Hey Omi, ich bin’s!

Hey Omi, ich bin’s! · Ratgeber

Im Briefkasten

Gefälschte Briefe von Bank und Behörde

Früher verrieten sich Betrugsbriefe an ihren Fehlern. Heute schreibt ein Programm in jedem Ton, im Stil jeder Bank und jeder Behörde, ohne einen Tippfehler. Papier wirkt ehrlich. Genau deshalb kommt der Betrug wieder per Post.

Auch bekannt als: Quishing, QR-Code-Betrug per Brief, Phishing-Brief, falsches Amtsschreiben.

Stand: 11. Oktober 2026. Diese Seite wird regelmäßig geprüft.

So sieht es aus

Musterbank · KundenserviceVorgang 2026-4471

Sehr geehrte Kontoinhaberin,

aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben zur Sicherheit im Zahlungsverkehr ist eine Bestätigung Ihres Online-Banking-Zugangs erforderlich. Bitte scannen Sie hierzu den nebenstehenden QR-Code mit Ihrem Smartphone und folgen Sie den Anweisungen. Erfolgt die Bestätigung nicht bis zum 30. Oktober, müssen wir Ihren Zugang vorübergehend sperren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Musterbank

Nachgestellt. Bank, Vorgangsnummer und Code sind erfunden.

Im echten Betrugsbrief stimmt das Logo, die Adresse stimmt, die Vorgangsnummer sieht echt aus. Daneben das schwarz-weiße Quadrat zum Scannen. Kein Rechtschreibfehler, kein komisches Deutsch. Trotzdem stammt der Brief von Betrügern.

Was sich geändert hat

Das Bundeskriminalamt beschreibt es im Bundeslagebild Cybercrime 2025: Die sprachlichen Fähigkeiten von KI führen zu fehlerfreien Texten, Darstellung und Stil bekannter Unternehmen lassen sich glaubhafter nachahmen, und die Inhalte werden mit gesammelten persönlichen Daten auf die Empfänger zugeschnitten. Es gibt dadurch weniger Anhaltspunkte für Zweifel.

Im Buch heißt dieses Werkzeug der Sekretär: ein Programm, das nie müde wird, jede Sprache kann und jeden Stil nachmacht, wenn man ihm ein Beispiel zeigt. Es schreibt tausend Briefe auf einmal, jeden mit einem anderen Namen und einer anderen Bank. Und wer auf eine solche Nachricht antwortet, bekommt die Antwort oft vom Programm selbst, freundlich und geduldig, so lange, bis man tut, was die Täter wollen.

Das Quadrat, das Sie nicht scannen

Ein QR-Code ist eine Internetadresse in Bildform. Das Handy liest das Bild und öffnet die Seite dahinter. Vorher sehen Sie nirgends, wohin es geht. Die Seite sieht aus wie die Ihrer Bank, und dort geben Sie Ihre Zugangsdaten ein. Ab diesem Moment gehört Ihr Konto den Tätern. Die Verbraucherzentralen nennen die Masche Quishing und berichten von gedruckten Bankbriefen mit QR-Code, die seit 2024 in Briefkästen landen, zuletzt im Herbst 2025.

Dieselben Codes kleben Betrüger über die echten an Parkautomaten und Ladesäulen, und sie drucken sie auf gefälschte Strafzettel. Die Regel ist kurz: Ein QR-Code, den Ihnen jemand ungefragt schickt oder hinklebt, wird nicht gescannt.

Falsche Amtsschreiben

Die zweite Form trägt ein Wappen. „Pflichtprüfung der Rauchwarnmelder gemäß Landesbauordnung“, ein Prüfer kommt in der nächsten Woche, bei Verweigerung droht ein Bußgeld, die Gebühr ist bar an der Tür zu zahlen. Oder: „Zur Aktualisierung Ihrer Rentenakte“ sollen Sie Kontonummer und Ausweisnummer auf einem Formular eintragen und zurückschicken.

Der Kniff dahinter: Die Täter nehmen ein echtes Gesetz und erfinden die Behörde dazu. Eine Rauchmelderpflicht steht tatsächlich in den Landesbauordnungen. Die Wartung organisieren Eigentümer oder Hausverwaltung, die Stadt schickt keine Prüfer. So arbeiten echte Behörden: Sie kommen angekündigt, kassieren nichts an der Tür, verlangen keine Kontodaten per Formular und drohen nicht im ersten Brief mit Bußgeld. Wer ein Anliegen hat, nennt einen Ansprechpartner mit Durchwahl.

Wie so ein Brief aussieht, zeigt die Buchseite an einem Beispiel, das ein Programm erzeugt hat: ein Schreiben eines Amts, das es nicht gibt, mit erfundenem Paragrafen und Frist. Zum KI-Brief auf der Buchseite.

Daran erkennen Sie es

  • Die Anrede ist allgemein. „Sehr geehrte Kontoinhaberin“ statt Ihres Namens. Ihre Bank und Ihre Stadt kennen Ihren Namen.
  • Es gibt eine Frist und eine Drohung. Sperrung, Bußgeld, Gerichtsvollzieher. Echte Absender fangen so nicht an.
  • Sie sollen etwas scannen, anklicken, eintragen oder bar zahlen. Ihre Bank fragt nie nach PIN oder TAN, eine Behörde hat Ihre Daten schon.
  • Der Absender ist fast richtig. „meinebank-sicherheit.de“ statt „meinebank.de“. Ein Bindestrich zu viel reicht.
  • Es gibt keine Durchwahl, nur eine Handynummer oder eine Adresse bei einem kostenlosen E-Mail-Anbieter.
  • Der Brief sieht besonders echt aus. Das ist seit dem Sekretär kein Grund zur Beruhigung mehr.

Der wichtigste Satz

Ein guter Brief beweist nichts. Rufen Sie den Absender unter der Nummer an, die Sie selbst herausgesucht haben, und fragen Sie: „Haben Sie mir das geschickt?“

Was Sie tun

  1. Brief weglegen. Nichts scannen, nichts eintragen, nichts überweisen.
  2. Selbst anrufen. Die Bank unter der Nummer auf der Rückseite Ihrer Karte, die Behörde unter der Nummer aus dem Telefonbuch oder von der Stadt-Internetseite. Die Nummer im Brief kann zu den Betrügern führen.
  3. Ins Online-Banking nur selbst. Öffnen Sie Ihre App oder die Seite Ihrer Bank, wie immer. Wird dort kein Problem angezeigt, gibt es keins.
  4. Melden. Verdächtige Post zeigen Sie der Polizei, verdächtige E-Mails leiten Sie an phishing@verbraucherzentrale.nrw weiter.

Wenn Sie schon gescannt oder eingetragen haben

Zugangsdaten eingegeben: sofort die Bank anrufen und das Online-Banking sperren lassen, Karten unter 116 116 sperren, Passwörter von einem anderen Gerät aus ändern. Daten auf einem Formular zurückgeschickt: Bank und Polizei informieren, in den nächsten Wochen besonders wachsam bei Anrufen sein, denn die Täter haben jetzt Ihre Daten. Wer betrogen wurde, hat nichts falsch gemacht.

Zum Üben: echt oder Betrug?

Fall 1Ein Brief Ihrer Bank ohne einen einzigen Fehler bittet Sie, einen QR-Code zu scannen und Ihre Daten zu bestätigen. Sonst werde Ihr Konto in sieben Tagen gesperrt.

Betrug. Frist, Drohung und QR-Code sind die Zeichen. Rufen Sie Ihre Bank unter der Nummer auf Ihrer Karte an.

Fall 2Ihre Bank schreibt, dass sich die Kontogebühren ab dem nächsten Quartal ändern. Es gibt keinen Link und keinen QR-Code, und Sie sollen nichts tun.

Wahrscheinlich echt. Der Brief will keine Daten und setzt keine Frist. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie in der Filiale nach.

Fall 3Ein Schreiben mit Stadtwappen kündigt einen Prüfer für Ihre Rauchmelder an. Die Gebühr von 39 Euro ist bar an der Tür zu zahlen, sonst droht ein Bußgeld.

Betrug. Die Stadt schickt keine Prüfer und kassiert nichts an der Tür. Rufen Sie die Stadtverwaltung unter der Nummer aus dem Telefonbuch an. Wenn jemand klingelt, bleibt die Tür zu.

Im Buch warten 42 solcher Fälle, jeder mit Auflösung im Anhang.

Buchumschlag „Hey Omi, ich bin’s!“ von Tobias Kremp

Aus dem Buch

Hey Omi, ich bin’s!

Kapitel 3 erklärt den Sekretär und den QR-Code, Kapitel 13 falsche Rechnungen und Inkasso, Kapitel 14 falsche Amtsschreiben. Dazu der Satz, der jede Forderung stoppt: „Ich bestreite die Forderung.“

268 Seiten · 24,90 € · erschienen am 23. Oktober 2026 bei BoD · ISBN 978-3-6963-6145-7

Im BoD-Buchshop bestellen Kapitel 3 kostenlos lesen

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Fragen und Antworten

Weiterlesen

Quellen

Alle 4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Bundeskriminalamt, Bundeslagebild Cybercrime 2025, 12.05.2026, Abschnitt 3.3 Künstliche Intelligenz, bka.de.
  2. Verbraucherzentrale, „Quishing: Falsche QR-Codes in Mails, Briefen, ÖPNV und Straßenverkehr“, Stand 23.10.2025, verbraucherzentrale.de.
  3. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, „Vorsicht Betrug: Bedrohungen durch KI“, 12.02.2026, polizei-beratung.de.
  4. INTERPOL, Global Financial Fraud Threat Assessment 2026, März 2026, interpol.int.