CASP (Crypto-Asset Service Provider)
→ Vertiefung: MiCA: Der 1. Juli zieht eine LinieCrypto-Asset Service Provider, CASP. Deutsch: Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen. EU-Rechtsbegriff nach MiCA.
Definition
Nach Artikel 3 MiCA eine juristische Person oder ein anderes Unternehmen, deren gewerbliche Tätigkeit in der gewerbsmäßigen Erbringung einer oder mehrerer Kryptowerte-Dienstleistungen für Kunden besteht. MiCA zählt zehn Dienstleistungen auf, darunter Verwahrung, Betrieb einer Handelsplattform, Tausch gegen Geld oder andere Kryptowerte, Ausführung von Aufträgen, Platzierung, Übertragung, Beratung, Portfolioverwaltung.
Erscheinungsform in der Praxis
Ein CASP benötigt eine Zulassung in einem EU-Mitgliedstaat und darf damit in der gesamten Union tätig sein (Passporting). Die Zulassungspflicht gilt seit dem 30. Dezember 2024. Für Anbieter, die vorher nach nationalem Recht tätig waren, erlaubt Artikel 143 Absatz 3 MiCA eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli 2026. Deutschland hat sie in §50 KMAG verkürzt: Die fortgeltende Erlaubnis erlosch spätestens mit Ablauf des 31. Dezember 2025, sodass hier seit Anfang 2026 grundsätzlich nur zugelassene CASPs und notifizierte Institute tätig sein dürfen. Die Zulassung erfolgt durch die nationale Aufsicht, in Deutschland die BaFin, und wird in einem ESMA-Register veröffentlicht.
Mit der Zulassung ist der CASP Verpflichteter nach dem Geldwäschegesetz mit allen Sorgfalts- und Meldepflichten.
Praktische Hinweise
Das ESMA-Register ist die erste Prüfung bei jedem Anbieter, der in der EU tätig ist. Ein Anbieter ohne Eintrag darf EU-Kunden grundsätzlich keine Dienstleistungen anbieten; Ausnahmen sind nach Art. 60 notifizierte Institute und die eng begrenzte Reverse Solicitation. Das Fehlen ist ein starkes Indiz für eine gefälschte Plattform (I.9) oder einen Offshore-Anbieter (IV.9).
Abgrenzung
Zu VASP (IV.1): Die Definitionen überschneiden sich weitgehend, weichen aber im Detail ab. MiCA erfasst etwa Beratung und Portfolioverwaltung ausdrücklich, die FATF-Definition nicht. Ein CASP ist in der Regel VASP, nicht jeder VASP ist CASP. Zum Kryptoverwahrer nach altem deutschen Recht: Vor MiCA war das Kryptoverwahrgeschäft in Deutschland eine Finanzdienstleistung nach dem Kreditwesengesetz. Diese Kategorie ist durch das Kryptomärkteaufsichtsgesetz abgelöst.
Quelle
- Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), Art. 3 Abs. 1 Nr. 15 und 16, Titel V, Art. 143 Abs. 3 (Übergangsfrist bis 01.07.2026), Art. 149
- § 50 KMAG (Übergangsvorschrift, Erlöschen spätestens 31.12.2025)
- ESMA, Register der nach MiCA zugelassenen Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen
- BaFin, Kryptowerte-Dienstleistungen nach MiCAR (Zulassungspflicht, Ausnahmen, Zulassungsverfahren; Merkblatt)
Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag IV.2. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/casp
Fragen zu diesem Begriff
Was bedeutet CASP?
Nach Artikel 3 MiCA eine juristische Person oder ein anderes Unternehmen, deren gewerbliche Tätigkeit in der gewerbsmäßigen Erbringung einer oder mehrerer Kryptowerte-Dienstleistungen für Kunden besteht. MiCA zählt zehn Dienstleistungen auf, darunter Verwahrung, Betrieb einer Handelsplattform, Tausch gegen Geld oder andere Kryptowerte, Ausführung von Aufträgen, Platzierung, Übertragung, Beratung, Portfolioverwaltung.
Was ist bei CASP in der Praxis zu beachten?
Das ESMA-Register ist die erste Prüfung bei jedem Anbieter, der in der EU tätig ist. Ein Anbieter ohne Eintrag darf EU-Kunden grundsätzlich keine Dienstleistungen anbieten; Ausnahmen sind nach Art. 60 notifizierte Institute und die eng begrenzte Reverse Solicitation. Das Fehlen ist ein starkes Indiz für eine gefälschte Plattform (I.9) oder einen Offshore-Anbieter (IV.9).
Wovon ist CASP abzugrenzen?
Zu VASP (IV.1): Die Definitionen überschneiden sich weitgehend, weichen aber im Detail ab. MiCA erfasst etwa Beratung und Portfolioverwaltung ausdrücklich, die FATF-Definition nicht. Ein CASP ist in der Regel VASP, nicht jeder VASP ist CASP. Zum Kryptoverwahrer nach altem deutschen Recht: Vor MiCA war das Kryptoverwahrgeschäft in Deutschland eine Finanzdienstleistung nach dem Kreditwesengesetz. Diese Kategorie ist durch das Kryptomärkteaufsichtsgesetz abgelöst.
Wie läuft die Zulassung als CASP ab?
Der Antrag geht an die zuständige Behörde des Herkunftsmitgliedstaats, in Deutschland an die BaFin. Nach Art. 63 MiCA bestätigt sie den Eingang binnen fünf Arbeitstagen und prüft die Vollständigkeit binnen 25 Arbeitstagen. Über den vollständigen Antrag entscheidet sie binnen 40 Arbeitstagen. Mit der Zulassung darf der Anbieter seine Dienste nach Notifizierung in der gesamten EU erbringen.
Wie viel Eigenkapital braucht ein CASP?
Anhang IV der MiCA kennt drei Klassen. Klasse 1, etwa für Beratung, Auftragsausführung oder Transferdienste, verlangt 50.000 Euro. Klasse 2 umfasst zusätzlich Verwahrung und Tausch und verlangt 125.000 Euro. Klasse 3 für den Betrieb einer Handelsplattform verlangt 150.000 Euro. Liegt ein Viertel der fixen Gemeinkosten des Vorjahres höher, gilt nach Art. 67 dieser Betrag.
Wie prüfe ich, ob ein Anbieter eine MiCA-Zulassung hat?
Zwei Quellen genügen: das Register der ESMA für alle in der EU zugelassenen Anbieter und die Unternehmensdatenbank der BaFin für Deutschland. Die Übergangsfristen sind EU-weit spätestens am 1. Juli 2026 ausgelaufen. Wer heute ohne Eintrag in einem der beiden Register um Kunden in Deutschland wirbt, hat in aller Regel keine Erlaubnis. Genau das ist ein klassisches Merkmal einer gefälschten Handelsplattform.
Ergänzende Fragen online, Stand Oktober 2026.
- HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €
Preis inkl. MwSt.