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Verdachtsmeldung nach § 43 GwG

IV.13 · Kapitel IV · Instrumente: Regulatorik, Aufsicht, Forensik

Von , Blockchain-Analyst und Fachautor · Eintrag IV.13 aus dem Nachschlagewerk, Fassung 2.1 · Redaktionsstand 05.09.2026

Begriff und Synonyme

Verdachtsmeldung, Geldwäscheverdachtsmeldung, Suspicious Activity Report (SAR), Suspicious Transaction Report (STR). Deutsch amtlich: Meldung nach §43 GwG.

Definition

Verpflichtete müssen der FIU unverzüglich melden, wenn Tatsachen darauf hindeuten, dass ein Vermögensgegenstand aus einer strafbaren Handlung stammt, die eine Vortat der Geldwäsche darstellen könnte, oder mit Terrorismusfinanzierung zusammenhängt. Die Schwelle ist niedrig: Es reicht, dass Tatsachen darauf hindeuten. Ein Verdacht im strafprozessualen Sinn ist nicht erforderlich.

Erscheinungsform in der Praxis

Die Meldung erfolgt elektronisch über das System der FIU. Der Verpflichtete beschreibt den Sachverhalt, die beteiligten Personen und Konten und den Grund des Verdachts. Nach der Meldung darf die Transaktion drei Werktage lang nicht ausgeführt werden, es sei denn, die FIU gibt sie frei oder die Frist läuft ab. Der Kunde darf über die Meldung nicht informiert werden.

Die FIU prüft die Meldung, reichert sie mit eigenen Erkenntnissen an und leitet sie, wenn sie es für erforderlich hält, an die zuständige Strafverfolgungsbehörde weiter. Die Weiterleitungsquote ist die Kennzahl, die angibt, welcher Anteil der Meldungen bei Ermittlern ankommt. Sie liegt seit Jahren deutlich unter der Hälfte.

Für den Kryptobereich ist die Verdachtsmeldung das Instrument, mit dem ein CASP Erkenntnisse aus seinem Transaktionsmonitoring an die Behörden gibt. Das FIU-Anhaltspunktepapier zu alternativen Zahlungsmethoden und neuen Technologien von 2026 beschreibt, welche Muster als meldepflichtig gelten.

Praktische Hinweise

Für Verpflichtete: Die Meldung soll Tatsachen enthalten, keine Bewertungen. "Zahlung an neue Adresse" ist keine Tatsache, die einen Verdacht begründet (II.22). "Zahlung an Adresse, die in Analysewerkzeug als Betrugsziel markiert ist, unmittelbar nach Eingang aus Verkauf eines Sparvertrags" ist eine. Für Ermittler: Die Verdachtsmeldung ist Ausgangspunkt, nicht Beweis. Die Angaben sind vom Verpflichteten, nicht von der Behörde geprüft.

Abgrenzung

Zur Strafanzeige: Die Verdachtsmeldung geht an die FIU, die Anzeige an Polizei oder Staatsanwaltschaft. Ein Geschädigter erstattet Anzeige, ein Verpflichteter meldet. Zum PKS-Fall: siehe V.14.

Quelle

  1. § 43 GwG (Meldepflicht), § 46 GwG (Durchführung von Transaktionen, Frist von drei Werktagen)
  2. Generalzolldirektion, FIU Deutschland, Jahresbericht 2025 und Fragen und Antworten zu § 46 GwG
  3. FIU Deutschland, Anhaltspunktepapier Alternative Zahlungsmethoden und neue Technologien, Version 01.00 (veröffentlicht 16.07.2026)
→ Vertiefung: Die 120-Tage-Falle: FinCENs geplante Whistleblower-Regel
Diesen Eintrag zitieren

Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag IV.13. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/verdachtsmeldung

Fragen zu diesem Begriff

Was ist eine Verdachtsmeldung nach § 43 GwG?

Verpflichtete müssen der FIU unverzüglich melden, wenn Tatsachen darauf hindeuten, dass ein Vermögensgegenstand aus einer strafbaren Handlung stammt, die eine Vortat der Geldwäsche darstellen könnte, oder mit Terrorismusfinanzierung zusammenhängt. Die Schwelle ist niedrig: Es reicht, dass Tatsachen darauf hindeuten. Ein Verdacht im strafprozessualen Sinn ist nicht erforderlich.

Wie läuft die Verdachtsmeldung in der Praxis ab?

Für Verpflichtete: Die Meldung soll Tatsachen enthalten, keine Bewertungen. "Zahlung an neue Adresse" ist keine Tatsache, die einen Verdacht begründet (II.22). "Zahlung an Adresse, die in Analysewerkzeug als Betrugsziel markiert ist, unmittelbar nach Eingang aus Verkauf eines Sparvertrags" ist eine. Für Ermittler: Die Verdachtsmeldung ist ein Ausgangspunkt. Ihre Angaben stammen vom Verpflichteten und sind behördlich noch ungeprüft.

Wovon ist die Verdachtsmeldung abzugrenzen?

Zur Strafanzeige: Die Verdachtsmeldung geht an die FIU, die Anzeige an Polizei oder Staatsanwaltschaft. Ein Geschädigter erstattet Anzeige, ein Verpflichteter meldet. Zum PKS-Fall: siehe V.14.

Wie wird eine Verdachtsmeldung abgegeben?

Elektronisch über das Meldeportal goAML Web der FIU. Verpflichtete müssen sich dort registrieren. Seit dem 1. März 2026 gehören bei Kryptowerten die Transaktions-Hashes nach der GwG-Meldeverordnung zu den Pflichtangaben; mehr dazu im Beitrag zum FIU-Jahresbericht 2025.

Wie lange bleibt eine gemeldete Transaktion angehalten?

Nach § 46 Abs. 1 GwG darf sie frühestens ausgeführt werden, wenn FIU oder Staatsanwaltschaft zugestimmt haben oder wenn der dritte Werktag nach dem Abgangstag der Meldung verstrichen ist, ohne dass die Durchführung untersagt wurde. Der Samstag zählt dabei nicht als Werktag.

Darf der Kunde von der Meldung erfahren?

§ 47 Abs. 1 GwG verbietet es. Weder Vertragspartner noch Auftraggeber noch sonstige Dritte dürfen von einer beabsichtigten oder erstatteten Meldung, einem daraus folgenden Ermittlungsverfahren oder einem Auskunftsverlangen der FIU erfahren. Ausnahmen gelten unter anderem gegenüber staatlichen Stellen.

Wann muss eine Verdachtsmeldung abgegeben werden?

§ 43 Abs. 1 GwG nennt drei Auslöser: Tatsachen deuten darauf hin, dass ein Vermögensgegenstand aus einer Vortat der Geldwäsche stammt; sie deuten auf Terrorismusfinanzierung hin; oder der Vertragspartner legt einen wirtschaftlich Berechtigten nicht offen. Die Meldung ist unverzüglich abzugeben, unabhängig vom Wert des Vermögensgegenstands oder der Höhe der Transaktion.

Kann ich als Privatperson eine Verdachtsmeldung abgeben?

Die Meldepflicht trifft nur Verpflichtete, also Banken, Kryptodienstleister, Güterhändler und weitere Berufe. Wer als Privatperson betroffen ist oder einen Betrug beobachtet, erstattet Strafanzeige bei der Polizei. Die FIU ist eine Analysestelle und ermittelt nicht selbst.

Wie viele Verdachtsmeldungen gibt es in Deutschland?

Laut FIU-Jahresbericht 2025 gingen 374.693 Meldungen ein, nach 265.708 im Vorjahr. 319.857 davon kamen von Kreditinstituten, rund 29 Prozent von Anbietern digitaler Finanzdienstleistungen. Die FIU gab 67.024 Analyseberichte an Strafverfolgungsbehörden ab. Die Einordnung dazu im Beitrag zum Jahresbericht.

Muss sich jeder Verpflichtete bei goAML registrieren?

Ja. Nach § 45 GwG müssen sich Verpflichtete beim Meldeportal goAML registrieren, unabhängig davon, ob sie jemals melden. Die Frist dafür lief am 1. Januar 2024 ab. Wer erst im Verdachtsfall mit der Registrierung beginnt, verliert Zeit, die das Gesetz mit dem Wort unverzüglich nicht vorsieht.

Ergänzende Fragen online, Stand Oktober 2026.

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Kapitel IV führt von KYC (IV.15) über Transaktionsmonitoring (IV.26) und Meldung (IV.13) bis zu Freeze, Vermögensabschöpfung und Beschlagnahme von Kryptowerten (IV.27 bis IV.29). Alle Einträge stehen frei im Glossar. Das Buch ergänzt Lesepfade nach Rolle, zitierfähige Kernzahlen, die Konkordanz zur Polizeilichen Kriminalstatistik und die Anhänge.
  • HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €

Preis inkl. MwSt.

Redaktionsstand 05.09.2026 · Fassung 2.1 · Änderungen und Ergänzungen führt der Änderungsnachweis.
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