Auslandstaten
→ Vertiefung: Wenn die Täter im Ausland sitzenAuslandstaten (Erfassungskategorie) und Tatortstaat (Merkmal). PKS-Tabelle 06-A weist Fälle nach Tatortstaat aus.
Definition
Als Auslandstat gilt ein Fall, wenn der Ort der Handlung im Ausland liegt oder nicht auf Deutschland konkretisiert werden kann und der Erfolg zumindest teilweise in Deutschland eingetreten ist. Der Tatortstaat ist das Land, in dem die Handlung stattfand, soweit es ermittelt wurde. Ist der Tatort nicht konkretisierbar, wird der Fall als Auslandstat mit dem Tatortstaat "ungeklärt" (Schlüssel 998) geführt.
Erscheinungsform in der Praxis
Für das Berichtsjahr 2025 weist die PKS-Ausland über alle Straftaten 661.238 Fälle aus (2024: 642.210). In 93,7 Prozent dieser Fälle konnte der Tatortstaat nicht bestimmt werden. Unter den bestimmbaren Staaten führen Spanien (4.097 Fälle), die USA (3.486) und Großbritannien/Nordirland (3.346). Diese drei Staaten stehen zusammen für weniger als zwei Prozent aller Auslandstaten. Die Länderspalte der Tabelle beantwortet damit vor allem eine Frage: wie selten der Handlungsort ermittelt wird.
Für Anlagebetrug ist die Quote ungeklärter Tatorte noch höher als im Durchschnitt aller Delikte. Die Tatortstaat-Tabelle 2025 weist für Schlüssel 513200 28.465 Auslandsfälle aus. In 27.659 Fällen (97,2 Prozent) blieb der Tatortstaat ungeklärt. Die 806 Fälle mit bestimmtem Tatortstaat verteilen sich auf 65 Staaten. An der Spitze stehen Großbritannien/Nordirland (108 Fälle), Malta (83), Spanien (63), die Schweiz (60) und Litauen (52), danach Italien (41), Frankreich, Portugal, die Türkei und Österreich (je 28), die Niederlande (26), die USA (23) und Polen (20). Kein südostasiatischer Staat erscheint unter den zwanzig häufigsten Tatortstaaten: Kambodscha ist mit fünf Fällen verzeichnet, Thailand mit zwei, Myanmar mit keinem. Die Server stehen in einem Land, die Täter sitzen in einem zweiten, die Geldflüsse laufen über ein drittes. Was die Tabelle abbildet, ist der Handlungsort, den die Ermittlungen konkretisieren konnten. Bei Taten mit Tatmittel Internet gilt nach Anlage 6 der Richtlinien als Handlungsort der Ort, an dem der Täter die Daten ins Internet eingestellt hat, unabhängig davon, wo die Domain oder die IP-Adresse geführt wird. Die vollständige Länderliste steht im Anhang zu diesem Kapitel.
Praktische Hinweise
Aussagen wie "Die meisten Täter sitzen in Südostasien" lassen sich aus der PKS nicht belegen, weil die Tatortstaat-Erfassung diese Zuordnung nicht leistet. Die Belegbasis für regionale Aussagen sind internationale Lageberichte (UNODC, INTERPOL, Europol), keine deutschen Statistiken. Wer beides vermischt, erzeugt eine Scheinpräzision, die einer Nachfrage nicht standhält.
Dasselbe Problem kennt die US-FIU. FinCEN weist für Überweisungen aus Betrugsfällen im Rapid Response Program (Oktober 2024 bis Juni 2026) die Region der ersten Empfängerbank aus: Asien und Pazifik 386 Millionen US-Dollar, Europa 146 Millionen, Amerika 113 Millionen, Naher Osten und Nordafrika 102 Millionen. Und schreibt dazu, weil Erlöse über mehrere Stationen laufen, entspreche die erste Empfängerbank nicht notwendig dem Endziel. Die erste Station ist eine Beobachtung über den Zahlungsweg, keine über den Tatort.
Abgrenzung
Auslandstat ist nicht gleichbedeutend mit ausländischem Tatverdächtigen. Die Auslandstabelle weist 2025 für 513200 1.390 Tatverdächtige aus, davon 742 nichtdeutsche (53,4 Prozent). Über alle Delikte der PKS-Ausland waren 55,1 Prozent der Tatverdächtigen deutsche Staatsangehörige. Bei Anlagebetrug ist der Anteil der Nichtdeutschen also höher als im Durchschnitt. Zum Wohnsitz macht die PKS-Ausland keine Angaben: Das Feld wird nach Anlage 6 der Richtlinien bei Auslandstaten mit "unbekannt" belegt, bei nichtdeutschen Tatverdächtigen zusätzlich mit "kein Aufenthalt in Deutschland". Ein deutscher Finanzagent, der Geld für ein Compound in Myanmar weiterleitet, ist deutscher Tatverdächtiger in einer Auslandstat. Beide Merkmale sind unabhängig voneinander.
Quelle
- BKA, PKS 2025, Bundestabellen, Tabelle 06-A Tatortstaat Auslandstaten (V1.0, Ausführungsdatum 20.04.2026), Zeilen "Straftaten insgesamt" und 513200; Tabelle 01-A (V1.0, 10.02.2026), Zeile 513200
- BKA, PKS 2024, Tabelle 01-A Grundtabelle Auslandstaten (Berichtsjahr 2024, V1.0, 11.02.2025), Zeile 513200 (16.156 Fälle, 1.734 aufgeklärt, Aufklärungsquote 10,7 Prozent)
- BKA, PKS-Richtlinien 2025, Anlage 6 (PKS-Ausland), Regelungen zur Erfassung von Auslandstaten (V 1.0, Stand 21.05.2025), Nr. 1 (S. 3), Nr. 2.1 (S. 4), Nr. 2.1.4 (S. 7 f.), Nr. 2.2 (S. 8 f., Tatortstaat ungeklärt = Schlüssel 998, Mussfelder)
- BKA, PKS 2025, Tabellenbeschreibung (V1.1), Tabelle 06-A (S. 32)
- BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, IMK-Bericht "Ausgewählte Zahlen im Überblick" (V1.2, April 2026), Kap. 3.1 (S. 11), Kap. 4.3 (S. 16)
- FinCEN, Alert on Money Laundering Activity Associated with Digital Asset Investment Scam Centers, FIN-2026-Alert005 (03.09.2026)
Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag V.7. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/auslandstaten
Fragen zu diesem Begriff
Was bedeutet Auslandstaten?
Als Auslandstat gilt ein Fall, wenn der Ort der Handlung im Ausland liegt oder nicht auf Deutschland konkretisiert werden kann und der Erfolg zumindest teilweise in Deutschland eingetreten ist. Der Tatortstaat ist das Land, in dem die Handlung stattfand, soweit es ermittelt wurde. Ist der Tatort nicht konkretisierbar, wird der Fall als Auslandstat mit dem Tatortstaat "ungeklärt" (Schlüssel 998) geführt.
Was ist bei Auslandstaten in der Praxis zu beachten?
Aussagen wie "Die meisten Täter sitzen in Südostasien" lassen sich aus der PKS nicht belegen, weil die Tatortstaat-Erfassung diese Zuordnung nicht leistet. Die Belegbasis für regionale Aussagen sind internationale Lageberichte (UNODC, INTERPOL, Europol), keine deutschen Statistiken. Wer beides vermischt, erzeugt eine Scheinpräzision, die einer Nachfrage nicht standhält.Dasselbe Problem kennt die US-FIU. FinCEN weist für Überweisungen aus Betrugsfällen im Rapid Response Program (Oktober 2024 bis Juni 2026) die Region der ersten Empfängerbank aus: Asien und Pazifik 386 Millionen US-Dollar, Europa 146 Millionen, Amerika 113 Millionen, Naher Osten und Nordafrika 102 Millionen. Und schreibt dazu, weil Erlöse über mehrere Stationen laufen, entspreche die erste Empfängerbank nicht notwendig dem Endziel. Die erste Station ist eine Beobachtung über den Zahlungsweg, keine über den Tatort.
Wovon ist Auslandstaten abzugrenzen?
Auslandstat ist nicht gleichbedeutend mit ausländischem Tatverdächtigen. Die Auslandstabelle weist 2025 für 513200 1.390 Tatverdächtige aus, davon 742 nichtdeutsche (53,4 Prozent). Über alle Delikte der PKS-Ausland waren 55,1 Prozent der Tatverdächtigen deutsche Staatsangehörige. Bei Anlagebetrug ist der Anteil der Nichtdeutschen also höher als im Durchschnitt. Zum Wohnsitz macht die PKS-Ausland keine Angaben: Das Feld wird nach Anlage 6 der Richtlinien bei Auslandstaten mit "unbekannt" belegt, bei nichtdeutschen Tatverdächtigen zusätzlich mit "kein Aufenthalt in Deutschland". Ein deutscher Finanzagent, der Geld für ein Compound in Myanmar weiterleitet, ist deutscher Tatverdächtiger in einer Auslandstat. Beide Merkmale sind unabhängig voneinander.
- HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €
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