Risk Scoring / Address Screening
Risk Scoring, Risikobewertung, Wallet Screening, Address Screening, Transaction Screening.
Definition
Automatisierte Bewertung einer Adresse oder Transaktion auf Grundlage ihrer direkten und indirekten Verbindungen zu Entitäten mit bekanntem Risiko. Das Ergebnis ist ein Score oder eine Risikoklasse, die dem Verpflichteten anzeigt, ob und wie er prüfen muss. Address Screening ist der Abgleich gegen Listen (Sanktionen, bekannte Betrugsadressen), Risk Scoring die weitergehende Bewertung des Umfelds.
Erscheinungsform in der Praxis
Ein CASP prüft jede eingehende und ausgehende Adresse. Das Werkzeug meldet: direkte Verbindung zu sanktionierter Adresse (Transaktion verboten), Herkunft zu 40 Prozent aus einem Mixer vor zwei Hops (erhöhtes Risiko, Prüfung), Verbindung zu einer als Betrugsziel gemeldeten Adresse (Hinweis auf Opfer). Die Werkzeuge unterscheiden sich in Datenbasis, Heuristiken und Gewichtung. Derselbe Cluster kann bei zwei Anbietern unterschiedlich bewertet sein.
Was ein Score aussagt: dass eine Adresse in einer bestimmten Entfernung zu einer bestimmten Entität steht. Was er nicht aussagt: ob der Kunde davon wusste, ob die Werte aus einer Straftat stammen, ob eine Meldung erforderlich ist. Der Score ist ein Prüfanlass, keine Entscheidung.
Die FATF verlangt von VASPs risikobasierte Verfahren, ohne bestimmte Werkzeuge vorzuschreiben. Das FIU-Anhaltspunktepapier beschreibt, welche Konstellationen als Anhaltspunkt für eine Meldung gelten.
Praktische Hinweise
Für Compliance: Score-Schwellen dokumentieren, Entscheidungen begründen, Werkzeugversion protokollieren. Bei Prüfungen wird gefragt, warum ein Score von 70 zur Meldung führte und ein Score von 65 nicht. Für Ermittler: Der Score eines Verpflichteten ist ein Hinweis auf dessen Kenntnisstand, kein Beweismittel gegen den Kunden.
Abgrenzung
Quelle
- FATF, Updated Guidance for a Risk-Based Approach to Virtual Assets and Virtual Asset Service Providers (Oktober 2021)
- FIU Deutschland, Anhaltspunktepapier Alternative Zahlungsmethoden und neue Technologien, Version 01.00 (veröffentlicht 16.07.2026)
- BaFin, Auslegungs- und Anwendungshinweise zum Geldwäschegesetz
- Methodenbeschreibungen kommerzieller Analyseanbieter (Fußnotenquelle).
Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag IV.25. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/risk-scoring
Fragen zu diesem Begriff
Was bedeutet Risk Scoring?
Automatisierte Bewertung einer Adresse oder Transaktion auf Grundlage ihrer direkten und indirekten Verbindungen zu Entitäten mit bekanntem Risiko. Das Ergebnis ist ein Score oder eine Risikoklasse, die dem Verpflichteten anzeigt, ob und wie er prüfen muss. Address Screening ist der Abgleich gegen Listen (Sanktionen, bekannte Betrugsadressen), Risk Scoring die weitergehende Bewertung des Umfelds.
Was ist bei Risk Scoring in der Praxis zu beachten?
Für Compliance: Score-Schwellen dokumentieren, Entscheidungen begründen, Werkzeugversion protokollieren. Bei Prüfungen wird gefragt, warum ein Score von 70 zur Meldung führte und ein Score von 65 nicht. Für Ermittler: Der Score eines Verpflichteten ist ein Hinweis auf dessen Kenntnisstand, kein Beweismittel gegen den Kunden.
Wovon ist Risk Scoring abzugrenzen?
Zum Transaktionsmonitoring (IV.26): Screening prüft Adressen, Monitoring prüft Verhalten über Zeit. Zur Attribution (IV.23): Attribution ist die Eingabe, Scoring die Auswertung.
- HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €
Preis inkl. MwSt.