DeFi (Decentralized Finance)
DeFi-Layering, Verschleierung über dezentrale Finanzprotokolle.
Definition
Nutzung dezentraler Handelsplätze, Liquiditätspools, Kreditprotokolle und Derivateplattformen, um Werte durch eine Kette von Vorgängen zu führen, an deren Ende die Herkunft nicht mehr ohne erhebliche Analyse erkennbar ist. Kein Vorgang erfordert eine Identifizierung, weil kein Betreiber beteiligt ist.
Erscheinungsform in der Praxis
Eine mögliche Kette: Stablecoins werden an einer dezentralen Börse in einen volatilen Token getauscht, der Token wird in einen Liquiditätspool eingebracht, der Pool-Anteil wird als Sicherheit in einem Kreditprotokoll hinterlegt, gegen die Sicherheit wird ein anderer Stablecoin geliehen, der geliehene Betrag wird über eine Bridge auf eine andere Kette gebracht. Jeder Schritt ist für sich legitim. In der Summe ist der ursprüngliche Betrag durch fünf Protokolle und zwei Ketten gelaufen, ohne dass ein Mensch beteiligt war.
Aus Ermittlungssicht bleibt jeder Schritt sichtbar, weil alle Protokolle auf öffentlichen Ketten laufen. Die Zuordnung wird aber aufwendig, weil Liquiditätspools und Kreditprotokolle Werte vieler Nutzer vermischen. Wer 100.000 in einen Pool einbringt und 100.000 herausnimmt, hat nicht dieselben Einheiten zurück.
Regulatorisch ist DeFi der Bereich, in dem die Frage nach dem Verpflichteten am schwersten zu beantworten ist. Die FATF hat 2026 in ihrem Bericht zu den Regulierungsherausforderungen bei DeFi Kriterien dafür veröffentlicht, wann Personen ein Protokoll kontrollieren oder maßgeblich beeinflussen und deshalb als VASP zu behandeln sind. Die Einordnung vollständig autonomer Protokolle bleibt offen.
Erkennungsmerkmale
- Abfolge von Protokollinteraktionen ohne wirtschaftlichen Sinn
- Einbringen und Entnehmen aus Pools in kurzer Folge
- Kreditaufnahme gegen frisch eingebrachte Sicherheit mit sofortiger Weiterleitung
- Nutzung von Protokollen ohne Frontend-Betreiber
- Kombination mit Bridges
Abgrenzung
Quelle
- FATF, Targeted Report on Regulatory Challenges from Decentralised Finance (21.07.2026)
- FATF, Virtual Assets: Seventh Targeted Update on Implementation of the FATF Standards on Virtual Assets/VASPs (16.07.2026), Key Findings (S. 4)
- Europol, Internet Organised Crime Threat Assessment (IOCTA) 2026, doi 10.2813/5737847
Kremp, Tobias: Typologien digitaler Finanzkriminalität. Ein Nachschlagewerk. Fassung 2.1, Stand September 2026, Eintrag II.20. Online: https://digitale-enteignung.de/glossar/defi
Fragen zu diesem Begriff
Was bedeutet DeFi?
Nutzung dezentraler Handelsplätze, Liquiditätspools, Kreditprotokolle und Derivateplattformen, um Werte durch eine Kette von Vorgängen zu führen, an deren Ende die Herkunft nicht mehr ohne erhebliche Analyse erkennbar ist. Kein Vorgang erfordert eine Identifizierung, weil kein Betreiber beteiligt ist.
Wovon ist DeFi abzugrenzen?
Zum Chain Hopping (II.2): DeFi-Layering kann auf einer Kette bleiben. Zum Mixer (II.4): DeFi-Protokolle mischen als Nebeneffekt, der Mixer als Zweck.
Wer haftet, wenn über ein DeFi-Protokoll Geld gewaschen wird?
In vielen Fällen niemand, der greifbar wäre. Ein vollständig dezentrales Protokoll hat keinen Betreiber, der Kunden prüft oder Transaktionen stoppt. Nach Erwägungsgrund 22 der MiCA-Verordnung fallen Kryptowerte-Dienstleistungen, die vollständig dezentral und ohne Intermediär erbracht werden, nicht unter die Verordnung. Wann ein Protokoll diese Schwelle erreicht, lässt sie offen. Die regulatorische Diskussion dazu steht im Eintrag DeFi (regulatorische Einordnung).
Wie nutzen Täter DeFi zur Verschleierung?
Über drei Bausteine. Dezentrale Börsen (DEX) tauschen Token ohne Kundenprüfung. Bridges verschieben Werte zwischen Blockchains und erschweren die Verfolgung über Kettengrenzen hinweg. Mixer vermischen Einlagen vieler Nutzer. Alle drei Schritte bleiben auf der Kette sichtbar; sie kosten Ermittler Zeit, keine Spur.
Was ist aus den Sanktionen gegen Tornado Cash geworden?
Die US-Sanktionsbehörde OFAC hatte den Mixer im August 2022 gelistet. Das US-Bundesberufungsgericht für den Fifth Circuit entschied am 26. November 2024 im Verfahren Van Loon gegen das US-Finanzministerium, dass unveränderliche Smart Contracts kein Eigentum im Sinne des Sanktionsrechts sind. Am 21. März 2025 nahm das US-Finanzministerium Tornado Cash von der Sanktionsliste, so die Mitteilung des Treasury. Der Fall zeigt die Grenze klassischer Sanktionen gegenüber Code ohne Betreiber.
Ergänzende Fragen online, Stand Oktober 2026.
- HardcoverErste Ausgabe 2026, 248 Seiten, ISBN 978-3-6967-6404-3. Stand der Ersten Ausgabe 2026.59 €
Preis inkl. MwSt.