KYC (Know Your Customer)
→ Vertiefung: Visuelles KYC ist totKnow Your Customer (KYC), Customer Due Diligence (CDD), Enhanced Due Diligence (EDD). Deutsch: Identifizierung, allgemeine Sorgfaltspflichten, verstärkte Sorgfaltspflichten. Drei Begriffe, ein gestuftes System.
Definition
KYC bezeichnet die Identifizierung des Kunden bei Begründung der Geschäftsbeziehung. CDD bezeichnet die allgemeinen Sorgfaltspflichten: Identifizierung, Abklärung des wirtschaftlich Berechtigten, Einholung von Informationen über den Zweck der Geschäftsbeziehung, kontinuierliche Überwachung. EDD bezeichnet die verstärkten Sorgfaltspflichten bei erhöhtem Risiko: zusätzliche Informationen, Herkunft der Mittel, Genehmigung durch Führungsebene, intensivere Überwachung. Im GwG stehen die Pflichten in §§10 bis 15.
Erscheinungsform in der Praxis
Bei Kryptodienstleistern läuft die Identifizierung überwiegend digital: Der Kunde lädt ein Ausweisdokument hoch und macht ein Selfie oder Video; ein automatisiertes Verfahren gleicht ab. Das ist der Angriffspunkt für synthetische Identitäten (I.27). Die Sorgfaltspflichten verlangen zusätzlich, dass der CASP versteht, was der Kunde tut: Ein Rentner, der erstmals Kryptowerte kauft und sofort an eine externe Adresse überträgt, ist ein anderes Risiko als ein Händler mit fünfjähriger Historie.
Verstärkte Sorgfaltspflichten greifen bei Kunden aus Hochrisikoländern (IV.8), bei politisch exponierten Personen, bei komplexen oder ungewöhnlichen Transaktionen und, nach Art. 40 AMLR, risikoangemessen bei Transfers mit selbstverwahrten Adressen; die Schwelle von 1.000 Euro für die Adressprüfung steht in der TFR.
Praktische Hinweise
Für Ermittler: Die Identifizierungsdaten des CASP sind das, was ein Auskunftsersuchen liefert. Bei synthetischen Identitäten liefern sie einen nicht existierenden Menschen. Für Compliance: Die Qualität des KYC entscheidet über die Verwertbarkeit aller späteren Erkenntnisse.
Abgrenzung
KYC ist der Beginn, CDD der laufende Prozess, EDD die Verstärkung. Zum Transaktionsmonitoring (IV.26): Das Monitoring ist Teil der kontinuierlichen Überwachung innerhalb der CDD.
Quelle
Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag IV.15. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/kyc
Fragen zu diesem Begriff
Was bedeutet KYC?
KYC bezeichnet die Identifizierung des Kunden bei Begründung der Geschäftsbeziehung. CDD bezeichnet die allgemeinen Sorgfaltspflichten: Identifizierung, Abklärung des wirtschaftlich Berechtigten, Einholung von Informationen über den Zweck der Geschäftsbeziehung, kontinuierliche Überwachung. EDD bezeichnet die verstärkten Sorgfaltspflichten bei erhöhtem Risiko: zusätzliche Informationen, Herkunft der Mittel, Genehmigung durch Führungsebene, intensivere Überwachung. Im GwG stehen die Pflichten in §§10 bis 15.
Was ist bei KYC in der Praxis zu beachten?
Für Ermittler: Die Identifizierungsdaten des CASP sind das, was ein Auskunftsersuchen liefert. Bei synthetischen Identitäten liefern sie einen nicht existierenden Menschen. Für Compliance: Die Qualität des KYC entscheidet über die Verwertbarkeit aller späteren Erkenntnisse.
Wovon ist KYC abzugrenzen?
KYC ist der Beginn, CDD der laufende Prozess, EDD die Verstärkung. Zum Transaktionsmonitoring (IV.26): Das Monitoring ist Teil der kontinuierlichen Überwachung innerhalb der CDD.
Wann muss nach dem GwG identifiziert werden?
§ 10 Abs. 3 GwG nennt vier Anlässe: die Begründung einer Geschäftsbeziehung; Transaktionen außerhalb einer Geschäftsbeziehung ab 15.000 Euro, bei Geldtransfers und Kryptowertetransfers schon ab 1.000 Euro; Tatsachen, die auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung hindeuten, und zwar unabhängig von jeder Schwelle; Zweifel an den erhobenen Angaben zur Identität.
Welche Angaben gehören zur Identifizierung einer Person?
Bei natürlichen Personen verlangt § 11 Abs. 4 GwG Vor- und Nachnamen, Geburtsort, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und eine Wohnanschrift. Wie diese Angaben zu überprüfen sind, regelt § 12 GwG. Greifen verstärkte Sorgfaltspflichten nach § 15 GwG, muss der Verpflichtete risikoangemessene Zusatzmaßnahmen treffen, bei politisch exponierten Personen und Hochrisiko-Drittstaaten ausdrücklich die Herkunft der Vermögenswerte klären; Kryptodienstleister trifft das wegen ihres Risikoprofils häufig.
Reicht ein Selfie mit Ausweis noch als Identitätsnachweis?
Videogestützte und automatisierte Verfahren sind unter Auflagen der Aufsicht zulässig. Ihre Beweiskraft sinkt, weil KI-generierte Ausweise und Deepfake-Videos den reinen Bildabgleich täuschen können. Verpflichtete sollten den Abgleich deshalb mit Liveness-Prüfung, Geräte- und Verhaltensdaten absichern. Die Analyse dazu: Visuelles KYC ist tot.
Wie oft muss KYC aktualisiert werden?
Das GwG nennt keine feste Frist. § 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG verlangt, Dokumente, Daten und Informationen in angemessenem zeitlichen Abstand zu aktualisieren, abhängig vom Risiko. Institute legen die Zyklen in ihrer Risikoanalyse fest, gestaffelt nach Risikoklasse. Anlassbezogen ist sofort nachzuprüfen, etwa wenn das Transaktionsverhalten nicht mehr zum Kundenprofil passt.
Was passiert, wenn das KYC nicht abgeschlossen werden kann?
Dann darf keine Geschäftsbeziehung begründet und keine Transaktion durchgeführt werden. Eine bestehende Beziehung ist nach § 10 Abs. 9 GwG zu beenden, durch Kündigung oder auf andere Weise. Für Kunden heißt das: Wer Unterlagen verweigert, riskiert die Kontokündigung.
Warum fragt die Bank nach Beruf und Herkunft der Mittel?
Der KYC-Fragebogen erfüllt die Pflicht, Zweck und Art der Geschäftsbeziehung zu klären. Erst damit lässt sich beurteilen, ob spätere Zahlungen zum Kunden passen. Bei politisch exponierten Personen und Bezug zu Hochrisiko-Drittstaaten verlangt § 15 GwG ausdrücklich Maßnahmen zur Herkunft der Vermögenswerte. Der Kunde muss mitwirken, so steht es in § 11 Abs. 6 GwG.
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