Velocity Gap
Geschwindigkeitslücke zwischen Tätern und Strafverfolgung. Inkriminierte Werte bewegen sich in Minuten über Ketten und Grenzen, während Rechtshilfe in Wochen und Monaten arbeitet. Die Schließung dieser Lücke ist erklärtes Ziel der aktuellen EU-Reformen.
Abgrenzung
Velocity Gap ist ein Beschreibungsbegriff, kein Rechtsbegriff und kein Begriff aus einer Statistik. Er bezeichnet das Verhältnis zweier Geschwindigkeiten: der des Geldes und der des Verfahrens. Er ist zu unterscheiden von der Aufklärungsquote, die misst, wie viele Fälle einen Tatverdächtigen bekommen, und von der Frage der Auslandstaten, die misst, wo ein Fall statistisch landet. Die Lücke entsteht nicht nur bei Kryptowerten; auch bei Echtzeitüberweisungen ist das Geld weg, bevor die Bank reagiert. Bei Kryptowerten kommt hinzu, dass Chain Hopping und Grenzübertritt in einem Schritt geschehen.
Wo die Lücke sitzt
An drei Stellen. Erstens zwischen Zahlung und Erkenntnis: Das Opfer bemerkt den Betrug oft Wochen nach der letzten Einzahlung. Zweitens zwischen Anzeige und Maßnahme: Ein Sperr- oder Auskunftsersuchen braucht einen Beschluss, und ein Ersuchen ins Ausland braucht Rechtshilfe, die in Wochen und Monaten arbeitet. Drittens zwischen Maßnahme und Wirkung: Ein Emittent oder eine Börse muss die Sperre umsetzen, während der Täter die Werte in Minuten weiterbewegt. Die EU-Reformen setzen an der zweiten Stelle an: die Verordnung über elektronische Beweismittel mit festen Fristen für Herausgabeanordnungen, die Geldtransferverordnung mit Daten, die den Transfer begleiten, und die Ausweitung der Befugnisse von Europol und Eurojust.
Quellen
Verordnung (EU) 2023/1543 über Europäische Herausgabeanordnungen und Sicherungsanordnungen für elektronische Beweismittel. Verordnung (EU) 2023/1113 (Geldtransferverordnung). Europol, IOCTA 2026. INTERPOL, Global Financial Fraud Threat Assessment (März 2026), Abschnitt zur Geschwindigkeit der Geldflüsse.
Im Nachschlagewerk
Das Werk behandelt die Geschwindigkeitslücke in den Einträgen zum Einfrieren durch Emittenten (IV.27, in der Leseprobe abgedruckt), zur Beschlagnahme von Kryptowerten (IV.29) und zur Rechtshilfe (IV.31), jeweils mit der Frage, welche Maßnahme in welcher Frist noch wirkt.
→ Vertiefung: Digitale Schlagkraft für EuropaFragen zu diesem Begriff
Was ist der Velocity Gap?
Geschwindigkeitslücke zwischen Tätern und Strafverfolgung. Inkriminierte Werte bewegen sich in Minuten über Ketten und Grenzen, während Rechtshilfe in Wochen und Monaten arbeitet. Die Schließung dieser Lücke ist erklärtes Ziel der aktuellen EU-Reformen.
Wovon ist der Velocity Gap abzugrenzen?
Velocity Gap ist ein Beschreibungsbegriff, kein Rechtsbegriff und kein Begriff aus einer Statistik. Er bezeichnet das Verhältnis zweier Geschwindigkeiten: der des Geldes und der des Verfahrens. Er ist zu unterscheiden von der Aufklärungsquote, die misst, wie viele Fälle einen Tatverdächtigen bekommen, und von der Frage der Auslandstaten, die misst, wo ein Fall statistisch landet. Die Lücke entsteht nicht nur bei Kryptowerten; auch bei Echtzeitüberweisungen ist das Geld weg, bevor die Bank reagiert. Bei Kryptowerten kommt hinzu, dass Chain Hopping und Grenzübertritt in einem Schritt geschehen.
Wo sitzt die Lücke beim Velocity Gap?
An drei Stellen. Erstens zwischen Zahlung und Erkenntnis: Das Opfer bemerkt den Betrug oft Wochen nach der letzten Einzahlung. Zweitens zwischen Anzeige und Maßnahme: Ein Sperr- oder Auskunftsersuchen braucht einen Beschluss, und ein Ersuchen ins Ausland braucht Rechtshilfe, die in Wochen und Monaten arbeitet. Drittens zwischen Maßnahme und Wirkung: Ein Emittent oder eine Börse muss die Sperre umsetzen, während der Täter die Werte in Minuten weiterbewegt.
Kremp, Tobias: Velocity Gap. In: Glossar der digitalen Finanzkriminalität, digitale-enteignung.de, Stand September 2026. https://digitale-enteignung.de/glossar/velocity-gap