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OSINT (Open Source Intelligence)

IV.32 · Kapitel IV · Instrumente: Regulatorik, Aufsicht, Forensik

Von , Blockchain-Analyst und Fachautor · Eintrag IV.32 aus dem Nachschlagewerk, Fassung 2.1 · Redaktionsstand 05.09.2026

→ Vertiefung: Chain Trace Academy: Ermittlungstraining
Begriff und Synonyme

Open Source Intelligence, OSINT, Auswertung offener Quellen.

Definition

Gewinnung von Erkenntnissen aus öffentlich zugänglichen Quellen: Websites, soziale Medien, Foren, Register, Blockchain-Explorer, Archive. Im Kryptobereich die Verbindung zwischen einer Adresse und der Person, die sie irgendwo öffentlich verwendet hat.

Erscheinungsform in der Praxis

Adressen werden veröffentlicht: als Spendenadresse, in Forenprofilen, in Projektankündigungen, in Verkaufsanzeigen. Nutzernamen wiederholen sich über Plattformen. Domains gefälschter Plattformen haben Registrierungsdaten, Hosting-Spuren und Code-Ähnlichkeiten mit anderen Plattformen. Telegram-Kanäle (III.18) haben Betreiber mit Handles. OSINT verbindet diese Spuren und liefert häufig den ersten Hinweis auf eine Person, den die Blockchain allein nicht gibt.

Abgrenzung

OSINT ist ein allgemeiner Ermittlungsansatz ohne Kryptospezifik. Der Eintrag steht im Werk, weil Attribution (IV.23) in der Praxis zu einem erheblichen Teil auf OSINT beruht und das Werk diese Quelle benennen sollte.

Quelle

  1. Europol, Internet Organised Crime Threat Assessment (IOCTA) 2026, doi 10.2813/5737847
  2. Methodendokumentation von OSINT-Organisationen wie Bellingcat (Fußnotenquelle).
Diesen Eintrag zitieren

Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag IV.32. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/osint

Fragen zu diesem Begriff

Was bedeutet OSINT?

Gewinnung von Erkenntnissen aus öffentlich zugänglichen Quellen: Websites, soziale Medien, Foren, Register, Blockchain-Explorer, Archive. Im Kryptobereich die Verbindung zwischen einer Adresse und der Person, die sie irgendwo öffentlich verwendet hat.

Wovon ist OSINT abzugrenzen?

OSINT ist ein allgemeiner Ermittlungsansatz ohne Kryptospezifik. Der Eintrag steht im Werk, weil Attribution (IV.23) in der Praxis zu einem erheblichen Teil auf OSINT beruht und das Werk diese Quelle benennen sollte.

Ist OSINT rechtlich zulässig?

Die Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen ist zulässig, für Behörden wie für Unternehmen und Privatpersonen. Grenzen setzen das Datenschutzrecht bei der Speicherung und Verknüpfung personenbezogener Daten sowie das Strafrecht: Wer Zugangssperren umgeht, verlässt den Bereich der offenen Quellen und riskiert eine Strafbarkeit nach § 202a StGB. Verpflichtete nach dem GwG dürfen OSINT im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten nutzen, etwa zur Prüfung der Mittelherkunft.

Welche Rolle spielt OSINT bei Kryptoermittlungen?

Eine zentrale. Blockchain-Daten sind selbst offene Quellen: Jede Transaktion ist öffentlich einsehbar. OSINT verbindet diese Daten mit der Außenwelt. Eine Adresse, die in einem Telegram-Kanal, auf einer Spendenseite oder in einem Forum veröffentlicht wurde, lässt sich einer Person oder Gruppe zuordnen. Diese Verknüpfung ist die Grundlage der Attribution und oft der Ausgangspunkt für Fund Flow Tracing.

Wo liegen die Grenzen von OSINT?

Bei der Belastbarkeit. Ein Treffer in offenen Quellen ist ein Hinweis, kein Beweis. Nutzernamen werden mehrfach vergeben, Adressen weitergegeben, Profile gefälscht. Jede Zuordnung braucht eine zweite, unabhängige Bestätigung, bevor sie in eine Verdachtsmeldung oder ein Verfahren eingeht. Zudem verändern Täter ihr Verhalten, sobald sie wissen, welche Spuren ausgewertet werden; was heute offen liegt, ist morgen verschoben.

Ergänzende Fragen online, Stand Oktober 2026.

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Aus dem Nachschlagewerk
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OSINT schließt Kapitel IV als Eintrag IV.32 ab und verbindet die forensischen Methoden Blockchain-Analyse (IV.21), Cluster-Analyse (IV.22) und Attribution (IV.23) mit den Quellen außerhalb der Kette. Alle Einträge stehen frei im Glossar. Das Buch ergänzt Lesepfade nach Rolle, zitierfähige Kernzahlen, die Konkordanz zur Polizeilichen Kriminalstatistik und die Anhänge.
  • HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €

Preis inkl. MwSt.

Redaktionsstand 05.09.2026 · Fassung 2.1 · online korrigiert am 30.10.2026 · Korrekturen im Änderungsnachweis
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