso-Check und Fakeshop-Finder. Verdächtige E-Mails weiterleiten an phishing@verbraucherzentrale.nrw. Beratung teils kostenpflichtig

    Computer, Handy, Internet

    BSI 0800 274 1000, Mo bis Do 8 bis 17 Uhr, Fr 8 bis 16 Uhr, kostenlos

    Werbeanrufe, Bundesnetzagentur gefälschte Nummern Beschwerde-Formular auf bundesnetzagentur.de Aktuelle Maschen, Warnungen

    Polizeiliche Kriminalprävention polizei-beratung.de

    Einsamkeit, einfach reden (ab 60)

    Silbernetz 0800 4 70 80 90, täglich 8 bis 22 Uhr, kostenlos

    Sorgen, Tag und Nacht

    TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123, kostenlos

    Beratung und Gruppen vor Ort

    Seniorenbüro seniorenbueros.org, dort nach Ort suchen

    Neues zum Buch, neue Maschen

    Tobias Kremp digitale-enteignung.de/hey-omi

  254. Buchseite 253

    Seite 253

    ANHANG A7

    Mein Sicherheitsplan Füllen Sie diese Seiten am besten gemeinsam mit Ihrer Familie aus. Dann steht alles, was Sie im Ernstfall brauchen, an einem Ort. Das Codewort selbst schreiben Sie nicht hinein.

    Meine Familie und Vertrauenspersonen Name

    Wer ist das

    Telefon

  255. Buchseite 254

    Seite 254

    Meine Bank und meine Karten Meine Bank Telefon der Bank, von der Kartenrückseite Mein Ansprechpartner in der Filiale Karte sperren, rund um die Uhr

    116 116

    Überweisungslimit eingerichtet am Höhe des Limits

    Wichtige Nummern in meiner Nähe Polizei im Notfall Polizeiwache in meiner Nähe Hausarzt Nachbarin oder Nachbar Verbraucherzentrale

  256. Buchseite 255

    Seite 255

    Unsere Absprachen Haken setzen und das Datum eintragen, wenn es erledigt ist.

    Codewort vereinbart (das Wort steht nicht hier) Den Satz ausgesprochen: „Wenn ich dich um Geld bitte, ohne das Wort zu sagen, bin ich es nicht.“ Wichtige Nummern im Handy als Favoriten gespeichert Unbekannte Anrufer stumm geschaltet WhatsApp mit einer PIN geschützt Drittanbietersperre beim Mobilfunkanbieter Überweisungslimit bei der Bank Vorname im Telefonbuch abgekürzt Notfallblatt hängt am Kühlschrank Codewort-Karte liegt in der Schublade am Telefon

    Mein Satz für unangenehme Anrufe Ein Satz, der zu Ihnen passt. Anregungen finden Sie im Anhang A3.

  257. Buchseite 256

    Seite 256

    Auffrischen Gehen Sie den Plan ab und zu gemeinsam durch, zum Beispiel an Geburtstagen. Fragen Sie das Codewort ab und spielen Sie einen Anruf durch. Datum

    Was wir geübt haben

    Wer war dabei

  258. Buchseite 257

    Seite 257

    ANHANG A8

    Auflösungen der Kurztests Kapitel 1 1. Betrug. Die Stimme ist kein Beweis, und ohne Codewort gibt es kein Geld. Legen Sie auf und rufen Sie Ihren Enkel unter der Nummer an, die Sie kennen. 2. Echt. Niemand verlangt etwas von Ihnen. Wachsam werden Sie, sobald Geld, Daten oder Eile ins Spiel kommen.

    Kapitel 2 1. Betrug. Prominente werben nicht für Geldanlagen. Die Empfehlung allein verrät die Fälschung. 2. Betrug. Solche Arztvideos sind oft gefälscht, und die Frist soll Sie drängen. Fragen Sie Ihren Hausarzt, bevor Sie etwas bestellen.

  259. Buchseite 258

    Seite 258

    Anhang A8 · Auflösungen der Kurztests

    Kapitel 3 1. Betrug. Frist, Drohung und QR-Code sind die Zeichen. Rufen Sie Ihre Bank unter der Nummer auf Ihrer Karte an. 2. Wahrscheinlich echt. Der Brief will keine Daten und setzt keine Frist. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie in der Filiale nach.

    Kapitel 4 1. Betrug. Die Polizei fordert am Telefon keine Kaution, und niemand holt Geld ab. Legen Sie auf, rufen Sie Ihr Kind selbst an und dann die 110. 2. Wahrscheinlich echt, denn niemand will Geld. Rufen Sie trotzdem selbst im Krankenhaus an, mit der Nummer aus dem Telefonbuch, und fragen Sie nach der Station.

    Kapitel 5 1. Betrug. Den Namen haben Sie ihm selbst geliefert. Raten Sie nie. Legen Sie auf und rufen Sie selbst zurück. 2. Echt. Er nennt das Wort von sich aus und will kein Geld. Genau so ist es vereinbart. 258

  260. Buchseite 259

    Seite 259

    Anhang A8 · Auflösungen der Kurztests

    Kapitel 6 1. Betrug. Die echte Polizei ruft nie mit der 110 im Display an und holt keine Wertsachen ab. 2. Wahrscheinlich echt. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen und fragen bei der 110 nach, ob die Beamten im Einsatz sind. So lange bleibt die Tür zu.

    Kapitel 7 1. Betrug. Ihre Bank lässt Sie am Telefon nie etwas freigeben. Lehnen Sie die Freigabe ab und rufen Sie die Bank unter der Nummer auf Ihrer Karte an. 2. Sehr verdächtig. Nehmen Sie die Warnung ernst und brechen Sie die Überweisung ab. Fragen Sie beim Handwerker unter der Nummer nach, die Sie aus der Rechnung oder dem Telefonbuch kennen.

    Kapitel 8 1. Betrug. Wer gewonnen hat, zahlt nichts. Gutscheinkarten als Zahlung sind ein sicheres Zeichen.

  261. Buchseite 260

    Seite 260

    Anhang A8 · Auflösungen der Kurztests

    2. Betrug. Wer nicht mitgespielt hat, gewinnt nichts. An der Sondernummer verdienen die Absender.

    Kapitel 9 1. Sehr verdächtig. Lassen Sie ihn draußen warten und rufen Sie die Stadtwerke unter der Nummer an, die Sie selbst heraussuchen. 2. Wahrscheinlich echt. Er ist angekündigt und nennt seinen Namen. Im Zweifel rufen Sie beim Betrieb an, mit der Nummer aus dem Telefonbuch.

    Kapitel 10 1. Das ist ein bekanntes Muster, um in die Wohnung zu kommen. Reichen Sie das Wasser nach draußen und schließen Sie die Tür, solange Sie es holen. 2. Sehr verdächtig. Niemand muss dafür in Ihre Wohnung. Lassen Sie die Tür zu und fragen Sie bei Ihrem Vermieter oder Ihren Nachbarn nach.

  262. Buchseite 261

    Seite 261

    Anhang A8 · Auflösungen der Kurztests

    Kapitel 11 1. Nehmen Sie zuerst Ihre Karte an sich. Die Hand bleibt über der Tastatur. Der Satz dazu: „Bitte warten Sie hinter der Linie.“ 2. Falsch. Rufen Sie sofort die 116 116 an. Danach zeigen Sie den Diebstahl bei der Polizei an und bitten um eine KUNO-Sperre.

    Kapitel 12 1. Unterschreiben Sie nichts an der Tür. Sagen Sie: „Schicken Sie mir das per Post.“ 2. Nein. Sie können 14 Tage lang widerrufen, am sichersten per Einschreiben. Die Verbraucherzentrale hilft beim Brief.

    Kapitel 13 1. Sehr wahrscheinlich Betrug. Zahlen Sie nicht und bestreiten Sie die Forderung per Brief. Den Inkassobrief können Sie mit dem Inkasso-Check der Verbraucherzentrale prüfen.

  263. Buchseite 262

    Seite 262

    Anhang A8 · Auflösungen der Kurztests

    2. Nicht wegwerfen. Rufen Sie beim Mahngericht an, unter einer Nummer, die Sie selbst heraussuchen. Ist der Bescheid echt und die Forderung falsch, legen Sie Widerspruch ein. Er muss innerhalb von zwei Wochen beim Gericht ankommen.

    Kapitel 14 1. Betrug. Rufen Sie bei der Rentenversicherung an, unter der Nummer auf Ihrem letzten echten Bescheid. 2. Sehr wahrscheinlich Betrug. Geben Sie die Nummer am Telefon nicht heraus und rufen Sie Ihre Pflegekasse selbst an.

    Kapitel 15 1. Betrug. Rufen Sie Ihr Kind unter der alten Nummer an, die Sie kennen. 2. Betrug. Das Konto Ihrer Freundin wurde übernommen. Geben Sie den Code nie weiter und rufen Sie Ihre Freundin an.

  264. Buchseite 263

    Seite 263

    Anhang A8 · Auflösungen der Kurztests

    Kapitel 16 1. Betrug. Paketdienste verlangen solche Gebühren nicht per SMS-Link. Tippen Sie nicht darauf. 2. Betrug. Eine Nachricht von einer Firma, bei der Sie nicht Kunde sind, können Sie löschen.

    Kapitel 17 1. Betrug. Rufen Sie die Nummer nicht an. Schalten Sie den Computer aus und wieder ein. Wenn das Fenster bleibt, fragen Sie jemanden, dem Sie vertrauen. 2. Betrug. Microsoft ruft niemanden an. Legen Sie auf und geben Sie niemandem Fernzugriff.

    Kapitel 18 1. Sehr verdächtig. Prüfen Sie den Shop mit dem Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale und kaufen Sie nur auf Rechnung oder mit Käuferschutz. 2. Betrug. Wer Geld bekommt, gibt keine Kartendaten ein.

  265. Buchseite 264

    Seite 264

    Anhang A8 · Auflösungen der Kurztests

    Kapitel 19 1. Betrug. Wer Sie nie getroffen hat und Geld braucht, bekommt keines. Sprechen Sie mit jemandem darüber. Die Polizei berät kostenlos. 2. Betrug. Liebe und Geldanlage zusammen sind ein festes Muster. Lassen Sie sich auf keine Plattform führen.

    Kapitel 20 1. Betrug. Viele der Mitglieder sind erfunden. Prüfen Sie jeden Anbieter auf der Warnliste der BaFin. 2. Betrug. Steuern zahlt man nie vorab an eine Plattform. Überweisen Sie nichts mehr und melden Sie sich bei der Polizei.

    Kapitel 21 1. Betrug. Oft versuchen es dieselben Täter ein zweites Mal. Behörden informieren schriftlich und verlangen keine Gebühr. 2. Betrug. Die BaFin ruft Privatpersonen nie von sich aus an. Die Nummer im Display kann gefälscht sein.

  266. Buchseite 265

    Seite 265

    ANHANG A9

    Zum Autor Tobias Kremp ist seit mehr als 13 Jahren im Polizeidienst tätig. Er kennt die Maschen der Täter und weiß, wie überzeugend sie klingen können. Als freier Autor schreibt er über Betrug, Manipulation und den Schutz davor und veröffentlicht regelmäßig in Fachmedien. Mit diesem Buch wendet er sich zum ersten Mal an die Generation 60+. Entstanden ist es aus vielen Gesprächen, in denen ein Satz immer wieder fiel: „Wie konnte ich nur.“ Es ist für alle geschrieben, die diesen Satz nie sagen müssen. Und für alle, die ihn schon gesagt haben und wissen sollen: Sie sind damit nicht allein.

  267. Buchseite 266

    Seite 266

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  268. Buchseite 267

    Seite 267

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  269. Buchseite 268

    Seite 268

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  270. Umschlag hinten mit Klappentext

Inhalt

Ein Klick auf eine Zeile blättert zu dieser Seite. Wo ein Ratgeber genannt ist, finden Sie die Masche zusätzlich als kostenlose Seite mit Quellen und aktuellem Stand.

  1. Schnellfinder: Wenn gerade etwas passiert8
  2. Einleitung: Die Betrüger haben neue Werkzeuge11
  3. Teil 1: Was die Computer der Betrüger heute könnenRatgeber: Betrug mit KI21
  4. 1Stimmen nachmachenRatgeber: KI-Stimme erkennen22
  5. 2Gesichter und Videos fälschenRatgeber: Das KI-Video33
  6. 3Perfekte Briefe und NachrichtenRatgeber: Gefälschte Briefe41
  7. Teil 2: Am Telefon51
  8. 4Der SchockanrufRatgeber: Schockanruf mit KI-Stimme52
  9. 5Der EnkeltrickRatgeber: Der KI-Enkeltrick60
  10. 6Falsche PolizeibeamteRatgeber: Falsche Polizisten68
  11. 7Falsche BankmitarbeiterRatgeber: Anruf von der Bank76
  12. 8Gewinnversprechen86
  13. Teil 3: An der Haustür und unterwegs95
  14. 9Falsche Handwerker und Amtspersonen96
  15. 10Trickdiebstahl in der Wohnung104
  16. 11Unterwegs111
  17. 12Haustürgeschäfte und Verkaufsfahrten119
  18. Teil 4: Im Briefkasten129
  19. 13Falsche Rechnungen, Mahnungen und InkassoRatgeber: „Ja“ am Telefon gesagt130
  20. 14Falsche AmtsschreibenRatgeber: Gefälschte Briefe139
  21. Teil 5: Auf Handy und Computer149
  22. 15„Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“Ratgeber: „Hallo Mama, neue Nummer“150
  23. 16Gefälschte Nachrichten von Paketdienst, Bank und Behörden159
  24. 17Der falsche Computer-SupportRatgeber: Anruf von Microsoft168
  25. 18Betrug beim Online-Einkauf177
  26. Teil 6: Gefühle und Erspartes187
  27. 19LiebesbetrugRatgeber: Liebesbetrug188
  28. 20Falsche GeldanlagenRatgeber: Fake-Werbung mit Prominenten197
  29. 21Die zweite Falle208
  30. Teil 7: Wenn es passiert ist217
  31. 22Die erste Stunde218
  32. 23Die Anzeige223
  33. 24Über die Scham228
  34. Anhang233
  35. A1Das Notfallblatt235
  36. A2Die Codewort-KarteRatgeber: Familien-Codewort237
  37. A3Sätze, die Sie sagen dürfen239
  38. A4Für AngehörigeRatgeber: Zum Verschenken241
  39. A5Kleines Wörterbuch247
  40. A6Hilfe und Anlaufstellen251
  41. A7Mein Sicherheitsplan253
  42. A8Auflösungen der Kurztests257
  43. A9Zum Autor265

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ISBN 978-3-6963-6145-7 · In jeder Buchhandlung bestellbar