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Glossar · Aus dem Nachschlagewerk

Anzeigeverhalten

V.12 · Kapitel V · Statistik und Erfassung

Von , Blockchain-Analyst und Fachautor · Eintrag V.12 aus dem Nachschlagewerk, Fassung 2.1 · Redaktionsstand 05.09.2026

Begriff und Synonyme

Anzeigeverhalten, Anzeigequote, Anzeigebereitschaft.

Definition

Der Anteil der Geschädigten, die eine erlittene Straftat bei der Polizei anzeigen. Die Anzeigequote ist die zentrale Stellgröße zwischen Dunkel- und Hellfeld. Steigt sie, wächst die PKS-Zahl, ohne dass mehr Taten geschehen. Fällt sie, sinkt die PKS-Zahl bei gleichbleibendem Tatgeschehen.

Erscheinungsform in der Praxis

Bei Anlagebetrug wirkt das Anzeigeverhalten in beide Richtungen auf die Statistik. Medienberichte, Warnkampagnen und Sammelverfahren erhöhen kurzfristig die Anzeigebereitschaft und lassen die Fallzahl steigen. Der Anstieg der Auslandsfälle beim Anlagebetrug um 76,2 Prozent im Jahr 2025 (V.2) lässt sich ohne Kenntnis der Anzeigequote nicht in Tatgeschehen und Anzeigeeffekt zerlegen. Beides ist plausibel, beides ist unbewiesen.

Umgekehrt drückt die Erfahrung einer nutzlosen Anzeige die Bereitschaft für die Zukunft. Eine Person, die nach der Anzeige eines Cybertrading-Falls die Einstellungsverfügung erhält, wird beim zweiten Betrug seltener anzeigen. Das Delikt produziert sein eigenes Dunkelfeld.

Praktische Hinweise

Für Compliance-Abteilungen hat das Anzeigeverhalten eine unmittelbare Folge: Die Zahl der Kunden, die von Anlagebetrug betroffen sind, liegt deutlich über der Zahl, die sich bei der Bank meldet oder polizeilich erfasst wird. Transaktionsmonitoring sieht Fälle, die nie angezeigt werden. Das trägt dazu bei, dass die Verdachtsmeldezahlen der FIU und die Fallzahlen der PKS nicht korrespondieren.

Abgrenzung

Anzeigeverhalten ist ein Merkmal der Geschädigten. Das Meldeverhalten der Verpflichteten nach dem Geldwäschegesetz ist ein anderes Phänomen mit anderen Treibern (siehe V.14).

Quelle

  1. BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, IMK-Bericht "Ausgewählte Zahlen im Überblick" (V1.2, April 2026), Kap. 2 (S. 6 f.), S. 37 Fn. 16
  2. BMI/BKA, Pressemitteilung zur Vorstellung der PKS 2025 und der SKiD-Kernbefunde (20.04.2026)
  3. INTERPOL, Global Financial Fraud Threat Assessment, Second Edition (März 2026), S. 14
Diesen Eintrag zitieren

Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag V.12. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/anzeigeverhalten

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Fragen zu diesem Begriff

Was ist das Anzeigeverhalten?

Der Anteil der Geschädigten, die eine erlittene Straftat bei der Polizei anzeigen. Die Anzeigequote ist die zentrale Stellgröße zwischen Dunkel- und Hellfeld. Steigt sie, wächst die PKS-Zahl, ohne dass mehr Taten geschehen. Fällt sie, sinkt die PKS-Zahl bei gleichbleibendem Tatgeschehen.

Wie wirkt sich das Anzeigeverhalten in der Praxis aus?

Für Compliance-Abteilungen hat das Anzeigeverhalten eine unmittelbare Folge: Die Zahl der Kunden, die von Anlagebetrug betroffen sind, liegt deutlich über der Zahl, die sich bei der Bank meldet oder polizeilich erfasst wird. Transaktionsmonitoring sieht Fälle, die nie angezeigt werden. Das trägt dazu bei, dass die Verdachtsmeldezahlen der FIU und die Fallzahlen der PKS nicht korrespondieren.

Wovon ist das Anzeigeverhalten abzugrenzen?

Anzeigeverhalten ist ein Merkmal der Geschädigten. Das Meldeverhalten der Verpflichteten nach dem Geldwäschegesetz ist ein anderes Phänomen mit anderen Treibern (siehe V.14).

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Redaktionsstand 05.09.2026 · Fassung 2.1 · online korrigiert am 04.10.2026 · Korrekturen im Änderungsnachweis
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